Verfehlter und verlogener Mahnfeuer-Aktionismus

Dass die Wolfsmonitor-Redaktion und viele Wolfsfreunde die merkwürdigen Mahnfeuer des „Aktionsbündnisses aktives Wolfsmanagement“ grotesk und teilweise sogar verlogen finden, dürfte den regelmäßigen Leserinnen und Lesern dieser Webseite nicht verborgen geblieben sein (siehe z.B. hier!).

Nun beginnen die „zündelnden Bauervereinigungen“ offenbar sogar in Nordrhein-Westfalen, wo die Wölfe bisher noch nicht einmal heimisch geworden sind, mit den mittelalterlich anmutenden Bratwurst- und Bier- Events.

Vermutlich, um von den echten Problemen ablenken zu wollen, von denen sich weite Teile der Gesellschaft geplagt sehen.

Als „echte“ Probleme werden beispielsweise vielerorts die massenhaft industrielle Tierhaltung und deren Begleiterscheinungen (beispielsweise Fipronil), immer größere und monotonere Agrarflächen, die leichtgläubige Fortsetzung des Einsatzes insektentötender Neonicotinoide und die nach einem kritischen „sternTV“- Bericht bereits früh angeschlagene und heiß umstrittene neue NRW-Landesministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, Christina Schulze Föcking, wahrgenommen.

Kein Wunder also, dass die überzogenen und grotesken „Wolfshabitats“- und „Bestandsregulierungs- Forderungen“ der Bauernverbände im Aktionsbündnis vor diesem Hintergrund in den Augen vieler Wolfsbefürworter wie „Nebelkerzen“ wirken, die offenbar von diesen „echten“ Problemen ablenken sollen, die heute durch die „gute landwirtschaftliche Praxis“ entstehen.

Selbst beim Nachbarn, dem niedersächsischen Aktionsbündnis zündelt man bereits, noch bevor das eigentliche Fachvokabular richtig einstudiert wurde. Ein „aktives“ Wolfsmanagement scheint man dort etwa von einem „invasiven“ Wolfsmanagement nicht unterscheiden zu können. Das allerdings ist dort offenkundig gemeint, wenn über ein „echtes Wolfsmanagement“ schwadroniert wird.

Außerhalb der landwirtschaftlichen „Echokammern“ weiß man es deshalb zu schätzen, wenn zur Versachlichung der Debatte hin und wieder eine kundige Stimme zu hören ist:

Gegenüber der „Passauer Neuen Presse“ wiederholte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks nun die (eigentliche) Binsenweisheit, dass die Jagd auf den Wolf nicht dazu beitrage, Risse bei Nutztieren zu vermeiden.

Entscheidend sei nicht die Größe des Wolfsbestandes, sondern „wie gut oder schlecht vor allem Nutztiere geschützt sind“. Das Beispiel der Lausitz zeige, dass „konsequenter Herdenschutz“ die Zahl der Nutztier-Risse reduziere. (*1)

Konsequenter Herdenschutz um Nutztier-Risse zu reduzieren, das ist etwas, was in Niedersachsen nicht selten auch heute noch mit allerhand fadenscheinigen Argumenten infrage gestellt wird.

Und das, obwohl dort die Rot-Grüne-Regierung noch vor wenigen Monaten mit berechtigtem Stolz verkünden konnte, dass die Ausgleichszahlungen im Rahmen der Richtlinie Wolf nun bis 30.000 Euro jährlich pro Betrieb maßgeblich erhöht werden konnten.

Wer allerdings dennoch seine Tiere nicht ausreichend schützen und später, nachdem das Kind in den Brunnen gefallen ist, die Wölfe auch noch dafür zur Rechenschaft ziehen zu will, muss sich den Vorwurf einer gewissen unredlichen „Doppelzüngigkeit“ gefallen lassen.

Ein „Aktionsbündnis Herdenschutz“ wäre deshalb etwas, was man jetzt anstelle eines zündelnden „Aktionsbündnisses aktives Wolfsmanagement“ wirklich gebrauchen könnte.

„I love Weidetiere“ ist auf Plakaten zu lesen, mit denen die Aktivisten der Bauernverbände offen gegen die Wölfe wettern. Doch diese Liebe ist erfahrungsgemäß nicht grenzenlos. Die meisten dieser „geliebten“ Tiere landen nämlich am Ende trotzdem auf dem Schlachthof.

Wen wundert’s also, dass die „Mahnfeuer“ des Aktionsbündnisses auf viele Menschen genauso verfehlt wie verlogen wirken?

Mehr Ehrlichkeit würde der Debatte am Ende nicht schaden. Denn es ist tatsächlich möglich, sowohl die geliebten Weidetiere des einen als auch die geliebten Wölfe des anderen zu schützen. Und zwar gleichzeitig!

Just my two cents…

Jürgen Vogler


Quelle:  (*1) Passauer Neue Presse (PNP), www.pnp.de, Artikel vom 12.8.2017: „Hendricks: „Jagd auf Wolf hilft nicht gegen Nutztier-Risse“, abgerufen am selben Tag, hier der Link!

 

 

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