Klima- und Wolfsgeschwurbel in Bayern

Der Söder (bayerischer Ministerpräsident) überschlägt sich quasi gerade in “grüner Rhetorik” und will jetzt sogar den Klimaschutz im Grundgesetz verankert wissen. Ausgerechnet der Söder. Das klingt so glaubwürdig, als würde Papst Franziskus den Zölibat abschaffen wollen. Wissen Sie warum ich dem Söder seinen plötzlichen Gesinnungswandel nicht abnehme? Weil beispielsweise „seine“ Landwirtschaftsministerin (in Bayern heißen die Staatsminister) ganz andere Töne anschlägt.

Die glaubt nämlich, die Diskussion zur Schutzwürdigkeit des Wolfes neu aufleben lassen zu müssen. Dabei sind Klimaschutz und Artenschutz am Ende nur zwei Seiten derselben Medaille. Beide weisen deutlich darauf hin, das die anthroplogische Übernutzung aller natürlichen Ressourcen schlussendlich in die Katastrophe führen wird.

Man sollte also gar nicht erst so tun, als wolle man ernsthaft das eine und könne das andere ausblenden.

Das scheint viele von Sachkenntnissen kaum getrübte Funktionsträger in politischen Parteien aber nur insoweit zu interessieren, als es für sie oder ihrer Partei nützlich sein könnte.

Die billig klingende Begründung von Ministerin Michaela Kaniber lautet (so ist im Bayernkurier zu lesen *1): Man solle sich einmal die Zustände in den Gebieten Deutschlands, in denen Wölfe schon in immer größerer Zahl aufträten, ansehen, so z.B. in Niedersachsen.

Dort gingen jedoch bekanntlich die Nutztierrisse zuletzt zurück, obwohl die Wolfszahlen weiter anstiegen.

Auf Dauer, so die Staatsministerin weiter, könne Deutschland nicht auf das verzichten, was andere EU-Staaten längst könnten: Eine schadensunabhängige selektive und beschränkte Entnahme unter strenger staatlicher Kontrolle, um regulieren und steuern zu können, also wirkliches Wildtiermanagement zu betreiben, so Kaniber.

Ein Beispiel bleibt sie allerdings schuldig. Und das hat wohl Gründe: Es gibt nämlich kaum einen Staat in Europa, in dem Wolfsentnahmen vollständig EU-konform erlaubt oder im Ergebnis tatsächlich zufriedenstellend erfolgen.

Die EU-Kommission hat zuletzt vor gut einem halben Jahr (und davor gleich mehrfach) bekräftigt, dass die Wölfe auf absehbarer Zeit nicht zum Abschuss freigeben werden.

Stattdessen erhöhte man erst vor wenigen Monaten die Fördermöglichkeiten für Herdenschutzmaßnahmen in vielen Bereichen auf 100 Prozent der Kosten für Nutztierhalter (z.B. die Kosten für Elektrozäune oder für die Anschaffung von Herdenschutzhunden).

Und auch für die Weidehaltung, die laut Kaniber besonders im Alpenraum eine herausragende Bedeutung habe, gibt es überzeugende Hinweise, dass die EU mit der Erhöhung der Fördermaßnahmen für Herdenschutz richtig liegt.

Seit 2013, so berichtete zum Beispiel kürzlich der Schweizer Wolfschutzverein CH-Wolf, seitdem dort also optimale Herdenschutzmaßnahmen mit Behirtung und Herdenschutzhunden umgesetzt werden, hat es auf der Alp Ramuz – mitten im Wolfsgebiet – keine nachgewiesenen Schäden mehr durch die Wölfe gegeben. Dort also, wo Herdenschutz angeblich unmöglich ist.

Das aber ist nur eines von vielen Beispielen.

Der Kaiser hat also (mal wieder) keine Kleider an, der Kaiser ist nackt, Frau Kaniber!

Ach ja, Söders Ansinnen, den Klimaschutz im Grundgesetz zu verankern, findet – so war zuletzt zu lesen – selbst in den eigenen Reihen kaum Zustimmung (*2).

Es scheint, als praktizierten beide – Söder und Kaniber – mal wieder Sommertheater. Offenbar so ernstzunehmen, wie seinerzeit Manfred Weber (CSU) als EU-Spitzenkandidat.

Just my two cents…


Quellen (beide abgerufen am 1.8.2019):

(*1) bayernkurier.de am 31.7.2019: „Wölfe kennen keine Grenzen“, hier der Link!

(*2) sueddeutsche.de am 30.7.2019: „Unionspolitiker stellen sich gegen Söders Klimaschutzplan“, hier der Link!