Stader Resolution

„Unter den Blinden ist der Einäugige König“, heißt ein bekanntes Sprichwort. Doch leider wird nicht eindeutig klar ob das, was die agrarpolitischen Sprecher der CDU-Fraktionen in den Bundesländern in dieser Woche auf einer gemeinsamen Klausurtagung in Stade hervorbrachten und als sogenannte „Stader Resolution“ bezeichneten, eher blind oder einäugig genannt werden sollte.

Denn die Politiker ließen sich offensichtlich eher von Wünschen und Thesen, als von Fakten leiten. Zumindest, wenn diese tatsächlich so lauten, wie das Presseportal sie nun wiedergab. (*1)

So zum Beispiel die Äußerungen von Guido Heuer, dem agrarpolitischen Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt. Der behauptet,

  • der Wolf verbreite sich in einer zunehmenden Geschwindigkeit,
  • die Beweislastumkehr bei Nutztierrissen sei quasi opportun,
  • wolfsfreie Zonen müssten in Abstimmung mit der Europäischen Kommission geschaffen werden
  • und eine Regulierung der Wolfsbestände sei unabdingbar.

So weit die (politische) Anschauung. Sieht man sich allerdings einmal die Fakten zu diesen Äußerungen näher an, kommt man schnell zu anderen Ergebnissen:

  • Die Wölfe verbreiten sich nicht mit „einer zunehmenden Geschwindigkeit“, man kann eigentlich nur erraten, was mit dieser unlogischen Aussage gemeint ist.
  • Die Beweislastumkehr öffnet Betrügereien zu Lasten der Steuerzahler Tür und Tor (so manchen Protagonisten sollte man besser vor sich selbst schützen).
  • Bei weit wandernden Beutegreifern sind wolfsfreie Zonen keine geeignete Option, weil das dem erwünschten Vernetzungsgedanken schützenswerter Arten diametral entgegensteht und
  • für die These, dass die Regulierung der Wolfsbestände unabdingbar ist, findet man auch nach einer umfangreichen Recherche in der ernstzunehmenden Literatur keine wirklich belastbaren Argumente. Die Erde ist halt immer noch keine Scheibe.

Richtig liegt Heuer bei seiner Einschätzung, dass dringend Maßnahmen ergriffen werden müssen, die einen Fortbestand der Weidetierhaltung und auch der Schäfereien, vor allem an Deichlinien entlang von Flüssen und Küsten, sichern.

Es kann dabei allerdings um nichts anderes gehen als um flächendeckend wirksame Herdenschutzmaßnahmen. Die schützen Wolf und Weidetier und werden – egal wie viele Wölfe sich in Deutschland niederlassen – sowieso benötigt.

Und natürlich ist auch die geforderte schnelle Entschädigung der Nutztierrisse wünschenswert.


Quelle: (*1) Landespresseportal Sachsen-Anhalt, landespresseportal.de: „Deutschland benötigt ein aktives und abgestimmtes Wolfsmanagement“ veröffentlicht am Mittwoch, 11. April 2018, abgerufen am 15.4.2018, hier der Link!


Beitragsfoto: Heiko Anders, www.andersfotografiert.com


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