Quatsch und Populismus in Garlstedt

„Der Populismus hat eine recht unruhige Entwicklung durchgemacht. Einst war er erfunden worden als eine politische Richtung, die dem Volk aufs Maul schaut, um daraus eine Politik im Sinne des Volkes zu zimmern. Dann hat er sich verbogen zu einer politischen Bewegung, die dem Volk nach dem Maul redet, gleichgültig, welcher Unsinn dabei auch herauskommen mag.“

… „Moderne Populisten warten aber erst gar nicht ab, was dem Volk am Herzen liegt. Sie pflanzen den Leuten lieber gleich die Angst vor irgendetwas ein – (…) – und bieten sich und die eigene Politik dann gleich als die einzig mögliche und wirksame Lösung für ein Problem an. Nur um an die Futtertröge der Macht zu gelangen.“ (*1)

Eigentlich wollte ich nichts über den Bericht im Osterholzer Kreisblatt schreiben, in dem Peter von Döllen darlegt, wie der agrarpolitische Sprecher der niedersächsischen CDU-Landtagsfraktion und Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen, Helmut Dammann-Tamke, kürzlich in einem Vortrag beim CDU-Ortsverband Garlstedt (Osterholz-Scharmbeck) davon sprach, wie er die niedersächsischen Wölfe offenbar „konditionieren“, bzw. „erziehen“ will.

Doch als ich gestern den obigen Artikel in den Salzburger Nachrichten las, dachte ich merkwürdigerweise spontan an den verquirlten Quatsch, den Dammann-Tamke zuletzt in Garlstedt von sich gab.

Quatsch ist es beispielsweise, dass die Wolfspopulation – wie Dammann-Tamke es bezeichnete – bereits gesichert sei.

Quatsch ist es außerdem, dass es eine „Lücke“ zwischen den beiden beschriebenen „wolfspolitischen“ Extremen zu füllen gilt. Die „Richtlinie Wolf“ in Niedersachsen und die dort zuletzt erhöhten, weil aufgestockten Zuschussmöglichkeiten für den Herdenschutz machen dies völlig überflüssig.

Außerdem gibt es keine objektiven und wissenschaftlichen belegten Gründe für die Bejagung der Wölfe, auch wenn der Jägerpräsident anderes behauptet. Erst Recht nicht für die Entfernung eines Jungtiers aus dem Rudelverband als „Konditionierung“ von Wölfen. Das ist also auch völliger und darüber hinaus auch noch unzeitgemäßer Quatsch! (…mit keiner Zeile konnte bisher der Erfolg dieser Maßnahme wissenschaftlich seriös bewiesen werden).

Die ergänzend geforderte Beweislastumkehr würde dem Missbrauch ferner Tür und Tor öffnen – und zwar zu Lasten der Steuerzahler.

Wenn ich also nach der Lektüre des Artikels im Kreisblatt den Eindruck erhielt, dass die Mission des Jägerpräsidenten in Garlstedt wohl eine äußerst fragwürdige war, dürfte es kaum verwundern, dass mir genau dieser Beitrag spontan wieder einfiel, als ich die obigen Zeilen von Viktor Hermann beim Frühstück las.

Ja, es ist populistische Angstmacherei, wenn man Sätze äußert wie diesen: …„Sonst würden die Wölfe bald in die Städte ziehen.“…!

Ich glaube, dass die meisten Menschen heute gut und umfassend informiert sind und nicht mehr auf jeden Quatsch hereinfallen, den man ihnen präsentiert.

Und ich glaube, dass der Imageschaden, den sowohl die Jagd als auch die Landwirtschaft in Deutschland in den letzten Jahren erleiden mussten, genau der populistischen und in meinen Augen unredlichen Argumentationsweise geschuldet ist, wie sie nun auch der niedersächsische Jägerpräsident (und Agrarpolitiker) in Garlstedt weitestgehend zeigte.


Herzlichst

Ihr

Jürgen Vogler


P.S.: Eine nachgesprochne Wahrheit verliert schon ihre Grazie, aber ein nachgesprochner Irrtum ist ganz ekelhaft.

Johann Wolfgang von Goethe, (1749 – 1832)


Quellen:

(*1) Salzburger Nachrichten am Montag, dem 10.7.2017, Seite 3 – Hintergrund: „Wenn Populisten plötzlich die Windrichtung ignorieren“ von Viktor Hermann

(*2) Osterholzer Kreisblatt, www.weser-kurier.de, „Erziehungsplan für Wölfe“ gefordert von Peter von Döllen am 06.07.2017, abgerufen am 12.7.2017, hier der Link!

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