Schäden: Wölfe sind eine kostengünstige Wildtierart

Aus vorliegenden Zahlenreihen die richtigen Schlüsse zu ziehen, fällt nicht nur den „Wirtschaftsweisen“ oder den „Wahlforschungsinstituten“ bei ihren Vorhersageversuchen nicht immer leicht. Häufig liegen nämlich selbst diese Experten mit ihren Prognosen voll daneben. Warum solle es anderen dabei besser ergehen?

Da heißt es aktuell beispielsweise bei Jonas Mueller-Töwe auf „t-online“ aufmerksamkeitsheischend, dass die Wolfsschäden die Millionengrenze überstiegen haben.

Erst bei näherem Hinsehen wird deutlich, dass hier alle Schäden der letzten 21 Jahren im gesamten Bundesgebiet gemeint sein müssen. Denn es war schließlich 1998, als der erste Wolf in Deutschland offiziell bestätigt wurde.

Schauen wir hingegen auf die einzelnen Jahre, schauen wir schlussendlich auf Peanuts. Zumindest, wenn man diese Zahlen in den Kontext zu anderen Positionen der öffentlichen Haushalte setzt.

Die verengte Fokussierung auf die ausgezahlten Billigkeitsleistungen geben auch keinen verlässlichen Hinweis darauf, ob diese für ungeschützte, mindest-, bzw. grundgeschützte oder sogar mit Herdenschutzhunden gut geschützte Nutztiere ausbezahlt wurden.

Die Angaben sind somit ehrlicherweise unbrauchbar für ernstzunehmende Akzeptanzdiskussionen über die Beutegreifer.

Auch die aufgeführten Populationszahlen sind offenkundig nichts anderes als überschlägige Schätzungen. So sollte man beispielsweise in Niedersachsen kein Rudel (mit acht Wölfen) seriös annehmen, wenn der neuerliche Nachwuchs eines dort irgendwann in den Vorjahren einmal bestätigten Rudels heuer noch nicht einmal offiziell vom Monitoring bestätigt wurde.

Werfen wir außerdem einmal einen Seitenblick auf das, was sich die Wirtschaft in Deutschland gerade vor dem Hintergrund einer sich anbahnenden Rezession wünscht: Ein öffentliches Investitionsprogramm.

Um letztlich nichts anderes handelt es sich bei den Beihilfen, die für die Schutzmaßnahmen vor Wölfen seitens der öffentlich Hand ausgereicht werden.

Man kann diese mitunter auch als öffentliches Investitionsprogramm in den Herdenschutz verstehen, damit Wolfsübergriffe auf Nutztiere künftig unterbleiben.

Die Wirkung dieser Beihilfen, die einmalig für die Verbesserung des Herdenschutzes an die einzelnen Nutztierhalter ausgegeben werden, dürfte sich mittelfristig dann auch umgekehrt proportional zu den Wolfsübergriffen entwickeln.

Je besser geschützt wird, desto geringer dürften die Wolfsübergriffe und damit auch die Schadenshöhen in Zukunft werden. In Niedersachsen war dieser Effekt zuletzt bereits erkennbar.

Und abgesehen davon hat auch t-online-Autor Mueller-Töwe durchaus richtig erkannt:

„Selbst mit den Investitionen in Schutzmaßnahmen ist der Wolf seit der Wiederansiedlung vor 19 Jahren allerdings eine bis dato relativ kostengünstige Wildpopulation. Laut Gesamtverband der deutschen Versicherer verursachten Wildtiere – größtenteils Rot- und Schwarzwild – im Jahr 2017 rund 275.000 Verkehrsunfälle mit einem Gesamtschaden in Höhe von 744 Millionen Euro. Marder verursachen den Angaben zufolge jährlich Schäden in Höhe von rund 60 Millionen Euro an Autos.“


P.S.: Dabei ist der Wolf gar nicht „wiederangesiedelt“ worden. Er hat bekanntlich auf eigenen, leisen Sohlen zurück in seine alte Heimat gefunden…


Quelle: t-online.de am 16.8.2019: „Wolfsschäden in Deutschland übersteigen die Millionengrenze“, abgerufen am 18.8.2019, hier der Link!