Setzt Ministerpräsident Weil lieber auf Abschuss als auf Aufklärung und Herdenschutz?

Ein pikantes Lehrstück, wie Pressearbeit funktionieren und politische Prioritäten von den Medien allein durch die Wahl prägnanter Überschriften beliebig gewichtet werden können, präsentierte nun die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) ihren Leserinnen und Lesern. In der Überschrift eines Interviews, welches die Zeitung mit Niedersachsens Ministerpräsident führte, heißt es, Weil wolle Wölfe auf ein „vernünftiges Maß“ begrenzen. (*1)

Bei solch einem publikumswirksamen „Aufmacher“ rücken in Vorwahlzeiten offenbar schon mal die „relevanten“ politischen Angelegenheiten in den Hintergrund.

Bisher musste man übrigens quasi rätseln, wenn man wissen wollte, welche Position die niedersächsische SPD zum Wolf hat. Das Thema wurde weitestgehend von ihr gemieden und überwiegend von der CDU, der FDP und den Grünen im Landtag besetzt und „gespielt“.

Ministerpräsident Weil löste dieses Rätsel nun in dem NOZ-Interview auf. Zumindest teilweise. Auf die Fragen von Klaus Wieschemeyer und Uwe Westdörp zum Thema Wolf antwortete Weil, er habe sich vorgenommen, „mit der Bundesregierung intensiv darüber zu sprechen, welche Möglichkeiten bestehen, gerade in Schwerpunktregionen den Bestand von Wölfen auf ein vernünftiges Maß zu begrenzen.“

Was wie ein Einknicken vor der Opposition aussieht, welche die niedersächsische SPD in Punkto Wolf schon seit langer Zeit mit allerhand Schauergeschichten vor sich hertreibt wie sie will, kann allerdings auch zur Überraschung der oppositionellen Parteien ganz anders als dort erwartet ausgehen.

Nämlich dann, wenn Weil das angekündigte Gespräch mit der Bundesregierung noch vor den Bundestagswahlen im September führt. Und zwar mit seiner Parteikollegin, der Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, die Teil der amtierenden Bundesregierung ist.

Wie Barbara Hendricks die Lage rund um den Wolf beurteilt, ist hinglänglich bekannt. Noch im April äußerte sie gegenüber NDR 1 Niedersachsen, dass es beim strengen Schutz für Wölfe bleibe.

Den Schutz für den Wolf zu lockern – „davon sind wir weit entfernt“, sagte sie wörtlich.

Besonders mit Blick auf den Streit in Niedersachsen verwies Hendricks zudem darauf, dass verhaltensauffällige Wölfe auch jetzt schon erschossen werden können und dass sie die Konflikte für lösbar hält: mit finanziellen Hilfen für die Nutzhierhalter, Zäunen und Herdenschutzhunden. (*2)

Insofern: Lassen Sie sich von diesem Gespräch nicht abhalten, Herr Ministerpräsident! Und bis dahin gehen wir einmal davon aus, dass Ihre geäußerte Absicht, Wölfe auf ein vernünftiges Maß begrenzen zu wollen, Valium fürs Wahlvolk ist. Nicht mehr und nicht weniger!

Herzliche Grüße

Jürgen Vogler


Quellen:

(*1) NOZ am 10.6.2017: „Ministerpräsident Weil: Wölfe auf vernünftiges Maß begrenzen“, abgerufen am 11.6.2017, hier der Link!

(*2) NDR am 18.4.2017: „Hendricks lehnt Obergrenze für Wölfe ab“ von Torben Hildebrandt, abgerufen am 11.6.2017, hier der Link!

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