Die “Seniorenpartei” und die “Giftigen“…

„Die Giftigen“ waren dem Aufruf des Sottrumer Gemeindeverbandes der Christdemokraten (CDU) zur Diskussion des Wolfgeschehens so kurz vor den EU-Wahlen ferngeblieben. Mit dieser „toxischen“ Bezeichnung waren wohl die Wolfsbefürworter gemeint, doch den meisten von ihnen dürften die schlichten und einsilbigen Salven der überaus bekannten Wolfsbedenkenträger Dammann-Tamke und Ehlen eh hinlänglich bekannt sein.

Letzterer, zwischen 2003 bis 2010 niedersächsischer Minister für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung, schien entweder sich selber oder das Publikum an diesem Abend nicht besonders ernst zu nehmen. Der ehemalige „Minister für Essen und Trinken“, wie er sich selbst nannte, scheint plastische und aberwitzige Abkürzungen zu mögen.

In prägnant verkürzter Weise interpretierte der heutige Präsident des „Zentralverbandes der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden in Niedersachsen“ (ZJEN) nämlich auch das Thema „günstiger Erhaltungszustand“, zu dem weit mehr als nur die von ihm vorgebrachte Ansicht gehört, man habe diesen längst erreicht (hier!).

Das eigentliche Motiv der verbalen Wolfshatz blieb beim ehemaligen „Speise-und Trankminister“ nicht lange im Verborgenen: Finanzielle Gründe sind es. Die Anwesenheit des Wolfes entwerte die Jagdgebiete.

Ehlen sprach in diesem Zusammenhang sogar von „Enteignung“, nicht ohne die Stimmung gegen den Wolf mit blutigen Bildern noch weiter anzuheizen.

Dammann-Tamke war sich – so der Lokalredakteur –  offenbar nicht so ganz sicher, mit welchem Publikum er es an diesem Tag überhaupt zu tun hatte und tatstete sich argumentativ dementsprechend langsam vor.

Abschließend votierte er für eine Art „Akzeptanzbestand“, den man am „Grünen Tisch“ beschließen sollte, (die 13 betroffenen Bundesländer sollten sich seiner Meinung nach dazu zusammensetzen), den Rest der Wölfe solle man bejagen.

Und so blieb am Ende der beste Beitrag des Abends der Kommentar von Andreas Schultz (zu lesen am Schluss des verlinkten Beitrags).

Die Wolfskritiker waren demnach unter sich, die Redner konnten ihre bereits bekannten Parolen „ohne Gegenwind abspulen“ und ihre „Framing-Finessen“ kritiklos in der eigenen Filterblase platzieren.

Selbst die „Süddeutsche“ spricht neuerdings (seit der EU-Wahl) bei der CDU von einer „Seniorenpartei“. Was das nun mit dem obigen Beitrag zu tun hat, überlasse ich gerne der Phantasie meiner Leserinnen und Leser.


P.S.: „Von Menschen, die sich auf dem Holzweg befinden, sollten wir nicht auch noch verlangen, daß sie auf einen grünen Zweig kommen.”

Ernst Ferstl


Quelle: rotenburger-rundschau.de am 24.5.2019: „Wolf ja, aber …“, abgerufen am 28.5.2019, hier der Link!