Offener Brief an Ministerin Barbara Otte-Kinast: Wanderschäfer nicht im Stich lassen!

Etwa 20 Wanderschäfer gibt es nur noch in Niedersachsen. Genau die würden besonders unter der Entscheidung der neuen niedersächsichen Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast leiden, die Weideprämie abzuschaffen. Damit werde die Ministerin ihrer Verantwortung nicht gerecht, schreibt Thomas Mitschke, Erster Vorsitzender der NABU-Kreisgruppe Lüneburg, in einem „Offenen Brief zur Ablehnung der Weideprämie“ an die Ministerin.

„Sehr geehrte Frau Ministerin Barbara Otte-Kinast,

mit Bestürzung nehme ich zur Kenntnis, dass es die von Ihrem Vorgänger geplante Weideprämie nicht geben wird. Besonders hart von dieser Entscheidung betroffen sind die Schäfer, insbesondere die Wanderschäfer ohne eigenes Land, die noch nie von der Grünlandförderung profitieren konnten.

Diese Wanderschäfer sind für unsere Gesellschaft, für unsere Natur, für den Tourismus und für die regionale Wertschöpfung unverzichtbar. Sie leisten einen hohen Beitrag beim Hochwasserschutz an den Deichen, beim Naturschutz in den Heideflächen.

Doch beinahe alle stehen mit dem Rücken zur Wand, stehen wirtschaftlich vor dem Aus und das sind die Ursachen:

  • viel Arbeit, wenig Geld
  • hohe Kosten, Auflagen & Vorschriften
  • Nachwuchs für den Beruf ist Mangelware
  • hoher Altersdurchschnitt
  • einhergehender Rückgang von hauptberuflichen Betrieben und Wanderschäfern in Niedersachsen
  • nicht ausreichend honorierte Landschaftspflege
  • eingebrochene Wollpreise, Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Ertrag (50 Cent pro kg)
  • Lammfleisch deckt nur 50% der Betriebskosten
  • niedrige Nachfrage an Lammfleisch und Konkurrenz aus Neuseeland
  • Schafs- und Ziegenmilch als Nischenprodukt
  • Mehraufwand für Herdenschutz

Wir dürfen diesen so wichtigen Beruf nicht aussterben lassen, diese Menschen mit ihren Tieren nicht allein lassen!

Bitte bedenken Sie noch einmal Ihre Entscheidung, führen Sie umgehend eine Weideprämie ein!

Unterstützen Sie die Schäfer, vor allem die überschaubare Anzahl an Wanderschäfern in Niedersachsen (ca. 20) finanziell, helfen Sie mit, diesen Beruf wieder attraktiv zu machen. Wir brauchen dringend eine bessere Honorierung der Landschafts- und Deichpflege.

Bitte setzen Sie bei Ihren Überlegungen die Summe der dringend benötigten Gelder aus einer Weideprämie für Betriebe und Wanderschäfer ins Verhältnis zu den jährlich ausgegebenen Entschädigungssummen für Schäden durch Wildgänse auf Äckern, die das Land Niedersachsen jedes Jahr zahlt (ca. 7.000.000 €).

Bitte setzen Sie einen zukünftigen Einsatz von Bundesfreiwilligenleistenden (BFD) sowie das Ableisten eines freiwilligen ökologischen Jahres (FÖJ) für Schäfer, insbesondere für Wanderschäfer, die einen stark erhöhten Arbeitsaufwand zu verzeichnen haben, auf den Prüfstand.

Das Land Niedersachsen stellt allein für das FÖJ 325 Stellen im Natur- und Umweltschutz zur Verfügung. Wir brauchen hier weitergehende innovative, zielführende Lösungen ihres Ministeriums in Zusammenarbeit mit der zuständigen Alfred-Töpfer-Akademie für die Schäfer!


Ich freue mich über ein zeitnahes Feedback.

Mit freundlichen Grüßen

Thomas Mitschke
1. Vorsitzender
NABU-Kreisgruppe Lüneburg“


Quelle: NABU Kreisgruppe Lüneburg, abgerufen am 20.2.2018, hier der Link!


Beitragsfoto: Heiko Anders, www.andersfotografiert.com

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