Niedersachsens Neuwahl und die Wölfe

„Ich bin keine Verräterin und fühle mich sehr gut“ wird die 54-jährige (Listen-) Abgeordnete der niedersächsischen Grünen, Elke Twesten, von den Medien zitiert nachdem sie heute bekannt gab, dass sie nur 5 Monate vor den originären Neuwahlen in Niedersachsen ins CDU-Lager wechselt und die Rot-Grüne-Regierung dadurch ihre Stimmenmehrheit von einer Stimme verliert. Das Ergebnis werden vermutlich vorgezogene Neuwahlen sein, die möglicherweise im November stattfinden werden.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil spricht von „Intrige“, Innenminister Boris Pistorius nennt das Verhalten von Elke Twesten auf seiner Facebook-Seite, das „anscheinend ausschließlich von persönlichen Interessen und Ambitionen gesteuert ist – und eben nicht durch politische Fragen beeinflusst ist, ziemlich ungeheuerlich und schamlos.“

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD, Ralf Stegner, bezeichnete den Schritt der Grünen-Politikerin „politisch unanständig“. Gegenüber dem «Kölner Stadt-Anzeiger» sagte er ferner: „Es ist ganz offenkundig, dass da jemand aus persönlichen Karriereerwägungen und unter Mithilfe der Union den Wählerwillen verfälschen will.“

Glaubt man den Postings von Niedersachsens Innenminister Pistorius auf Facebook, könnte die CDU ein Lockangebot an Elke Twesten ausgesprochen haben. „Ich bin sehr gespannt, ob etwas bekannt wird über gemachte Zusagen seitens der CDU“, schreibt er. (*1)

Soweit einige offizielle Statements, die einigermaßen „political correct“ zu bleiben scheinen, obwohl das Verhalten Twestens alles andere als korrekt war.

Im Netz schlägt man dementsprechend schon etwas härtete Töne an. Genau das, was sie angeblich nicht sein möchte sei sie nun, eine Verräterin, so die (gefühlte) Mehrheit der Stimmen in den Sozialen Medien.

Und nicht nur das. Das Wort Verräterin wird dort mit allerlei Adjektiven versehen. „Egoistisch“ ist noch eines der harmloseren davon.

Am Ende wird sich dennoch kaum etwas ändern. Auch für unsere Wölfe. Es wird – zwei Monate vor dem eigentlichen Wahltermin im Januar 2018 – vorgezogene Neuwahlen in Niedersachsen mit insgesamt geschwächten Volksparteien geben.

Oder haben Sie etwas Maßgebliches von den Kanzlerkandidaten zur Dieselaffäre vernommen? Nö, Totalausfall. Da schickte man offensichtlich lieber die Minister ins Rennen, die vermutlich selbst nur noch wenige Wochen im Amt sein werden. Eine politische Blamage, wie ich finde. Immerhin sind mehrere Millionen Mitbürger von den Betrügereien der Autokonzerne betroffen.

Dieser Beitrag endet nun mit den Worten von Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung zu Elke Twesten:

„In der Politik liebt man den Verrat, aber nicht den Verräter. Der Satz stammt von Julius Caesar; aber er gilt noch heute. Der Fraktionswechsel der Abgeordneten ist selbstsüchtig, unredlich und schäbig – wer mag solche Leute schon?“ (*2)

Just my two cents…

Jürgen Vogler


Quellen:

(*1) Facebook Seite von Boris Pistorius, abgerufen am 4.8.2017, hier der Link!

(*2) Süddeutsche Zeitung, Beitrag von Herbert Prantl: „Die SPD verbrennt“, abgerufen am 4.8.2017, hier der Link!

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