Referentenentwurf: Unschuldige Wölfe im Visier

Medienmeldungen zufolge soll es jetzt offensichtlich schnell gehen: Einem Entwurf von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) zufolge sollen einzelne Wölfe eines Rudels künftig auch dann getötet werden dürfen, wenn nicht klar ist, welcher Wolf genau einen Riss verursacht hat – und zwar „bis zum Ausbleiben von Schäden“. So meldet es beispielsweise „swp.de“.

Das ist wohl der billigste politische Kompromiss, den man sich überhaupt denken kann. Der Grund: Dieser Ansatz könnte unter Umständen zur Vernichtung ganzer Wolfsrudel führen, obwohl kein einziger dieser Wölfe an einem Nutztierriss beteiligt war.

Wir erinnern uns: Von Dezember bis etwa Mai eines Jahres sind viele Wanderwölfe unterwegs, also Wölfe, die ihr Rudel verlassen, um weiträumig ein eigenes Revier zu suchen. Dabei halten sie sich manchmal mehrere Tage oder auch Wochen in derselben Region, und mitunter auch in den Revieren anderer Rudel auf.

Häufig sind es genau diese, in der Regel jungen Wölfe, die Rissschäden anrichten. Sie nutzen bisweilen die Gelegenheit das zu tun, was die standorttreuen Wölfe häufig nicht tun: Schlecht geschützte Nutztiere zu reißen.

Dem Referentenentwurf entsprechend kann genau das nun einem standorttreuen Rudel zum Verhängnis werden.

Das ist schlichtweg absurd, genauso absurd, wie der grundsätzliche Gedanke, große Beutegreifer wie den Wolf, welche nachweislich effektiver Schalenwild bejagen als menschliche Jäger und deshalb am Ende ihren durchaus sinnvollen Beitrag zur Gesundung des ganzen Schalenwildbestandes beitragen, quasi “schuldlos” abzuknallen.

Dass so eine „Kopfgeburt“ ausgerechnet aus dem SPD- geführten Bundesumweltministerium kommen soll, setzt dem ganzen noch die Krone auf.

Aber wir kennen Ähnliches ja aus dem Umweltministerium in Niedersachsen. Da geht man beispielsweise stillschweigend davon aus, dass sich jede (hochgezüchtete) Rinderherde selbst gegen Wölfe verteidigen kann.

Auf die Idee, dass Herden ihre kranken Mitglieder sogar selbst isolieren und verstoßen, ist dort scheinbar noch kein “Experte” gekommen.

Kennen Sie die derzeitige Mediendiskussion um die kriminellen Clans in Deutschland? Man könnte ja auch so lange die einzelnen Mitglieder dieser Clans einfach wegsperren, bis die Kriminalität aufhört.

Oder alle Waffenbesitzer einer Region nacheinander so lange vorsorglich inhaftieren, bis die Wilderei nachlässt.

Merken Sie was?

Dieser fachlich fragwürdige Referentenentwurf ist peinlich, äußerst peinlich.

Jetzt aber sind erst einmal die Verbände dran! Erste Reaktionen gibt es bereits…


Quelle: swp.de am 20.5.2019: „Wenn Nutzvieh gerissen wird – Abschuss von angriffslustigen Wölfen soll leichter werden“, abgerufen am 20.5.2019, hier der Link!