Ein Hauch von Doppelmoral

Es sei an der Zeit, dass endlich alle „abrüsten“, wird der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies im Zusammenhang mit einer kürzlich im Kreis Gifhorn gefundenen illegal getöteten Wölfin zitiert. Dabei meint er die Wolfsbefürworter und –gegner, die – so Lies – oftmals in einem Ausmaß reagierten, wie es dem jeweiligen Anlass nach nicht gerechtfertigt sei.

Es sollte an dieser Stelle nicht verschwiegen werden, dass es nicht zuletzt dieser Olaf Lies selber ist, der die Stimmung in der „Wolfsszene“ regelmäßig mit der Entscheidung anheizt, die umstrittene Abschusserlaubnis für den Rodewalder Wolfsrüden weiter in Monatsschritten zu verlängern.

Nahezu alle etablierten Naturschutzverbände votierten seinerzeit dagegen. Eine diesbezügliche Klage des Freundeskreises freilebender Wölfe läuft zudem auch noch (mehr dazu hier!).

Doch Olaf Lies zeigt sich bis heute unbeirrt und selbstgerecht in dieser Sache. Genau das macht seinen jetzigen Kommentar so heikel – ihn umweht quasi ein Hauch von Doppelmoral.

Und mehr noch: Lies unterstellte Wolfsbefürwortern in der Vergangenheit gleich mehrmals völlig undifferenziert, sie würden die Arbeit seiner „Tötungskommandos“ auch noch absichtlich stören.

Was er dabei offenbar völlig übersieht ist, dass es nicht gerade von politischer Klugheit zeugt, wenn man die ungefähr 70 bis 80 % der Bevölkerung, die sich selbst als Wolfsbefürworter wähnen, pauschal in undifferenzierter Weise derart über einen Kamm schert.

Fehlt eigentlich nur noch, dass Lies am Ende den Wolf mit der Begründung ins Jagdrecht zu „bugsieren“ versucht, Problemwölfe seien ansonsten nicht zu entnehmen, wie der Rodewalder Rüde seit Monaten zeige. Zuzutrauen wäre ihm ein solcher (ebenso billiger) Winkelzug.

Um hier nicht falsch verstanden zu werden, wenn der oben genannte Täter den streng geschützten Beutegreifer nicht nur vorsätzlich getötet, sondern auch noch bestialisch gequält hat, verdient er die gesamte Härte des Gesetzes. Punkt.

Wenn Olaf Lies sich indes als Umweltminister-Darsteller politisch zum Thema Wolf öffentlich äußert, ist – wie nun auch das jüngste Beispiel eindrucksvoll zeigt – regelmäßig Vorsicht geboten.

Herzlichst

Ihr

Jürgen Vogler


Quelle: .epd über noz.de am 24.7.2019: „Wolf in Gifhorn getötet und vermutlich gequält“, abgerufen am 24.7.2019, hier der Link!