Sachsen-Anhalt: Als Tiger gestartet – 77 Fragen zum Wolf

Die CDU-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt erstellte nun unter der „Zuarbeit vieler Experten aus unseren Reihen“ (…so der gelernte Sport- und Sozialkundelehrer Carsten Borchert, der unter anderem sportpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im dortigen Landtag ist, gegenüber der Altmark-Zeitung) – (*1) einen Fragenkatalog mit 77 Fragen zum Thema Wolf.

Die sogenannte „Große Anfrage“, so die Hoffnung der Landtagsabgeordneten, werde als „Paukenschlag“ wegen ihrer Tragweite auch die Bundespolitik, die Bundesbehörden sowie die Europapolitik beschäftigen.

Den Kern der Fragestellungen bilden dabei offenbar das „Konfliktpotenzial zwischen Mensch und Beutegreifer“ und die wachsenden „finanziellen Aufwendungen“, welche von „privaten und öffentlichen Kostenträgern zu schultern“ seien.

Das mit den „finanziellen Aufwendungen“ hätten sich Borchert und seine Kollegen jedoch vielleicht besser vorher überlegen sollen. Denn sie sind nicht die ersten Landtagsabgeordneten in Deutschland, die eine „Große Anfrage“ zum heimischen Grauwolf formulierten und glauben, damit etwas von europäischer Tragweite erschaffen zu haben.

Sie müssen sich andersherum von ihren Wählern deshalb nun fragen lassen, ob dieser Schritt nicht überflüssig und die zusätzlichen „finanziellen Aufwendungen“ nicht sogar vermeidbar gewesen wären, denn europäische Grauwölfe dürften in Sachsen-Anhalt grundsätzlich nicht anders „ticken“ als europäische Grauwölfe in Niedersachsen. Die Erkenntnisse und Antworten beider „Anfragen“ dürften sich – so ist zu erwarten – deshalb nicht großartig voneinander unterscheiden.

Denn in Niedersachsen war es im letzten Jahr die Landes-FDP, die sogar 83 Fragen an die dortige Landesregierung stellte. Das Ergebnis: die Abgeordneten der FDP waren genauso erwartungsvoll und großspurig als „Tiger“ gestartet, nach der Beantwortung der Fragen durch die Landesregierung jedoch als „Bettvorleger“ gelandet, weil man sie sachlich und emotionslos auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt hatte.

Ähnlich – so ist zu erwarten – dürfte es nun auch Carsten Borchert und seinen CDU-Abgeordnetenkollegen gehen. Das Ganze ist allerdings noch eine Spur peinlicher.

Denn sie, die nun die 77 Fragen verfasst und adressiert haben, sind gleichzeitig Teil der bestehenden Landesregierung in Sachsen-Anhalt. Damit beschäftigt man sich augenscheinlich mit sich selbst…da weiß man schließlich, was man hat!

Klingt wie eine Provinzposse, oder?

Herzlichst

Ihr

Jürgen Vogler


P.S.: Wer tatsächlich glaubt, die Ausgaben für den Herdenschutz (Präventionsmaßnahmen und Schadensausgleich) oder wie es oben heißt, die „finanziellen Aufwendungen“ seien in Deutschland dafür zu hoch, sollte sich hin und wieder vergegenwärtigen, wofür in diesem Land Steuergeld ausgegeben wird. Zum Beispiel zur Unterstützung einer U-Boot-Lieferung an einen befreundeten Staat. Immerhin mit einem „Zuschuss“ von 500 Millionen EUR versehen…. Steuergelder wohlgemerkt. Ohne „kleine“ oder „große“ Anfrage….(*2)


Quellen:

(*1) Altmark-Zeitung: 77 Fragen mit Zündstoff von Kai Zuber, abgerufen am 13.7.2017

(*2) n-tv.de vom 30. Juni 2017: Berlin liefert Israel weitere U-Boote, abgerufen am 13.7.2017, hier der Link!

Außerdem: Landtag Sachsen-Anhalt, Drucksachen: Drucksache 7/1644 Große Anfrage vom 11.7.2017, abgerufen am 13.7.2017, hier der Linkl!

 

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