3 Antworten von Christiane Schröder

Christiane Schröder ist Geschäftsführerin des NABU-Landesverbandes Brandenburg. Bereits vorher war sie beim NABU in Brandenburg für die naturschutzgerechte Entwicklung der landesverbandseigenen Flächen zuständig. Bis Ende Mai 2015 leitete sie außerdem ein „Wolf-Akzeptanz“-Projekt. Christiane Schröder ist von Beruf Biologin. Die Arbeit mit und bei Naturschutzverbänden kennt sie auch aus dem Landesbüro anerkannter Naturschutzverbände, das sie vertretungsweise ab Mitte 2012 ein Jahr lang leitete und aus ihrem langjährigen ehrenamtlichen Engagement für den Verein. Wolfsmonitor hatte nun Gelegenheit, mit ihr ein Interview zu führen.

WOLFSMONITOR: Frau Schröder, dem RBB gegenüber äußerten Sie kürzlich (*1), es sei für Sie nicht wünschenswert, dass der Wolf noch näher an die Menschen herankomme. Deshalb sollten Ihrer Ansicht nach Bereiche festgelegt werden, in denen man die Tiere mit unscharfer Munition verjagt. Was genau meinen Sie damit?

Der Wolf ist ein Opportunist, der nicht lernen sollte, dass menschliche Siedlungen für ihn einen guten Lebensraum darstellen. Wenn einzelne Wölfe wiederholt in Siedlungsbereichen beobachtet werden, muss aus unserer Sicht frühzeitig eine Vergrämung der Tiere aus diesen Bereichen erfolgen. Wie groß die Bereiche sein sollten, in denen diese Tiere nicht geduldet werden, ist jeweils im Einzelfall zu entscheiden. Von generell „wolfsfrei“ zu haltenden Zonen, wie es von Nutzerverbänden gefordert wird, halten wir aber ebenso wenig, wie vom Abschuss der streng geschützten Tiere.

WOLFSMONITOR:  Der Landesbauernverband Brandenburg beklagt die Bürokratie nach einem Wolfsübergriff auf Nutztiere und führt seit einigen Wochen eine eigene Liste, um die Übergriffe zu zählen. Was halten Sie von diesem Schritt?

Ich kann die Frustration und die Bürokratieverdrossenheit der Betroffenen gut nachvollziehen, halte jedoch das Führen von parallelen Listen für gefährlich. Zum einen hat die Vergangenheit gezeigt, dass bei der Hälfte der gemeldeten Fälle der Wolf sicher ausgeschlossen werden konnte. Ohne eine fachkundige Begutachtung der verendeten Tiere wird der Wolf schnell grundlos zum Sündenbock gemacht. Zum anderen fehlt ohne die offizielle Meldung und Begutachtung von Schadensfällen die Datengrundlage, um das Wolfsmanagement objektiv zu bewerten und gegebenenfalls zu verbessern.

WOLFSMONITOR:  Bis Ende Mai 2015 leiteten Sie ein „Wolf-Akzeptanz“-Projekt. Worum handelte es sich dabei und welche Ergebnisse verzeichnete das Projekt?

Mit dem Projekt sollten bei Landnutzern Multiplikatoren gefunden und weitergebildet werden, damit Sie umfassend in ihren Regionen Vorurteile abbauen können. Insgesamt konnten wir mit dem Projekt mehr als 200 Teilnehmer erreichen. Insbesondere mit Schäfern haben wir in diesem Projekt sehr gut zusammenarbeiten können. Doch leider endete die Projektförderung nach 17 Monaten, als die Netzwerke, Organisation und Materialien gerade optimal aufeinander abgestimmt waren. Wir hätten und würden gern damit weitermachen. Was derzeit durch Ehrenamtliche des Landesfachausschusses Säugetierkunde und der Landesarbeitsgemeinschaft Wolf vom NABU geleistet wird.

Frau Schröder, vielen Dank für das Interview!

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(Quelle: (*1) rbb24, www.rbb-online.de, Artikel vom 8.8.2016: „Landesbauernverband: zu viel Bürokratie – Viele Landwirte melden Schäden durch Wölfe nicht mehr“, abgerufen am 10.8.2016, hier der Link!)

 

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