Umstritten: “Aktionsbündnis Forum Natur” unterbreitet Vorschläge zum Wolf

Bei der nun vorgelegten Ausarbeitung des einschlägigen Bündnisses von Verbänden des ländlichen Raumes mit dem Namen „Aktionsbündnis Forum Natur“ (AFN) zum Thema Wolf, dürften bei nahezu allen Natur-, Arten-, Tier- und Wolfsschützern die Alarmglocken schrillen.

Bereits im ersten Absatz des Konzepts findet sich die für das gesamte Dokument wegweisende Aussage: „Bis heute wird er in vielen Ländern als Schädling betrachtet und bekämpft.“

Ein Blick auf die zweite Seite des Dokuments reicht, um den ersten Eindruck zu festigen: In der Projektleitung und dem Redaktionsteam finden sich altbekannte „Wolfsbedenkenträger“. Seit geraumer Zeit halten sie mit ihrer Absicht nicht hinterm Berg, über das Jagdrecht Zugriff auf die Wölfe erhalten zu wollen.

Und deshalb findet man auf nahezu 40 Seiten ein Sammelsurium von teilweise skurrilen Argumenten, um letztlich Wölfe schießen zu dürfen (nach Ansicht der Autoren aus Akzeptanzgründen sogar zu müssen).

Da wird dann zum Beispiel Deutschland recht willkürlich in diverse Habitat-Kategorien eingeteilt. Und es werden hinterfragungswürdige neue Begrifflichkeiten eingeführt, wie beispielsweise die Termini „Akzeptanzbestände“ und „Populationsdruck“ (der merkwürdigerweise  mit dem (natürlichen) Abwandern von Jungwölfen begründet wird (S.22).

Ausgerechnet auf der Grundlage des fragwürdigen Begriffes „Akzeptanzbestand“ versuchen die Autoren dann schließlich auch, die umstrittene “Bestandsregulierung“ (Abschüsse) zu begründen. Spätestens hier wird das sehr dünne Eis sichtbar, auf dem sich die Autoren bewegen.

Mit sprachlichen Mitteln (“Es darf keinen Zweifel geben, …“) wird nachfolgend versucht, die inhaltlichen Schwächen zu kaschieren.

Der Vorschlag der „Schutzjagd“ durch „Wolfskompetenzteams der Jägerschaft” (S. 27) steht merkwürdigerweise sogar im Widerspruch zu dem erst kürzlich vorgebrachten Vorschlag der Länder Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland, für die Entnahme auffälliger Problemwölfe nur Profis einsetzen zu wollen (siehe hier: https://wolfsmonitor.de/?p=16153).

Hat das nun vom AFN vorgestellte Papier wohlmöglich gar nicht so einen breiten Rückhalt in den einzelnen Bundesländern, wie es auf den ersten Blick scheint?

Wenig überzeugend ist es auch, wenn der günstige Erhaltungszustand mit nur drei Kriterien begründet wird, wo es doch offenbar acht relevante Kriterien dafür gibt (siehe: https://wolfsmonitor.de/?p=15495).

Unverfroren mag man es folglich finden, wenn trotzdem in dem Dokument behauptet wird, der günstige Erhaltungszustand sei bereits erreicht.

Die Autoren beklagen sich in dem Papier außerdem auf der einen Seite über „Unschärfen“ beim Populationsbegriff, um auf der anderen Seite selbst noch unschärfere Begrifflichkeiten wie den „Akzeptanzbestand“ zu benutzen.

Außerdem behaupten die Autoren, dass Wölfe, die bejagt werden, „ab diesem Moment wieder eine Scheu vor dem Menschen zeigen, da sie diesen als potenzielle Gefahrenquelle wahrnehmen“ (S.28)

Die außergewöhnliche Scheu dieser Tiere im Alltag könnte aber u.a. auch darauf zurückzuführen sein, dass die herkömmliche Jagd in den Wolfsrevieren auf andere Wildtierarten bereits ausreicht, um diesen Abschreckungseffekt ebenso zu erreichen.

Auch der in diesem Dokument erneut vorgebrachten Behauptung, dass es wolfssichere Zäunungen nicht gibt, stehen zahllose Beispiele in der Realität gegenüber, die genau das Gegenteil zu beweisen scheinen.

In Nachbarländern wird im Übrigen täglich widerlegt, dass zum Beispiel Almen, wie behauptet wird, gegenwärtig nicht wolfssicher eingezäunt werden können (siehe hier!)

Ferner scheint so manche vorgebrachte Einlassung, wie beispielsweise die Grafik zum Wildtiermanagement (Abb. 8, S. 14), aus dem luftleeren Raum entwickelt worden zu sein, da Quellenangaben fehlen.

Die Autoren versäumten zudem, die besondere ökologische Rolle der Großen Beutegreifer ausreichend in ihrer Betrachtung zu berücksichtigen, noch zum von mehreren Parteien und Verbänden vorgeschlagenen bundesweiten Herdenschutzzentrum Stellung zu beziehen.

Und da die Autoren sogar selbst darauf hinweisen, dass

…„zweifelsfrei davon auszugehen ist, dass das aktive Wolfsmanagement der Zukunft eine Reihe von gesetzlichen und administrativen Änderungen auf verschiedenen politischen und administrativen Ebenen mit sich bringen muss (S.15),

stellt sich automatisch die Frage, warum diese regulatorischen Änderungen nicht im Küstenschutz, im Jagdrecht und im Tierschutzrecht so vorgenommen werden, damit Wölfe rechtssicher nur im Ausnahmefall und nur im Sinne aller gültigen Schutzbestimmungen und Artenschutzrichtlinien entnommen werden müssen.

Die Autoren können mit ihrem Papier am Ende nicht wirklich überzeugend und nur unter größten Schwierigkeiten belegen, warum eine Bejagung – und auf nichts anderes zielt dieses Papier ab – notwendig sein soll.


Die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe (GzSdW) kam bereits vor Jahren zu dem Ergebnis, dass eine Bejagung überhaupt nicht erforderlich ist:

„Eine Bejagung der Wölfe ist also weder nötig, um ihre „natürliche Scheu“ vor Menschen zu erhalten, noch um extrem seltene Angriffe von Wölfen auf Menschen zu verhindern.

Wolfsangriffe im 20. und 21. Jahrhundert haben sich häufig in Gebieten ereignet, in denen die Wölfe bejagt wurden.

Außerdem verringert das Erlegen einiger Wölfe in einem Gebiet nicht die Häufigkeit von Übergriffen auf Nutztiere, sondern allein die Anwendung effektiver Herdenschutzmaßnahmen“,

heißt es in der Veröffentlichung „Wolfs-Wissen-kompakt“ der Gesellschaft (hier der Link!).

Der nun vorliegende AFN-Handlungsvorschlag vermag am Ende nicht zu überzeugen!

Just my two cents…


Quelle: Aktionsbündnis Forum Natur: „Wildtiermanagement Wolf – Handlungsvorschlag für ein praxisorientiertes Wolfsmanagement in der Kulturlandschaft Deutschlands“, abgerufen am 16.1.2019, hier der Link!


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