Infantile Einigkeit in Eiderstedt

In Belgien wurde gerade erst die afrikanische Schweinepest festgestellt, in Bayern aktuell der dritte Nachweis des West-Nil-Virus in Deutschland. Im Nordwesten der Republik rafft zurzeit das Usutu-Virus einen Großteil aller Amseln dahin, außerdem grassiert der Borkenkäfer dort in den Fichtenbeständen in einem bisher nicht gekannten Ausmaß.

Naturschützer beklagen ein besorgniserregendes Insektensterben und dazu aktuell noch den nahenden Verlust des Hambacher Forsts, der von RWE für die Kohlegewinnung geopfert werden soll, obwohl eine von der Bundesregierung eingesetzte Kohlekommission gerade erst begonnen hat, die Arbeit aufzunehmen.

Und in Tetenbüll versucht man trotz dieser bekannten Probleme den anthropozentrischen Größenwahn zu pflegen, indem man nationale und internationale Artenschutzbestimmungen in eigensinniger Manier auszuhebeln versucht. “Druck ausüben”, wie man es dort nennt. Mit einer Bürgerinitiative (BI) „wolfsfreies Eiderstedt“.

Dabei braucht es beim Zusammenleben mit dem Wolf nicht viel, um aus einem „entweder – oder“ ein „sowohl als auch“ zu machen.

Mit Märchengeschichten à la Landwirt Peter Theodor Hansen und Schafhalter Olaf Dirks (…„die Landwirtschaft kann nicht mit dem Wolf leben“) ist dabei allerdings niemandem geholfen, da es als erwiesen gilt, dass mit Herdenschutzmaßnahmen gleichzeitig sowohl Wölfe als auch Nutztiere geschützt werden können.

Und deshalb werden auch die Schafhalter in Eiderstedt nicht umhinkommen, ihre Herden angemessen zu schützen, statt zu schießen. Das erfordert allerdings so manch runderneuerte Routine.

Wann beginnt man also endlich auch in Tetenbüll, sich den ernsten Problemen dieses Landes entschieden entgegenzustellen? Wo bleiben die Bürgerinitiativen dafür? Schließlich dürfte es, was die Zuständigkeiten betrifft, fast leichter sein, die Abholzung des Hambacher Forsts in NRW doch noch zu verhindern als den Schutzstatus des Wolfes in Brüssel zu verändern. Würde man nur ausreichend politischen “Druck ausüben”….

Vor der Kulisse der allgemeinen Herausforderungen erscheint das derzeitige Getue im nordfriesischen Tetenbüll (rd. 600 Einwohner) deshalb leider nur provinziell, infantil und vor allem auf den eigenen Vorteil bedacht.

Bei offenbar nur einzelnen durchziehenden Wölfen…

Just my two cents

Jürgen Vogler


Quelle: shz.de am 15. September 2018: “Bürgerinitiative „wolfsfreies Eiderstedt“ gegründet“, abgerufen am 15.9.2018, hier der Link!