Freundeskreis freilebender Wölfe: Offener Brief an Umweltminister Olaf Lies (Nds)

Sehr geehrter Herr Minister Lies,

in der Ausgabe der CUX Nachrichten vom 19.09.2018 sprechen Sie davon, dass Sie die Kompetenz zum Wolf in der Landwirtschaftskammer besser aufgehoben sehen. Außerdem sprechen Sie davon, dass das ganze System nicht rund liefe und die Struktur um das Wolfsbüro verkorkst sei. Für solche Aussagen fehlt uns jegliches Verständnis, da Vieles in Ihrer Hand liegt, wie z.B.:

– Die Personaldecke im Wolfsbüro wird zunehmend ausgedünnt, indem Zeitverträge, auch bei den angestellten Tierärzten, nicht verlängert werden.

– Das Wolfsbüro sollte unserer Meinung nach eher gestärkt werden, um zum Beispiel öfter bei Bedarf ein aktives Monitoring zu organisieren.

– Ein weiterer Punkt ist, dass der Arbeitskreis Wolf als beratendes Gremium von Ihnen außer Funktion gesetzt wird, sei es zur Weiterentwicklung der Richtlinie Wolf, Umgang mit dem Rodenwalder Wolf, Ergebnis der Prüfung des Verhaltens des Cuxhavener Rudels durch das DBBW und den angekündigten Besenderungen.

Der Wolf, als streng geschütztes Tier, ist im Umweltministerium korrekt angesiedelt und bedarf keiner Überstellung in die Landwirtschaftskammer um effektiver zu werden. Die Kompetenz mit dem Umgang streng geschützter Wildtiere gehört in Ihre Fachbehörde und in Ihre Verantwortung!

Sie agieren gemeinsam mit der Landwirtschaftsministerin in einer Regierung und können daher auf einer anderen Ebene in Sachen Wolf zusammen- arbeiten und die jetzige Situation entschärfen. Als Regierungsmitglied können Sie auf Ihre Kollegin Frau Otte Kinast einwirken, damit artgerechte Tierhaltung gefördert wird: Eine Möglichkeit ist, die Weideprämie durch das Land einzuführen.

Eine weitere begrüßenswerte Idee seitens der Schäfer ist, die Sie überdenken wollten, Pauschalen für Herdenschutz an Schäfer in Wolfsgebieten zu zahlen, wobei bereits ganz Niedersachsen als Wolfsgebiet gilt.

In diesen Wochen werden erneut Weichen gestellt, wie die Landwirtschaft in den nächsten Jahren von der EU gefördert werden soll und wohin die Steuergelder fließen. Artgerechte Tierhaltung verstärkt zu fördern als
bisher, hilft den Weidetierhaltern sich gegen Wolf und Hund besser wehren zu können und auch Herdenschutz kann besser umgesetzt werden.

Das wäre eine Agrarpolitik, die auch das Interesse der Verbraucher aufgreift, die zunehmend artgerechte Tierhaltung in der Landwirtschaft und nicht industrielle Massentierhaltung unterstützen möchte.

In Bezug auf das Zusammenleben mit dem Wolf befürworten wir, mit der Landbevölkerung ins Gespräch zu kommen und nicht nur Lobbyisten für die Landbevölkerung sprechen zu lassen. Unsere Erfahrungen bei
Infoveranstaltungen und Infoständen zeigen immer wieder, dass die Rückkehr der Wölfe in unserer Landbevölkerung auf großen Zuspruch trifft.

Ferner verstehen wir nicht, warum Sie, Herr Lies, den niedersächischen Wolfsmanagementplan nicht kennen, in dem eine letale Entnahme bereits in Ausnahmefällen möglich ist und bereits bei dem Wolf MT6 im Jahr 2016
umgesetzt wurde. Wir entnehmen dieser Berichterstattung, dass Sie sich nicht eingehend mit dem Wolfsmanagement beschäftigt haben.

Dies zeigt sich auch in der Hinsicht, dass der EU-Kommissar, Herrn Delgado Rosa, zu diesem Fall hinzugezogen wurde. Die Umweltminister Deutschlands haben im Jahr 2016 das zentrale DBBW eingerichtet, bei dem Sie sich zur Not über alle Belange rund um das Thema Umgang mit der Tierart Wolf informieren können.

Auch keine Schande ist, bei anderen Bundesländern Rat einzuholen. Eine innerdeutsche Zusammenarbeit ist sinnvoll und wünschenswert. Überdies können Sie zu solchen Besuchen Wolfsberater hinzuziehen, die praxisbezogene Auskunft geben können. Dafür wurden sie ausgebildet.

Mit freundlichen Grüßen

Uwe Martens

Stellvertretender Vorsitzender des Freundeskreises freilebender Wölfe und Wolfsberater


Quelle: Freundeskreis freilebender Wölfe am 9. Oktober 2018: “Offener Brief an den Umweltminister NDS”

Hinweis: Gastbeiträge auf Wolfsmonitor geben die Meinung des jeweiligen Verfassers und nicht automatisch die Meinung der Redaktion wieder. Sie sollen in erster Linie informieren und zur Debatte anregen.