{"id":4852,"date":"2016-09-01T10:29:32","date_gmt":"2016-09-01T08:29:32","guid":{"rendered":"http:\/\/wolfsmonitor.de\/?p=4852"},"modified":"2018-05-05T14:23:58","modified_gmt":"2018-05-05T12:23:58","slug":"3-antworten-von-frank-fass-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wolfsmonitor.de\/?p=4852","title":{"rendered":"3 Antworten von Frank Fa\u00df (Teil 1)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Frank Fa\u00df vorstellen hei\u00dft Eulen nach Athen tragen. Der 42-j\u00e4hrige gelernte Luft- und Raumfahrtingenieur und heutige Inhaber und Betreiber des Wolfcenters in D\u00f6rverden, er\u00f6ffnete im Jahr 2010 mit seiner Frau Christina den 5,2 Hektar gro\u00dfen Wolfspark auf einem ehemaligen Bundeswehrgel\u00e4nde in der nieders\u00e4chsischen Ortschaft Barme. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Frank Fa\u00df ist ebenfalls ehrenamtlicher Wolfsberater in Niedersachsen und engagiert sich auch au\u00dferhalb des Wolfcenters f\u00fcr den Wolf. Er wuchs in einer J\u00e4gerfamilie auf und ist selbst ausgebildeter J\u00e4ger.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Wolfsmonitor hatte nun Gelegenheit, sich rund vier Stunden lang mit Frank Fa\u00df \u00fcber die W\u00f6lfe in Deutschland und sein Engagement f\u00fcr die W\u00f6lfe zu unterhalten. Ausz\u00fcge dieses Gespr\u00e4chs werden nun in zwei Teilen hier auf Wolfsmonitor ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p><strong>WOLFSMONITOR: Herr Fa\u00df, auf Ihrer Webseite gibt es einen Bereich \u201eVisionen und Standpunkte\u201c. Sie erlauben sich dort, Vorschl\u00e4ge f\u00fcr ein tragf\u00e4higes Konzept des Zusammenlebens von Menschen und W\u00f6lfen in der heutigen deutschen Kulturlandschaft zu unterbreiten. Ein Vorschlag besagt, dass die Dichte an Nutztieren in einer Region dar\u00fcber entscheiden sollte, ob dort W\u00f6lfe toleriert werden sollten. Wie meinen Sie das genau?<\/strong><\/p>\n<p>Lieber Herr Vogler, ich m\u00f6chte mich einleitend an dieser Stelle zun\u00e4chst mal daf\u00fcr bedanken, dass Sie mich vor einer Woche besucht haben und wir uns satte 4 Stunden \u00fcber unterschiedlichste Themen rund um den frei lebenden Wolf in Deutschland und anderswo unterhalten haben. Wir waren in unseren Ansichten, Ideen und Meinungen h\u00e4ufig deckungsgleich. Dort wo wir es nicht waren, haben wir auf Augenh\u00f6he diskutiert. Auch in diesen Situationen herrschte jedoch, von uns beiden ausgehend, Respekt und Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr den anderen. Das habe ich sehr genossen und freue mich schon heute auf das n\u00e4chste Wiedersehen mit Ihnen!<\/p>\n<p>Ferner bedanke ich mich, dass Sie mir mit diesen drei Fragen die M\u00f6glichkeit geben, ungek\u00fcrzt und ausf\u00fchrlich meinen heutigen Standpunkt darzustellen. Es liegt in der Natur der Dinge, dass Berichterstattungen h\u00e4ufig nicht in voller L\u00e4nge wiedergegeben werden oder sie teilweise vom Interviewer leicht verf\u00e4lscht wiedergegeben werden, weil er selbst sich nicht im Detail mit der Wolfsthematik besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p>Gerade neulich habe ich in einem Interview gesagt, dass in einem Wolfsterritorium, welches angenommener Weise 300 km\u00b2 Fl\u00e4che umfasst, parallel an die ca. 40-80 J\u00e4ger in verschiedenen Jagdbezirken neben dem Wolf oder Wolfsrudel jagen gehen. Im ver\u00f6ffentlichten Bericht stand dann \u201e40-80 Jagden\u201c. Das w\u00e4ren dann nach meinen Annahmen schon 120-240 J\u00e4ger. Ein kleiner Unterschied in der Wortwahl mit gro\u00dfer Interpretationsm\u00f6glichkeit, falsch verstanden zu werden. Aber so ist es eben. Denn sich gar nicht zum Wolf zu \u00e4u\u00dfern hielte ich auch f\u00fcr verkehrt. Insofern bleibt mir nur, im Zweifel auch Geschimpfe und Gel\u00e4ster zu ertragen.<\/p>\n<p>Bevor ich konkret auf die Beantwortung Ihrer ersten Frage eingehe, m\u00f6chte ich gerne Ihren Lesern aufzeigen, wie ich das Wolfsthema grunds\u00e4tzlich sehe.<\/p>\n<p>Ich habe fr\u00fch versucht, Entwicklungen strategisch weiter zu denken und erlaube mir, in dem Bereich \u201eVisionen und Standpunkte\u201c auf unserer Wolfcenter-Webseite diese Gedanken und L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge zu ver\u00f6ffentlichen. Als solche sind sie eben auch gemeint, auch wenn unter der aktuellen Rechtslage um den Wolf einige dieser Gedanken gar nicht zul\u00e4ssig w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Dennoch bin ich von meinem Naturell her ein Mensch, der sich auch vorausschauend fragt, was in 10, 20 oder 25 Jahren sein k\u00f6nnte, auch wenn hierzu Spekulationen und Annahmen eingebunden sind. Wer wei\u00df schon, wie die Rechtslage dann sein wird.<\/p>\n<p>Lange habe ich tats\u00e4chlich \u00fcberlegt, ob wir \u00fcberhaupt eine solche Rubrik bei uns auf der Homepage zeigen sollten, f\u00fcr jedermann einsehbar. Meiner Meinung nach sollte ein jeder Mitmensch, der sich f\u00fcr das Vorhandensein und die weitere Ausbreitung von frei lebenden W\u00f6lfen in Deutschland einsetzt, auch zeigen, was er ganz konkret denkt, glaubt, f\u00fcr m\u00f6glich oder unm\u00f6glich h\u00e4lt. Und dies eben nicht nur oberfl\u00e4chlich, so dass es sich nach au\u00dfen hin toll anh\u00f6rt, und jeder gleich zustimmend \u201eHurra!\u201c ruft, so wie es teilweise im Internet festzustellen ist \u2013 Rechthaberei um jeden Preis.<\/p>\n<p>Auch heute bin ich immer noch unver\u00e4ndert mit Begeisterung der Auffassung, dass das Zusammenleben mit W\u00f6lfen in Deutschland funktioniert &#8211; allerdings geht es nicht darum, was ein einzelner denkt, sondern darum, was die Gesellschaft heute, mittelfristig und langfristig will oder auch nicht will. Mittel- und langfristig meint \u00a0&#8211; in meinem Verst\u00e4ndnis &#8211; in den n\u00e4chsten 10 bis 20, vielleicht sogar 25 Jahren. Dieser Wille wird sich je nach Gewichtigkeit und Abstimmungsverh\u00e4ltnissen in unserer Demokratie letztlich durch gew\u00e4hlte Politiker als Gesetzesgeber im g\u00fcltigen Rechtsrahmen widerspiegeln. Soviel in aller K\u00fcrze dazu, wie unser Staat funktioniert.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund erlaube ich mir, nicht zuletzt auch aufgrund meiner generellen Sichtweise zum Leben, bei der ich mir stets von Best Case bis Worst Case alle Szenarien anschaue (also nicht nur Schwarz-Wei\u00df-Denke), \u201eabzuw\u00e4gen\u201c, was eines Tages sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Wenn sich am Horizont m\u00f6gliche Potenziale aufzeigen, die absehbar zu Streitereien (ganz gleich welcher Couleur) f\u00fchren k\u00f6nnten, bin ich nicht zuletzt auch aufgrund meines fr\u00fcheren Berufes immer daf\u00fcr, f\u00fcr solche F\u00e4lle nach L\u00f6sungen zu suchen und auch Themen anzusprechen, die nicht gerade f\u00fcr Freude sorgen. Sollten die zuvor genannten Potenziale nicht zur Realit\u00e4t werden, also tats\u00e4chlich in Erscheinung treten, ist es ja umso besser. Lehrreich wird es dann alle Mal gewesen sein.<\/p>\n<p>Zu dieser meiner Herangehensweise z\u00e4hlt auch, dass es mir immer wichtig ist, mit allen Beteiligten m\u00f6gliche Konflikte, L\u00f6sungen, Strategien, etc. zu diskutieren. Hinsichtlich des Wolfes z\u00e4hlen zu diesen Beteiligten neben der allgemeinen Bev\u00f6lkerung, auch Beh\u00f6rden, Politiker verschiedenster Parteien, unterschiedliche Organisationen, wie zum Beispiel die Tierhalter, die J\u00e4gerschaft und andere Naturschutzverb\u00e4nde, Tierschutzverb\u00e4nde und viele mehr.<\/p>\n<p>Mit Sorge beobachte ich seit geraumer Zeit, dass es Mitmenschen gibt, die im Internet mit erheblicher Geringsch\u00e4tzung eigene Meinungen niederschreiben, um m\u00f6glichst wiederum viele Mitmenschen damit zu erreichen &#8211; sei es, dass man um jeden Preis f\u00fcr den Wolf oder gegen ihn ist. Diesen Stil teile ich nicht. Ich denke, dass diese Mitmenschen besagte Strategie an den Tag legen, nur weil einige \u00dcberlegungen nicht in deren eigenes Weltbild passen. Wir sind eines der reichsten L\u00e4nder dieser Erde und eine kluge Nation. Wir sollten es uns leisten k\u00f6nnen zu diskutieren, abzuw\u00e4gen, auch auf Augenh\u00f6he zu streiten, um letztlich einen politischen Kompromiss zu erzielen \u2013 denn darauf wird es immer hinauslaufen und nicht nur darauf, ob etwas rein logisch Sinn macht oder nicht. So tickt die Welt. In &#8211; wie ich hoffe &#8211; sehr kleinen Gruppen der Internetgemeinschaft gewinne ich teilweise den Eindruck, dass dort ein \u201eWolfskrieg\u201c erkl\u00e4rt wurde \u2013 sei es pro oder contra Wolf. Hoffentlich t\u00e4usche ich mich\u2026.<\/p>\n<p>Mit dem Wolfcenter selbst leisten wir ja bereits einen Beitrag zur \u00d6ffentlichkeitsarbeit \u00fcber W\u00f6lfe in Deutschland. Unsere erg\u00e4nzenden Informationen auf unserer Webseite sollten dar\u00fcber hinaus m\u00f6glichst als das begriffen werden, was sie sein sollen: Diskussions- bzw. L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge.<\/p>\n<p>Ich besch\u00e4ftige mich mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zurzeit besonders umfassend mit Herdenschutzfragen. Denn bei allem Interesse am Wolf denke ich, dass wir ihn langfristig am erfolgreichsten integrieren k\u00f6nnen, wenn der Herdenschutz bei den Nutztierhaltern funktioniert. Wir schreiben sogar gerade im Wolfcenter an einem Buch dar\u00fcber.<\/p>\n<p>In Bezug auf m\u00f6gliche zu definierende Regionen in Deutschland, in denen W\u00f6lfe aufgrund der h\u00f6heren Nutztierdichte, bzw. Haltungsform als problematisch in ihrem Vorhandensein angesehen werden k\u00f6nnten, sehe ich es am Beispiel des nordwestlichen Niedersachsens wie folgt; \u00fcbrigens als einzige Region in Niedersachsen, weil wir dort eine sehr hohe Milchviehdichte haben!<\/p>\n<p>Ein bekanntes mathematisches Modell hat vor einigen Jahren &#8211; entsprechend getroffener Rahmenbedingungen &#8211; errechnet, dass in gesamt Nordwestniedersachsen keine Wolfsrudel zu erwarten sind. Dieses d\u00fcrfte einen Nutztierhalter zun\u00e4chst freudig stimmen, weil er sich logischerweise in Folge dessen \u00fcber den Herdenschutz keine Gedanken machen muss.<\/p>\n<p>Der heutige Ist-Zustand zeigt jedoch, dass sich sehr wohl ein erstes Rudel im besagten Gebiet etabliert hat &#8211; das Wolfsrudel im Raum Cuxhaven. Nat\u00fcrlich will ich an dieser Stelle keine \u201eKlugschei\u00dferei\u201c betreiben, denn als Ingenieur wei\u00df ich sehr genau, dass mathematische Modelle nur so gut rechnen k\u00f6nnen, wie sie mit Rahmenbedingungen konstruiert wurden. Also gilt es, nicht emotional aufzutreten, weil W\u00f6lfe irgendwo auftauchen, wo sie nicht voraus berechnet wurden.<\/p>\n<p>Parallel dazu frage ich mich mit hohem Interesse, ob es \u00fcberhaupt &#8211; und wenn ja wann &#8211; weitere territoriale Einzeltiere, die sp\u00e4ter von Paarungspartnern gefunden werden und somit weitere Rudel etablieren, geben wird, abweichend von den Simulationsergebnissen.<\/p>\n<p>Angenommen die Wolfsf\u00e4hen im Emsland und im Bereich der Landkreise Diepholz und Vechta w\u00fcrden jeweils von einem umherwandernden Wolfsr\u00fcden als Paarungspartner gefunden werden, h\u00e4tten wir zwei weitere Rudel, die nicht vorausberechnet wurden. Die f\u00fcr mich einfache Frage ist, ob die k\u00fcnftige Ausbreitung von W\u00f6lfen bzw. Rudeletablierung im nordwestlichen Niedersachsen entsprechend des mathematischen Modells bleiben wird, oder eben nicht.<\/p>\n<p>Immer wieder diskutieren wir K\u00e4lberrisse von Mutterkuhherden in Wolfsgebieten. Wir m\u00fcssen erkennen, dass es Kuhk\u00e4lberrisse gegeben hat und auch weiterhin geben wird &#8211; auch wenn diese deutlich seltener auftreten als \u00dcbergriffe auf Schafe. Mit Blick auf die zuvor skizzierten nordwestlichen Landkreise Niedersachsens m\u00fcssen wir jedoch erkennen, dass es nicht die Mutterkuhhaltung ist, die dort \u00fcberwiegt, sondern die Milchkuhhaltung.<\/p>\n<p>Insbesondere diese hat in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten eine enorme Wandlung vollzogen. So gibt es heute ein gro\u00dfes Spektrum an Stallgr\u00f6\u00dfen, die von wenigen Dutzend Milchk\u00fchen (wie fr\u00fcher) bis hin zu \u00fcber 1000 St\u00fcck (heute) in gro\u00dfen Stallanlagen reichen.<\/p>\n<p>Ich halte es f\u00fcr Panikmache, herum zu erz\u00e4hlen, dass diese K\u00fche nun alle ausnahmslos in Gefahr sind! Das sehe ich so nicht. Gleichwohl mussten wir im Landkreis Cuxhaven wiederholt feststellen, dass neun bzw. zehn Monate alte F\u00e4rsen (junge weibliche K\u00fche, die bisher kein eigenes Kalb hatten) von W\u00f6lfen gerissen wurden \u2013 kleine K\u00e4lber sind das nicht mehr. Es war dort nur richtig, Herdenschutzma\u00dfnahmen in Form von Zaunaufwertung an der besagten Weide vorzunehmen.<\/p>\n<p>Bewegen wir uns in der nordwestlichen nieders\u00e4chsischen Landschaft, stellen wir fest, dass viele Jungtiere der Kategorie Milchk\u00fche auf den Weiden stehen und eben nicht mehr so viele ausgewachsene Tiere, die sie m\u00f6glicherweise besch\u00fctzen k\u00f6nnten. An dieser Stelle sei nebenbei gefragt, ob \u201eSchwarzbunte\u201c noch die Wehrhaftigkeit, wie wir sie von verschiedenen anderen Mutterkuhrassen kennen, aufweisen.<\/p>\n<p>An dieser Stelle frage ich mich ebenfalls, ob es realistisch und finanzierbar ist, s\u00e4mtliche Kuhweiden im Nordwesten einzuz\u00e4unen, wenn sich in Zukunft doch mehrere Wolfsrudel dort etablieren sollten. Eine weitere Frage ist jedoch auch, ob es \u00fcberhaupt vielerorts zu steten \u00dcbergriffen auf junge Milchk\u00fche kommen wird. Ich bin kein Hellseher und auch kein Schwarzmaler, schaue mir jedoch das zuvor beschriebene Szenario derart an, sodass ich mich frage, wie \u201eim Falle eines Falles\u201c eine L\u00f6sung aussehen k\u00f6nnte. Soll man die Rinderhalter sich selbst \u00fcberlassen? Wird die aktuelle Richtlinie Wolf auch dann noch angemessen sein?<\/p>\n<p>Somit kam ich zu der Idee, die im gesamtnieders\u00e4chsischen Vergleich kleine nordwestliche Region derart zu definieren, dass man das Einwandern weiterer einzelner W\u00f6lfe nicht zul\u00e4sst. Ich betone an dieser Stelle, dass ich hier nur auf Rinder eingegangen bin, obwohl es selbstverst\u00e4ndlich auch andere Nutztiere dort gibt.<\/p>\n<p>Ich bin mir im Klaren dar\u00fcber, dass die oben vorgestellte Idee in der Realit\u00e4t schon allein deshalb sehr wahrscheinlich scheitern w\u00fcrde, weil man den Nutztierhaltern au\u00dferhalb dieser Region nicht klarmachen kann, dass sie Herdenschutz betreiben m\u00fcssen, w\u00e4hrend eine andere Region von W\u00f6lfen frei gehalten wird. Es w\u00e4re also \u2013 neben allen Managementproblemen \u2013 meiner Einsch\u00e4tzung nach auch ein Gerechtigkeitsproblem zu l\u00f6sen. Ich wei\u00df auch, dass der aktuelle strenge Schutzstatus (FFH-Richtlinie, Anhang 2 und 4) diese Idee heute nicht Realit\u00e4t werden lassen kann.<\/p>\n<p>Wie gesagt, ich bin kein Hellseher und kenne auch niemanden, der das ist. Letztlich werden wir nur weiter beobachten k\u00f6nnen, was die W\u00f6lfe machen oder auch nicht machen.<\/p>\n<p>Diese Aussage wird die Tierhalter allerdings nicht zufrieden stellen. Es wundert mich daher nicht, dass einzelne Petitionen zur Begrenzung der aktuellen Wolfsmenge ins Leben gerufen werden. Gleichwohl halte ich davon nichts, denn eine L\u00f6sung sehe ich nicht in der Begrenzung der Wolfsmenge abseits des g\u00fcnstigen Erhaltungszustandes.<\/p>\n<p>Dennoch sollten wir immer wieder Gespr\u00e4che suchen, um gemeinsam L\u00f6sungen zu finden &#8211; auch wenn es anstrengend sein k\u00f6nnte. Der oben angesprochene scheinbar tobende \u201eWolfskrieg\u201c bindet Energien, die viel besser f\u00fcr eine L\u00f6sungsfindung mit gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichem \u00dcbereinkommen aller Beteiligter verwendet werden sollten. So sehe ich es jedenfalls.<\/p>\n<p><strong>WOLFSMONITOR:\u00a0 Auf Ihrer Webseite ist auch zu lesen, dass sie hinsichtlich der Diskussion \u201ePro und Kontra Wolfsbejagung\u201c glauben, dass diese ohnehin eines Tages in Deutschland durchgesetzt wird. Man kann deshalb schnell daraus schlie\u00dfen, dass Sie das unterst\u00fctzen? Ist das so?<\/strong><\/p>\n<p>Auch dort erlaube ich mir, die Dinge ohne Denkverbote in die Zukunft zu prognostizieren (Details sind auf unserer Website unter \u201eDie Wolfsjagd \u2013 ein Muss?\u201c einzusehen). Und nein, ich unterst\u00fctze das pers\u00f6nlich nicht, glaube aber, dass es irgendwann einmal politischer Wille werden wird. Dass es also tats\u00e4chlich so kommen k\u00f6nnte. Allerdings erst in zeitlich weiter Ferne.<\/p>\n<p>Doch schauen wir uns zun\u00e4chst die Ausgangslage an. Wie schon so eben benannt, ist der Wolf \u00fcber die FFH-Richtlinie, Anhang 2 und 4, strengstens gesch\u00fctzt. Auf nationaler Ebene ist er entsprechend des bundesdeutschen Artenschutzrechtes ebenso streng gesch\u00fctzt.<\/p>\n<p>Wenn der Wolf bejagt werden soll, m\u00fcsste er demzufolge aus dem Artenschutzrecht in das Jagdrecht \u00fcberf\u00fchrt werden. Diesen Schritt l\u00e4sst jedoch das Europarecht heute nicht zu. Das ist auch richtig so, denn solange der g\u00fcnstige Erhaltungszustand mit einem Sicherheitsfaktor X nicht vorhanden ist, darf ein Eingriff in die Bestandsmenge der W\u00f6lfe durch den Menschen nicht erfolgen, um das Erreichen des g\u00fcnstigen Erhaltungszustandes nicht zu gef\u00e4hrden.<\/p>\n<p>Wenn der g\u00fcnstige Erhaltungszustand zuz\u00fcglich des Sicherheitsfaktors X eines Tages erreicht ist, kann \u00fcber die Bejagung von W\u00f6lfen im Grundsatz konkreter nachgedacht werden. Die ganz gro\u00dfe Frage wird jedoch dabei sein, welcher \u201evern\u00fcnftige Grund\u201c f\u00fcr die Wolfsjagd vorliegen soll. Dieser vern\u00fcnftige Grund wird, so denke ich, in Zukunft in der Gestaltung von Jagdgesetzen immer mehr an Bedeutung finden. Ferner wird f\u00fcr die Verabschiedung von entsprechenden Gesetzgebungen eine politische Mehrheit im Vorfeld festzustellen sein m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Schauen wir uns diese beiden Aspekte an, halte ich f\u00fcr die langfristige Zukunft eine politische Mehrheit \u201epro Wolfsjagd\u201c f\u00fcr m\u00f6glich. Wie die Definition eines vern\u00fcnftigen Grundes aussehen soll, wei\u00df ich jedoch nicht. Ich betone an dieser Stelle erneut, so wie ich es auch in allen meinen Vortr\u00e4gen und auf unsere Website tue, dass die Bejagung des Wolfes keine (!) Herdenschutzma\u00dfnahme darstellen wird.<\/p>\n<p>Wor\u00fcber ich jedoch heute schon laut nachdenke, ist die Frage, wie denn eine Wolfsjagd \u00fcberhaupt von statten gehen sollte. Dabei k\u00f6nnen viele, viele Fehler gemacht werden, die der J\u00e4gerschaft nur weitere Ablehnung im gesellschaftlichen Ansehen einbringen kann, sofern diese Fehler und Probleme auftreten. Diese habe ich detailliert mit entsprechenden Fragestellungen ausf\u00fchrlich dargestellt.<\/p>\n<p>Mein Fazit: wenn es eines Tages aufgrund des gesellschaftlichen Willens einer Politik, einer politischen Mehrheit und entsprechender Gesetzgebungen zur Wolfsjagd kommen sollte, wird das von all denen, die keine Wolfsjagd wollen, zu respektieren sein &#8211; auch von mir.<\/p>\n<p>Ich sorge mich darum, dass die Bejagungsma\u00dfnahme an sich \u201ein die Hose gehen wird\u201c. Ich finde es daher \u00fcberhaupt nicht verwerflich, \u00fcber dieses Thema zu sprechen im pro und contra. Jetzt mag man sagen, wenn doch die Wolfsjagd unlogisch ist, wird sie sich nicht durchsetzen. Mein gesamtes Berufsleben jedoch zeigt mir, dass es leider nicht immer nur nach Logik geht.<\/p>\n<p>Was ich seit einiger Zeit mit Interesse beobachte, ist die Tatsache, dass es Menschen gibt, die glauben, dass ich die Wolfsjagd unbedingt will. Wie gesagt, dem ist nicht so. Ich versperre mich jedoch auch einer solchen Betrachtung nicht. Spannend an den Streitgespr\u00e4chen hinsichtlich der Wolfsjagd finde ich, wie einige Leute f\u00f6rmlich ausrasten, wenn sie nur h\u00f6ren, dass der Wolf eventuell in Zukunft gejagt werden k\u00f6nnte. Nun das mag ihr gutes Recht sein, doch ich frage mich, warum sie in Wirklichkeit ausrasten. Was ist das echte Motiv? Und ich frage mich, warum sie sich nicht mit gleicher Leidenschaft auch f\u00fcr den Fuchs einsetzen\u2026<\/p>\n<p>Dass ich das so hier schreibe, mag dem einem gefallen und dem anderen nicht. Doch darum geht es nicht wirklich. Es geht nur darum, was der gesellschaftliche Wille kurzfristig, mittelfristig und langfristig sein wird. Darauf habe ich pers\u00f6nlich keinen Einfluss und bin daher selber Beobachter des Geschehens.<\/p>\n<p>Ich empfinde es als bereichernd, dass Sie, Herr Vogler, sich ebenfalls Gedanken \u00fcber ein solches Szenario machen und dass Sie f\u00fcr eine Diskussion dar\u00fcber zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<p><strong>WOLFSMONITOR:\u00a0 Ja, gewiss. Allerdings komme ich hier und da zu einem etwas anderen Ergebnis als Sie. In der neuen Brosch\u00fcre \u201eWolfs-Wissen kompakt\u201c der Gesellschaft zum Schutz der W\u00f6lfe e.V. (GzSdW) wird meines Erachtens sehr anschaulich dargestellt, warum es weder eine \u00f6konomische noch eine \u00f6kologische Notwendigkeit gibt, W\u00f6lfe zu bejagen. Teilen Sie die Einsch\u00e4tzung der GzSdW?<\/strong><\/p>\n<p>Ich teile weitestgehend die Einsch\u00e4tzung der GzSdW in ihren Grunds\u00e4tzen, glaube allerdings hier und heute, wie schon zuvor beschrieben, dass es irgendwann einmal gesellschaftlicher und auch politischer Wille sein wird, die Wolfsbest\u00e4nde zu \u201eregulieren\u201c oder auch zu \u201ekontrollieren\u201c. Es bleibt demnach also spannend, welche Entwicklung tats\u00e4chlich eintreten wird!<\/p>\n<p><strong>Den zweiten Teil des Interviews <span style=\"color: #0000ff;\"><a style=\"color: #0000ff;\" href=\"https:\/\/wolfsmonitor.de\/?p=5546\" target=\"_blank\">finden Sie hier!<\/a><\/span><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>_________________________________________________________________________________<\/strong><\/p>\n<p>Zum Weiterlesen: \u201eVisionen &amp; Standpunkte\u201c auf der Webseite des Wolfcenters D\u00f6rverden: <span style=\"color: #0000ff;\"><a style=\"color: #0000ff;\" href=\"http:\/\/www.wolfcenter.de\/Vision-Standpunkte.html\" target=\"_blank\">Hier der Link!<\/a> <\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-center shariff-widget-align-center\" data-services=\"facebook%7Ctwitter\" data-url=\"https%3A%2F%2Fwolfsmonitor.de%2F%3Fp%3D4852\" data-timestamp=\"1525530238\" data-backendurl=\"?rest_route=\/shariff\/v1\/share_counts&\"><ul class=\"shariff-buttons theme-color orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fwolfsmonitor.de%2F%3Fp%3D4852\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; 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Der 42-j\u00e4hrige gelernte Luft- und Raumfahrtingenieur und heutige Inhaber und Betreiber des Wolfcenters in D\u00f6rverden, er\u00f6ffnete im Jahr 2010 mit seiner Frau Christina den 5,2 Hektar gro\u00dfen Wolfspark auf einem ehemaligen Bundeswehrgel\u00e4nde in der nieders\u00e4chsischen Ortschaft Barme. Frank Fa\u00df ist ebenfalls ehrenamtlicher Wolfsberater in Niedersachsen und engagiert [&hellip;]<\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-center shariff-widget-align-center\" data-services=\"facebook%7Ctwitter\" data-url=\"https%3A%2F%2Fwolfsmonitor.de%2F%3Fp%3D4852\" data-timestamp=\"1525530238\" data-backendurl=\"?rest_route=\/shariff\/v1\/share_counts&\"><ul class=\"shariff-buttons theme-color orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fwolfsmonitor.de%2F%3Fp%3D4852\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">teilen<\/span>&nbsp;<span data-service=\"facebook\" style=\"color:#3b5998\" class=\"shariff-count shariff-hidezero\"><\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#32bbf5\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fwolfsmonitor.de%2F%3Fp%3D4852&text=3%20Antworten%20von%20Frank%20Fa%C3%9F%20%28Teil%201%29\" title=\"Bei Twitter teilen\" aria-label=\"Bei Twitter teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; 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Februar 2019","format":false,"excerpt":"Nach seinem Daf\u00fcrhalten handele es sich bei dem Wolf des Rodewalder Rudels, f\u00fcr den der nieders\u00e4chsische Umweltminister Olaf Lies (SPD) letzte Woche eine umstrittene Abschussgenehmigung erteilte, um KEINEN problematischen Wolf, so der Betreiber des Wolfscenter D\u00f6rverden, Frank Fass. Fass, der einst den nieders\u00e4chsischen Arbeitskreis Wolf leitete und im Jahr 2018\u2026","rel":"","context":"In &quot;Aufgelesen&quot;","img":{"alt_text":"fotografiert von Heiko Anders","src":"https:\/\/i2.wp.com\/wolfsmonitor.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Beitragsfoto-Heiko-Anders-Aufgelesen-3-Juli-2017.jpg?fit=712%2C415&ssl=1&resize=350%2C200","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":4782,"url":"https:\/\/wolfsmonitor.de\/?p=4782","url_meta":{"origin":4852,"position":3},"title":"Ein Gespr\u00e4ch mit Wolfcenter-Betreiber Frank Fa\u00df","date":"25. 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April 2016","format":false,"excerpt":"Ich mag es, wenn Menschen ihrer Berufung folgen und dadurch eine gewisse Zufriedenheit und Leidenschaft bei ihrer Berufsaus\u00fcbung ausstrahlen. Fast bewundernswert finde ich es sogar, wenn sie nach einer beruflichen \u201eIrrfahrt\u201c das Ruder noch einmal herumrei\u00dfen, um am Ende ihr berufliches Gl\u00fcck zu finden. Nicht wenige der heute mehr oder\u2026","rel":"","context":"In &quot;Standpunkte&quot;","img":{"alt_text":"Wolf im Tierpark Nordhorn","src":"https:\/\/i1.wp.com\/wolfsmonitor.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/WM-Kommentar.jpg?fit=512%2C442&ssl=1&resize=350%2C200","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":2554,"url":"https:\/\/wolfsmonitor.de\/?p=2554","url_meta":{"origin":4852,"position":5},"title":"Zeit zum Vergr\u00e4men!","date":"20. Februar 2016","format":false,"excerpt":"Stellungnahmen, Einsch\u00e4tzungen und Ratschl\u00e4ge, wohin man auch schaut. Die nieders\u00e4chsischen W\u00f6lfe sorgen erneut f\u00fcr breite Unruhe. Eigentlich sind es zurzeit nur zwei, die so genannte \u201eGoldenstedter W\u00f6lfin\u201c und ein besenderter Jungwolf aus dem Munsteraner Rudel, von Wolfssch\u00fctzern im Internet liebevoll \u201eKurti\u201c genannt. Beide sind angeblich \u201eauff\u00e4llige\u201c W\u00f6lfe, bzw. \u201eProblemw\u00f6lfe\u201c. 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