Offenbar über 120 Anzeigen gegen Wolfstötung in Sachsen

Ein „abgekommen“ wirkender Wolf, der Ende Dezember 2017 in Krauschwitz und Weißkeißel (Kreis Görlitz) zwei Hunde getötet haben soll, wurde Mitte Januar mit Genehmigung des Umwelt- und Landwirtschaftsministeriums zum Abschuss freigegeben und am 2. Februar vom Landratsamt Görlitz als geschossen vermeldet (WM berichtete). Nun heißt es, die Tötung sei „fachgerecht“ durch einen Schuss vorgenommen worden.

Der Hintergrund dieser Meldung: Offenbar liegt nun ein Teil des Untersuchungsbefundes des “entnommenen” Wolfes vor.

Aus dem Gutachten des Leibniz-Institutes für Zoo- und Wildtierforschung Berlin (IZW) gehe – so schreibt die Lausitzer Rundschau – hervor, dass das untersuchte Tier eine massive Dermatitis (entzündliche Reaktion der Haut) hatte, wie sie nach einem Befall mit Räudemilben beobachtet werden kann. Es stünden allerdings noch weitere Untersuchungen aus. (*1)

Sie Sächsische Zeitung meldet unterdessen, dass der Abschuss des Wolfes ein juristisches Nachspiel haben wird.

Die Bundesvorsitzende der Menschen- und Tierrechtspartei Ethia, Bettina Jung, habe gegen den Görlitzer Landrat Bernd Lange (CDU) Strafanzeige gestellt.

Jung werfe dem Landrat mehrere Rechtsbrüche vor, darunter Verstöße gegen das Bundesnaturschutz- und das Tierschutzgesetz.

Sie wehre sich gegen Präzedenzfälle, in denen die höchst geschützten Tiere ohne jede Beweisgrundlage und Anwendung alternativer Maßnahmen erschossen würden.

Jung weise weiter darauf hin, dass es keine dokumentierten Angriffe, auch nicht auf Menschen, gegeben habe, die einen Abschuss gerechtfertigt hätten. Zudem sei der erschossene Wolf nicht zweifelsfrei als vermeintlicher „Problemwolf“ identifizierbar gewesen.

Auf der Webseite der Partei ist sogar von insgesamt über 120 Strafanzeigen die Rede. Quelle sei die Staatsanwaltschaft in Görlitz (*3)

Trotz mehrfacher Nachfrage der Sächsischen Zeitung wollte sich die Kreisverwaltung Görlitz in den vergangenen Tagen dennoch nicht zu Einzelheiten des Abschusses äußern.


Quellen (alle abgerufen am 16.2.2018):

(*1) Lausitzer Rundschau, lr-online.de am 15. Februar 2018: „Wölfe in Sachsen – Befund: auffälliger Wolf fachgerecht erschossen“, hier der Link!

(*2) Sächsische Zeitung, sz-online.de am 15. 02.2018: „Strafanzeige gegen Görlitzer Landrat – Die Menschen- und Tierrechtspartei Ethia klagt Bernd Lange wegen mehrerer Rechtsbrüche an“, hier der Link!

(*3) Ethia, ethia.de, Pressemitteilung vom 14.02.2018, hier der Link!