Zeit- und Waidgenossen

Es gibt Zeitgenossen, die behaupten, dass Menschen, die unsere Wölfe im Jagdrecht sehen wollen, weder von Wölfen noch vom deutschen Jagd- und Reviersystem eine besondere Ahnung haben. Ganz falsch dürften sie mit ihrer Einschätzung nicht liegen.

Die Freien Demokraten allerdings haben genau das auf ihrem 27. Ordentlichen Parteitag so beschlossen. (*1) Obschon eigentlich keiner der angeführten Gründe stichhaltig genug ist, um diesen Schritt hinlänglich zu begründen.

Es braucht nämlich keinen Wolf im Jagdrecht, um einen verletzten Wolf mit einem Fangschuss zu erlösen. Unsere Ordnungshüter sind gewöhnlich schneller am Unfallort und meistens besser im Schießen geübt als die überwiegende Zahl der Grünröcke.

Außerdem stehen sie in einem besonderen Treueverhältnis zum Gesetzgeber. Wenn man also nach einer pragmatischen Lösung sucht, das könnte sie sein. Die Ordnungshüter würden schon dafür sorgen, dass in zweifelhaften Fällen ein Veterinär hinzugezogen werden würde.

Und auch zur Entnahme vermeintlicher „Problemwölfe“ qualifiziert den gewöhnlichen Jäger, außer dass er eine Waffe besitzt und üblicherweise auch schon mal ein wildlebendes Tier getötet hat, nichts.

Ferner dürfte die überwiegende Zahl der Waidgenossen bei ihrem „Grünen Abitur“ nichts über Wölfe gelernt haben. Es gab einfach lange Zeit keinen Grund dafür.

Was soll also gerade diese Personengruppe, von denen viele ihr Hobby nicht ausüben könnten, wenn sie dafür nicht eine beträchtliche Jagdpachtsumme entrichten würden, besonders im Umgang mit Wölfen qualifizieren?

Ich erinnere mich an eine Zeit, da traten die Freien Demokraten als Partei der Besserverdienenden an. Unvergessen ist auch ihr (umgesetztes) Wahlversprechen, das Hotelgewerbe steuerlich zu entlasten.

Vielleicht liegt ja hier „der Hase im Pfeffer“ und es geht der Partei erneut darum, ein „klassisches Wählerklientel“ bei Laune zu halten?

Die recht schwachen Argumente der Partei, warum man beim Wolf für das Jagdrecht plädiert, lassen Platz für derartige Spekulationen…

Herzlichst

Ihr

Jürgen Vogler


P.S. Gegen die ebenso von der FDP geforderten Verbesserungen beim Schadensausgleich kann übrigens grundsätzlich keiner etwas haben. Gegen einen „Rechtsanspruch“ für vom Wolf verursachte Schäden allerdings schon…


Quelle: (*1) FDP Sachsen-Anhalt, www.fdp-lsa.de Pressemeldung, Dr. Lydia Hüskens: „Pragmatisches Handeln statt Naturromantik“, abgerufen am 13.04.2017, hier der Link!

 

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