In eigener Sache (3) – Mein „Herden-schutzhund“ Mickel

„Die Treue eines Hundes ist ein kostbares Geschenk, das nicht minder bindende moralische Verpflichtungen auferlegt als die Freundschaft zu einem Menschen.“ (Konrad Lorenz)
Nachdem ich mich im Herbst letzten Jahres von meiner treuen hündischen Gefährtin Aika verabschieden musste, wurde von Tag zu Tag klarer, dass es eigentlich nur ein Wesen gibt, das diese große Lücke schließen und den Schmerz überwinden helfen kann. Ein neuer Hund sollte es sein.


Die Suche nach einem passenden Gefährten gleicht der sprichwörtlichen Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Nach meinem silbergrauen Langhaarweimaraner „Cäsar“ und der Flat-Coated-Retriever Hündin „Aika“ war nun die notwendige Erfahrung mit verschiedenen Hunden vorhanden, so dass eigentlich auch ein „Spezialist“ in Frage kam, ein Hund also, auf dessen besondere Eigenschaften Rücksicht genommen werden konnte.

Schon seit längerem hatte ich mich in die „weißen Riesen“ verguckt, Herdenschutzhunden wie dem „Maremmano-Abruzzese“, „Kuvasz“, „Polski Owczarek Podhalanski“, kurz „Podhalaner“ oder den „Slownsky Kuvasz“.

Doch alle diese urtümlichen Herdenschutzrassen, so las ich im Buch von Thomas Achim Schoke, haben charakterliche Merkmale, auf die der Autor den „herkömmlichen Hundefreund“ – wie ich es einer bin – besonders hinweist: *

„Keinesfalls kann die Haltung eines Herdenschutzhundes mit der Haltung eines Retrievers, Dackels oder Schäferhundes verglichen werden. Hundehalter, deren Kenntnisse und Fähigkeiten sich auf den Besitz dieser und ähnlicher Rassen begründet, werden nach der Anschaffung eines Herdenschutzhundes eine neue Welt kennen lernen und sich mit einem ganz anderen Hundetyp auseinandersetzen müssen.“

…und schließlich warnt Schoke:

„Herdenschutzhunde sind kompromisslose Wächter und Beschützer von Viehherden, sie wachen mit Argusaugen über ihr Territorium, handeln aufgrund eigener Entscheidungen und widersetzen sich erfolgreich halbherzigen Erziehungsversuchen unqualifizierter Ausbilder. Sie sind keine Kuscheltiere, keine Spielkameraden, keine Begleiter bei Freizeit und Sport und auch keine preiswerten Bewacher für Haus und Garten. Natürlich können Herdenschutzhunde für einen engagierten und umsichtigen Hundefreund all dies sein, eine Automatik oder gar eine Zwangsläufigkeit gibt es jedoch nicht.“

Gespräche, die ich auf einer Rassehundeausstellung mit Haltern der „weißen Riesen“ führte, bestärkten die Gültigkeit der Aussagen Schokes. Und weil ich mir einen eher unkomplizierten Weggefährten wünschte, dabei auch an meine Nachbarn dachte und letztlich doch keine ganz so große Herausforderung suchte, wurde es schlussendlich „Mickel“.


„Mickel“, kurz „ Mick“, ist ein Golden-Retriever (vor meinem geistigen Auge sehe ich gerade alle Besitzer von Herdenschutzhunden den Kopf schütteln) aus einer „Showlinie“ mit britischem Vater und deutscher Mutter. Er hat eine ziemlich helle, fast weiße Fellfarbe, so dass er mich an einen Herdenschutzhund erinnert, auch wenn er nie dessen körperliche Größe erreichen wird. Mick ist überaus intelligent und hat sich sofort in die Herzen aller, die ihn kennen, geschlichen. Das Zusammenleben ist völlig unkompliziert und noch nie erriet einer meiner hündischen Wegbegleiter so schnell, welches Verhalten gerade erwünscht ist. Er zeigt bereits heute auf den Spaziergängen jede Raubtierlosung zuverlässig an und meldet jede Person, die sich dem Grundstück nähert, wobei ich anfangs natürlich schon mit dem einen oder anderem „Leckerli“ nachgeholfen habe, um das jeweilige Verhalten zu festigen.

Kurzum, dieser Hund ist eine Wucht, absolut führig, alltagstauglich, nervenstark, mutig und außerordentlich gesellig. Bereits in seinem vierten Lebensmonat begleitete er mich auf den Berliner Alexanderplatz und wir sahen über eine Stunde lang gemeinsam dem bunten Treiben dort zu. Ohne, dass er in irgendeiner Form Angst zeigte.

Mick wurde somit schnell zum „Herdenschutzhund meines Herzens“! – eine tolle Wahl!


Darf ich vorstellen? „Mick“!


Mick im dritten Lebensmonat:

Mickel im dritten Lebensmonat (Foto: Vogler)
Mickel im dritten Lebensmonat (Foto: Vogler)

Mick in gelassener Nagehaltung:

Mick beim Spiel (Foto: Vogler)
Mick beim Spiel (Foto: Vogler)

Mick heute:

Mick im Juli 2015 (Foto: Vogler)
Mick im Juli 2015 (Foto: Vogler)

Herzlichst
Ihr
Jürgen Vogler


*(Quelle: Thomas Achim Schoke: „Herdenschutzhunde: Eigenschaften – Fähigkeiten – Wesen- Verhalten“, animal learn Verlag, 3. Auflage 2012)

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