Unselige Wolfsnarrative

Aus Julia Klöckners CDU-geführtem Landwirtschaftsministerium ist aktuell zu hören „Wir müssen dringend auffällige Wölfe und auch Rudel, die regelmäßig Weidetiere reißen oder sich Siedlungen nähern, entnehmen. Wir sind mit dem Bundesumweltministerium unzufrieden, weil es hier bremst“, so Staatssekretär Michael Stübgen (CDU) gegenüber der Redaktion von RP-Online. 

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (ebenfalls CDU) beschwere sich zudem zu Recht über die hohe Wolfspopulation in einigen Gebieten seines Bundeslandes. Das SPD-geführte Umweltministerium behaupte (richtigerweise, Anm. d. Redaktion), für den Erhaltungszustand müssten in Deutschland mindestens 1.000 ausgewachsene Wölfe leben. Das halte man jedoch im Landwirtschaftsministerium für falsch. (*1)

Albert Stegemann, landwirtschaftspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und in der Öffentlichkeit bisher eher als Vertreter der industriellen Landwirtschaft sowie aus der Rangliste der Bundestagsabgeordneten mit den höchsten Nebeneinkünften, statt als formidabler Volksvertreter bekannt, wird dazu zitiert:

“Wir müssen aufhören, den Wolf in Deutschland zu romantisieren. Wir sind lange auch ohne den Wolf sehr gut ausgekommen.“…  „Deshalb ist es gut und gerechtfertigt, dass Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner die Initiative ergreift. Verhaltensauffällige Wölfe, die etwa Weidezäune überwunden haben, sollen entnommen werden können.“ (*2)

Wolfsexperte Ulrich Wotschikowsky kommentierte die Ereignisse, auf die sich auch Ministerpräsident Michael Kretschmer mit seinen Äußerungen bezog und die jetzt die Zustimmung aus dem Landwirtschaftsministerium erhielten, mit folgenden Worten:

„Wir leben in einem Rechtsstaat, Gott sei’s gedankt. Er kann nur funktionieren, wenn sich alle nicht nur an geltendes Recht halten, sondern es auch ernst nehmen. Das gilt zu allererst für hochrangige Politiker, und für staatliche Behörden sowieso.

Von Politikern verlangt niemand, dass sie über jedes Detail Bescheid wissen. Aber sie sollten sich wenigstens sachkundig machen, bevor sie mit unbedachten, rechtlich fragwürdigen oder gar unhaltbaren Äußerungen an die Öffentlichkeit gehen. Das letzte, was wir im Umgang mit Wölfen brauchen, ist Populismus.“… (*3)

Um nichts anderes handelt es sich bei den Aussagen von Klöckner, Stübgen und Stegemann, zumindest dann, wenn man ihnen keine Ratlosigkeit in dieser Hinsicht unterstellt.

Übrigens: Wölfe, die wie eingangs vom Landwirtschaftsministerium beschrieben, Weidetiere reißen oder sich Siedlungen nähern, sind nicht per se auffällig. Bei den Verbreitern solcher Botschaften bin ich mir da jedoch nicht immer so sicher…


Quellen (abgerufen am 16.10.2018):

(*1) RP-Online: „Landwirtschaftsministerin Klöckner will auffällige Wölfe töten“ vom 16.10.2018, hier der Link!

(*2) cducsu.de: „Mensch und Tier vor Wölfen schützen“ Pressestatement von Albert Stegemann vom 16.10.2018, hier der Link!

(*3) woelfeindeutschland: „ Lehren aus dem Fall Dauban“ vom 13.10.2018 von Ulrich Wotschikowsky, hier der Link!


Beitragsfoto: Heiko Anders, www.andersfotografiert.com

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