Wolfspetitionen – Zivilcourage im Internet

Ein weiteres Mal positionieren und organisieren sich mittelbar und unmittelbar Betroffene im Internet zum Wolf. Dieses Mal will man ihm Grenzen aufzeigen und setzt dabei auf die Unterstützung des Umweltministers und des Landtags in Niedersachsen. Auf „open Petition Deutschland“ befindet sich seit dem 17. April ein Aufruf an den Umweltminister, „dem Wolf Grenzen zu setzen – jetzt!“. Es geht dem Verfasser darum, die Bewegungsfreiheit des Wolfes durch geeignete „Abwehrmaßnahmen“ dahingehend einzuschränken, dass er sich nicht näher als 300 Meter an Wohnhäuser, Gehöfte und speziell Waldkindergärten (wir erinnern uns an den Vorfall in Goldenstedt (Vechta)) annähern dürfen soll.

26000 Unterstützer in den nächsten 58 Tagen

Darüber hinaus soll dem Wolf der Zugriff auf Nutztiere, von „Überfällen“ ist im Text die Rede, verwehrt werden. Außerdem haben – es klingt wie eine Drohung – Landesregierung und Landtag nach Ansicht des Verfassers „unverzüglich klarzustellen, wie hoch die Wolfspopulation in Niedersachsen noch „anwachsen soll“ und wie geeignete Präventationsmaßnahmen vor Übergriffen auf Mensch und Nutztier aussehen sollen“. In der anschließenden Begründung wird die „massive Besorgnis weiter Teile der Bevölkerung – insbesondere des Heidekreises“ beschrieben. Sollte die Initiative erfolgreich sein, das wäre bei insgesamt 26.000 Unterstützern in den nächsten 58 Tagen der Fall, werden die Portalbetreiber von open Petition Deutschland „vom zuständigen Parlament eine Stellungnahme einfordern“. Dadurch soll den gewählten Volksvertretern bewusst gemacht werden, dass ein spezielles Thema von besonderer politischer Relevanz ist.

Kommentar:

Erneut also formieren sich verunsicherte Bürger im Rahmen moderner demokratischer Möglichkeiten zu einem Thema, das sie bewegt. Wer etwas genauer hinsieht, stellt fest, dass es nicht die einzige Initiative dieser Art ist. Unter der Überschrift „Bekenntnis gegen den Wolf“ und „Gegen den Abschuss der Wölfe in Wildeshausen/ Wardenburg und Umgebung“ laufen zeitgleich zwei weitere Petitionsaufrufe allein auf dieser Plattform. Wer sich informiert, wird feststellen, dass es noch weitere „inoffizielle Plattformen“ dieser Art gibt. Eine “offizielle Plattform” wäre allerdings die des Deutschen Bundestages. Dort habe ich mal die Stichwortsuche bemüht, unter dem Stichwort „Wolf“ in den letzten sechs Jahren (seit 2009) jedoch keinen Treffer erhalten. Abgesehen davon, welchen Inhaltes die einzelnen Petitionen sind, können sie dennoch als Stimmungsindikator pro oder contra Wolf herhalten. Darüber hinaus sind Rückschlüsse darauf möglich, wie weit die Aufklärung der Bevölkerung zum Thema bereits fortgeschritten oder noch ausbaufähig ist.

Den Unterzeichnern jedenfalls ist das einzelne Thema so wichtig, dass sie sich – häufig aber nicht immer – unter ihrem Vor- und Nachnamen der Öffentlichkeit zu erkennen geben. Für mich ist das ein Zeichen von sichtbarer Zivilcourage. Ob die drei oben benannten Petitionen am Ende jedoch erfolgreich sein werden, darf zum heutigen Zeitpunkt bezweifelt werden.

Herzlichst

Ihr

Jürgen Vogler