Was braucht der Mensch als Jäger, Jagdkonkurrent und Wolfsberater? (Teil 1 von 3)

„Es ist ein Thema, das mich von der Zeit und Komplexität her in ein Vortragskorsett zwängt und von mir als Herausforderung betrachtet wird, wobei ich hier nicht als Wolfsberater spreche, sondern nur meine Erfahrungen aus diesem Amt einfließen lasse.

Der Wolf kann als eine der am besten erforschten Wildarten bezeichnet werden, sicher nicht in Deutschland aber weltweit. Zum Wolf ist eigentlich längst alles gesagt, längst noch nicht von jedem und längst hat noch nicht jeder alles verstanden.

So liegt mein Tätigkeitsfeld in der Wolfseelsorge, da dieses zwar mit Wissen, aber noch mehr mit Glauben und Hoffen einhergeht.

Der Rückkehr eines der intelligentesten und hochsozialisierten Erfolgsmodelle der Evolution sollen die Managementpläne der Länder den Weg bereiten. Der Jagd wird dort als einem der Konfliktfelder neben Nutztierhaltung und Bevölkerung eine gewisse Bedeutung eingeräumt.

Ein Managementplan soll die Ziele formulieren und Methoden benennen, mit denen diese erreicht werden sollen und Wolfsberater sind mit diesem Hintergrund gehalten, den Wolf betroffenen oder interessierten Kreisen näherzubringen und Konflikte zu minimieren.

Voraussetzung für ein erfolgreiches Konfliktmanagement ist ein gewisses Maß an Empathie für die Situation der Betroffenen. Ein Dialog, in dem als Ergebnis das Problem formuliert und ein konsensfähiger Lösungsansatz skizziert wird.

Es sei vorrausgeschickt, dass es zwei Kardinalfehler des Wolfsmanagements gibt.

Zum einen eine statische Beschreibung des Wolfsverhaltens, die immer wieder korrigiert werden muss – die dem Wolf ein literarisches Mäntelchen umhängt, das diesem zu eng und wider seiner Natur ist. Der andere Kardinalfehler besteht in unterlassenen, unzureichenden oder falschen Maßnahmen auf unerwünschtes Wolfsverhalten oder Entwicklungen.

In allen Managementplänen werden die Jäger bisher lediglich darauf hingewiesen, dass Wild generell herrenlos ist und eine Jagdpacht keinen Anspruch auf einen Wildertrag beinhaltet und somit Jagdwertminderung oder Jagderschwernisse durch verändertes Wildverhalten keinen Anspruch auf eine Entschädigung beinhalten.

Der sächsische Managementplan als Urmutter aller deutschen Managementpläne formuliert lapidar, dass das Vorkommen von Wölfen grundsätzlich vielfältige Auswirkungen auf die jagdlichen Verhältnisse haben kann wie Dichte, Struktur und Fitness der Wildbestände, auf ihre nachhaltige Nutzung, auf die Wildschäden und auf die Hege.

Jagdhunde können gefährdet sein und Entwicklung der Abschusszahlen im Wolfsgebiet lassen zwar Besorgnis hinsichtlich der Entwicklung der Schalenwildbestände erstehen, liefern aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine eindeutigen und abschließenden Schlüsse zum Einfluss der Wölfe auf die Jagdstrecken bzw. auf die Wildbestände.

In Niedersachsen ist man ein Stück weiter und formuliert in dem Entwurf für den Managementplan dahingehend, dass es durchaus zu dramatischen Einbrüchen bei Wildbeständen kommen kann.

Die berechtigte Frage, die sich aufdrängt ist, was will man den Jägern sagen und welche Ziele des Managementplans werden in dieser Zielgruppe mit welchen Methoden erreicht?

Mit den vorherrschenden Formulierungen stellt sich das Wolfsmanagement als ein reiner Verwaltungsakt dar, der Jagd und Jäger in juristische Schranken verweist.

Zwar betont man Sorgen ernst zu nehmen, jedoch ohne wirkliche Lösungsansätze zur Konfliktforschung und Bewältigung anzubieten.

Die Rückkehr des Wolfs nach Deutschland ist nicht zuletzt auch den für ihn idealen Lebensbedingungen zu verdanken.

Es sind die höchsten Schalenwilddichten Europas, die bedingt durch veränderte Landwirtschaft und Waldbau, lange Vegetationsphasen und besonders durch eine Jagd, die diese Wildarten zu keinem Zeitpunkt über die Nachhaltigkeit hinaus genutzt hat.

Jahresstrecken von ~1,1 Millionen Stück Rehwild, ~75 tsd Stück Rotwild und ~0,5 Millionen Stück Schwarzwild sprechen für sich.

Jäger haben einen erheblichen Anteil an dieser rasanten Wiederbesiedelung des Wolfs.

In den rund 150 Jahren der Wolfsabwesenheit – von einigen Ausnahmen abgesehen- sind die Schalenwildbestände von gravierenden Seuchenzügen verschont geblieben und Tollwut und Schweinepest wurden auch unter aktiver Mithilfe der Jäger derart eingedämmt, dass die Tollwut seit 2008 nicht mehr vorkommt und die Schwarzwildbestände sich von regionalen Einbrüchen immer wieder erholten.

Es besteht für Jäger die gesetzliche Verpflichtung der Mitwirkung an der Wildseuchenbekämpfung, kranke Stücke zu erlösen und ggf. gefahrlos zu beseitigen.

Die Schalenwildbestände können hierzulande weder als morbide, degeneriert noch in ihrer Alters- und Geschlechterstruktur als unausgeglichen bezeichnet werden.

Der der durchgehend bei allen Schalenwildarten nachgewiesene Reproduktionserfolg gibt Recht!

Damit stellt sich die Frage, ob die vielzitierte Funktion des Wolfs als „Gesundheitspolizist“ durch dessen Jahrhunderte lange Abwesenheit nicht ad absurdum geführt wird.

Die Beweggründe, dem Wolf hoheitliche Polizeiaufgaben zuzuschreiben, erschließt sich mir nicht – Tatortreiniger wäre auch eine Option der Benennung gewesen.

Fallwild, verendete Stücke wurden auch bisher durch Schwarzwild, Fuchs, Dachs, Greife, Rabenvögel oder kleine Aasfresser erfolgreich entsorgt.

Eine fragile Wolfspopulation würde sich durch die Entsorgungstätigkeit an Räude oder Staupe erkranktem Haarwild in ihrem Bestand in hohem Maße selbst gefährden.

Auch hier dient jagdlicher Einsatz zur Eindämmung der Räude und Staupe letztendlich auch dem Wolfsbestand.

Als Nahrungsopportunist erbeutet der Wolf unbestritten, junge, schwache, kranke oder „dumme“ Stücke zuerst also die leicht zu erjagenden –  aber eben nicht ausschließlich.

Hochtragende Ricken, Hirschkühe  oder frisch gesetzte Kitze bzw. Rotwildkälber sind zwar leichte Beute, aber definitiv nicht zwangsläufig krank.

Unbestritten hat die Koevolution von Wolf und Schalenwild dazu geführt, dass sowohl Jäger und Gejagte ihre physischen Fertigkeiten gegenseitig entwickelten, die einen in der Flucht, die anderen im Hetzen- der Wolf war aber nie der einzige Prädator, der diesem nachstellte – der Mensch gehörte in allen Zeiten dazu, die Sinne seiner Beutetiere zu prägen.“…

Fortsetzung folgt….

(Hier geht es zum zweiten Teil des Beitrags!)


Anmerkung der Redaktion: Klaus Bullerjahn hielt diesen Vortrag auf der Tagung „(K)Ein Platz für wilde Tiere? Wolf & Co.“ der Evangelischen Akademie Loccum im November 2016. Weitere Infos zur Tagung und diesen Vortrag in voller Länge finden Sie in der Tagungsdokumentation, hier der Link!

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