Dorsche, Heringe und Wölfe

Ein spektakuläres politisches Versagen in punkto Artenschutz kann man gerade in Mecklenburg-Vorpommern beobachten, wo Till Backhaus seit mehr als 20 Jahren Ministerposten für Landwirtschafts- und Umweltfragen bekleidet.

Analogien zur Fridays-for-Future-Bewegung, die derzeit lautstark auf der Straße beklagt, dass sogar als gesichert geltende wissenschaftliche Erkenntnisse kaum den aktuellen politischen Klimadialog einfärben, gibt es dabei wohl nicht rein zufällig.

Denn in den vergangenen 30 Jahren folgten die Verantwortlichen in Mecklenburg-Vorpommern offenkundig nicht ein einziges Mal den wissenschaftlichen Empfehlungen für Fangstopps in der Ostsee.

Das führt jetzt dazu, dass sich die Bestände von Dorsch und Hering in den nächsten Jahren vermutlich nicht einmal mehr erholen werden, wenn man die Fischerei in der östlichen Ostsee völlig einstellen würde.

Und auch hier sind wir wieder bei den Parallelen zur Fridays-for-Future-Bewegung: Maßgebliche Ursachen dafür, nämlich der Klimawandel und die Umweltverschmutzung, seien laut des Chefs des Instituts für Ostseefischerei, Christoph Zimmermann, im Gegensatz zur Überfischung halt einfach nicht zu stoppen.

Till Backhaus (SPD), Mecklenburgs-Vorpommerns langjähriger Agrarminister, machte daraufhin (erneut) einen die Dinge eher verschlimmernden als verbessernden Vorschlag: Die Tradition der Küstenfischerei müsse erhalten bleiben, deshalb sollten Fangquoten gänzlich abgeschafft werden, Laichschonzeiten und Schongebiete dafür eingeführt werden.

Nur zur Erinnerung: Die Bestände erholen sich dort wahrscheinlich nicht einmal mehr, wenn in den nächsten sechs bis sieben Jahren vollständig auf den Fang von Dorsch und Hering verzichtet wird.

Selbst vor einem Jahr noch, als das Ausmaß der Artenkatastrophe bereits deutlich erkennbar war, erteilte dieser Minister den Empfehlungen des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) für einen Heringsfang-Stopp in der westlichen Ostsee eine deutliche Absage. (*2)

Damals plädierte Backhaus u.a. für die Reduktion der Kormorane, um die etwa 236 Haupterwerbsfischer in Mecklenburg-Vorpommern besser zu schützen.

Kürzlich sprach Backhaus sich in einer anderen Artenschutzfrage – wie übrigens auch der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies – für den möglichen Abschuss ganzer Wolfsudel aus, denn „alles habe schließlich seine Grenzen“.

Damit scheinen beide geistige Väter oder zumindest maßgebliche Unterstützer des umstrittenen Kabinettsbeschlusses zu sein (WM berichtete, hier!), der den unselektiven Eingriff in stark geschützte Arten wie den Wolf ermöglichen soll.

Solange Politiker wie Till Backhaus wie bisher das politisch Machbare, nicht aber das eigentlich Notwendige im Auge haben, geraten sie neuerdings nicht nur bei denen unter Generalverdacht, die sich derzeit auf der Straße für das Klima engagieren, sondern auch bei jenen, die zunehmend verstehen, dass es heutzutage vor allem genau darum geht: Um das dringend Nötige!

Und scheinbar gibt es heute – wie aktuelle Umfragen zeigen – nur noch eine Partei, die der Wählerschaft das Versprechen darum glaubhaft vermittelt.

Die Partei von Till Backhaus hingegen, so ist zu lesen, verfügt offenkundig nicht einmal mehr über einen erkennbaren zeitgemäßen „Markenkern.“

Die beiden oben geschilderten Beispiele scheinen genau das hinreichend zu belegen.

Just my two Cents…

Jürgen Vogler


Quellen (alle abgerufen am 8.6.2019):

(*1) NOZ-Printausgabe am 8.6.2019: „Fangstopp für Dorsch und Hering in der Ostsee?“

(*2) https://www.svz.de/20012362 ©2019, hier der Link!