Das “Wolfsproblem” der Jagdfunktionäre

Die Worte Matthias Schannwells, des Geschäftsführers des Landesjagdverbandes in Brandenburg also, klingen fast schon wie ein Mantra: Die Lösung des Wolfs-Problems könne nur über eine überwachte Jagd erfolgen, Schutzjagden nach skandinavischem Vorbild wären sogar jetzt schon möglich. Außerdem forderte er: „Wir wollen den Dialog…

Ehrlich? Solch ein Schmarrn wie der jetzt von Schannwell ist – weil bereits dutzende Male kommentiert und widerlegt – nur noch schwer zu ertragen. Ernstzunehmendere Waidgenossen, wie beispielsweise der Chefredakteur der Jägerzeitung WILD UND HUND, Heiko Hornung, erkannten bereits vor geraumer Zeit, dass das „Wolfsproblem“ der Jäger eigentlich ein ganz anderes ist.

Hornung beschrieb es so: Für eine großflächige und revierübergreifende „Handlungsfähigkeit“ in Punkto Wolf seien professionelle Jäger nötig. Fraglich sei für ihn deshalb, wie das beim derzeitigen Jagdrevier- System überhaupt funktionieren solle.

Das eigentliche „Wolfsproblem“ bestehe nämlich darin, dass Wölfe im heutigen Jagdrecht nicht nur das gegenwärtige Reviersystem, sondern auch die Jagd in ihrer derzeitigen Form als Ganzes infrage stellten (siehe hier!).

Die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe (GzSdW) beschreibt das „Wolfsproblem“ der Jäger etwas ausführlicher:

…„Einige Jagdverbände fordern schon die „Regulierung“ der Wölfe, also den Abschuss eines Teils des sich gerade erst aufbauenden Wolfsbestandes um die Bestände von Rehen Hirschen und Wildschweinen zu schonen.

Sie fordern dies entweder in Unkenntnis oder in absichtlicher Negierung des ökologischen Grundmodells der Nahrungspyramide, nach dem die Anzahl der Fleischfresser im Wesentlichen vom Angebot an Beutetieren bestimmt wird und nicht von einem „Über-Raubtier“ wie dem Menschen.

Paradoxerweise soll das Wild gerade in einer Zeit vor „zu vielen“ Wölfen geschützt werden, in der die Jäger landauf-landab für überhöhte Wildbestände und damit einhergehende Schäden in Land- und Forstwirtschaft in der Kritik stehen.

Viele Jäger handeln also in erster Linie als Naturnutzer, die Pflanzenfresser „hegen“ und Fleischfresser „regulieren“, um eine möglichst große jagdliche „Ernte“ einzufahren.

Das ist aber mit dem Anspruch der Jagdverbände unvereinbar, die Natur als Ganzes zu schützen und deshalb vom Staat als Naturschutzverband anerkannt zu werden.“

…und weiter:

„Jagd vor allem als sensible Unterstützung des Naturhaushaltes zu betreiben, bedeutet, so wenig wie eben möglich und nötig in diesen einzugreifen.

Eine moderne, naturschutzorientierte Jagd in Deutschland muss weitgehend auf die Bejagung von „Raubtieren“ und „Raubzeug“ (z.B. Krähen) verzichten und die ökologisch wie ökonomisch notwendige Bejagung von Rehen, Hirschen und Wildschweinen möglichst störungsarm und effektiv gestalten, sodass alle Wildtiere gemäß ihrem natürlichen Lebensrhythmus auch tagsüber aktiv sein können. So könnten auch die Menschen die Wildtiere besser erleben.“…

Das kann meines Erachtens gar nicht oft genug wiederholt werden!

Just my two Cents…

Jürgen Vogler


P.S.: “Es wird die Zeit kommen, da das Verbrechen am Tier genauso geahndet wird wie das Verbrechen am Menschen.”

Leonardo da Vinci

(1452 – 1519), italienisches Universalgenie


Quellen (abgerufen am 23.5.2018):

(*1) MOZ.de, Mathias Hausding am 23.05.2018; „Wir wollen den Dialog“, hier der Link!

(*2) GzSdW: „Wolfs-Wissen kompakt – Antworten auf die 15 wichtigsten Fragen zu Wölfen in Deutschland, S. 21-22, herunterladbar unter diesem Link!