Erik Zimen: Berufsgruppe, die Wölfe für besonders gefährlich hält!

„Allerdings war uns klar, dass die besten Gesetze nichts nutzen würden, wenn die einheimische Bevölkerung den Wolf nicht als Mitbewohner ihres Gebietes akzeptierte. Daher mussten wir auch die Einstellung der Menschen im Wolfsgebiet erkunden und herauszufinden suchen, unter welchen Bedingungen sie den Wolf zu akzeptieren bereit wären.

Unsere ersten Versuche in dieser Richtung unternahmen wir schon im Anschluss an unsere erste Zählung im März 1973 (Anm.: in den Abruzzen, Italien). Wir fragten eine Reihe von Leuten, ob sie der Meinung seien, Wölfe könnten Menschen gefährlich werden. Dabei gewannen wir den Eindruck, dass der Wolf als desto gefährlicher eingeschätzt wurde, je weiter die Befragten von Wolfsgebieten entfernt wohnten.


In den Wolfsgebieten hielten diejenigen am wenigsten von der angeblichen Gefährlichkeit des Wolfes, die direkten Kontakt mit Wölfen hatten. Alle befragten Schäfer waren sich über die völlige Ungefährlichkeit des Wolfes in Bezug auf den Menschen einig. Die Berufsgruppe, die den Wolf für besonders gefährlich hielt, war interessanterweise die der Wirtshausbesitzer: ein Ergebnis, das uns nicht weiter erstaunte.“


(Quelle: Erik Zimen (* 1941 bis †2003), bedeutendster Wolfsforscher Deutschlands, in seinem Buch: Der Wolf – Verhalten, Ökologie und Mythos, München 1990, S. 376 f.)

Kommentar verfassen