Märchenstunde der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

Auf Seiten der CDU/CSU ergriff nun Gitta Connemann, stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion, zum Wolf das Wort und forderte „Realismus“ anstelle von Wolfsromantik und Märchen. Was ihr dabei nicht aufzufallen scheint: Vom Realismus ist sie selbst weit entfernt…

Die Angst der Menschen um Kinder und Tiere, von der Connemann spricht, ist nicht selten hausgemacht, die angeblich „explodierte“ Zahl verletzter Haus- und Nutztiere (Haustiere?) nicht zuletzt durch das rigorose Verweigern und sogar Verleugnen wirksamer Herdenschutzmaßnahmen auch in ihren eigenen Reihen zurückzuführen.

Das angeblich fehlende Bekenntnis, dass die Sicherheit der Menschen oberste Priorität hat, wird schon heute parteiübergreifend gebetsmühlenartig wiederholt und verweist Connemanns Aussage hierzu allein deshalb schon in das Reich der Märchen.

Dorthin also, wo sie lapidar auch all die Abkommen, Richtlinien, Grundsätze und Handlungsvorschläge nationaler und internationaler Organisationen und Einrichtungen wie das Washingtoner Artenschutzabkommen, die Berner Konventionen, die FFH-Richtlinie und die IUCN -Species Survival Commission zu verbannen scheint, auf deren Grundlagen das derzeit gültige Wolfsmanagement fußt.

Diese Regeln, Abkommen und Empfehlungen, auf denen das derzeitige Zusammenleben zwischen Wolf und Mensch in Deutschland basiert, wurden allerdings über Jahre hinweg unter Hinzuziehung etlicher Experten entwickelt.

Genau das aber wird nun von Frau Connemann einfach abgetan und als Wolfsromantik bezeichnet. Aber waren das alles wirklich Wolfsromantiker? In aller Welt? Connemanns Realismus scheint offensichtlich etwas getrübt!

Die Einlassungen der stellvertretenden Vorsitzenden entpuppen sich beim näheren Hinsehen als weitestgehend unbegründet (Beweislastumkehr – öffnet Betrügereien Tür und Tor), wenig durchdacht (Schutzjagden – sind sowohl bei der EU als auch selbst in Schweden höchstumstritten), fehlerhaft (natürlich ist wolfsicherer Deichschutz unter Einsatz von Herdenschutzhunden möglich, es will nur erlaubt sein), anmaßend (den Jagdausübungsberechtigten eine Wolfsregulierung zu übertragen wäre schlichtweg so, als würde man einen Fuchs Hühner bewachen lassen) und damit am Ende nichts anderes als populistischer Quark. Punkt.

Das Niveau, auf dem in Teilen der Bundesregierung über den Wolf diskutiert wird, ist in etwa so fortschrittlich, wie beispielsweise diametral entgegengesetzt die wahrnehmbare politische „Eintauchtiefe“ bei der Aufklärung der tausendfachen Kindesmissbräuche in der katholischen Kirche rückschrittlich ist.

Warum eigentlich konnte sich dabei in der Öffentlichkeit der Eindruck verbreiten, dass sich viele Politiker bei diesem Thema im Vergleich zum Wolf auffällig zurückhalten, obwohl die Faktenlage hier tatsächlich mehr als erdrückend und eindeutig ist?

Hat nichts miteinander zu tun? Wie war das noch mit dem Realismus, den Romantikern und den Märchen? Und damit, dass die Sicherheit der Menschen oberste Priorität haben sollte?

Realistisch gesehen scheint es nämlich mancherorts bedenklicher zu sein, sein Kind allein in die Kirche als in den Wald zu schicken…

Just my two cents…

Jürgen Vogler


Quelle: Pressemitteilung der CDU/CSU-Fraktion im deutschen Bundestag vom 8.3.2019: „Realismus statt Wolfsromantik“, abgerufen am 10.3.2019, hier der Link!


(Anmerkung: Für die Richtigkeit der Angaben und Inhalte der verlinkten Webseiten wird keinerlei Gewähr übernommen)