Lehrstunde für den Bauernbund

Ehre, wem Ehre gebührt. Dieses Zitat wird Paulus von Tarsus zugeschrieben und der Bauernbund Brandenburg erhielt nun von der amtierenden Landesregierung eine Lehrstunde diesbezüglich. Denn seitens der Landes-SPD gab sich nicht der Spitzenkandidat Dietmar Woidke die Ehre, der Einladung des Bauernbundes zu folgen, sondern “nur” der auf Platz 37 der Landesliste platzierte Johannes Funke. 

Das scheint ein weiterer Beleg dafür zu sein, dass das Thema Wolf eines ist, das zurzeit wohl nirgendwo in Deutschland abstruser diskutiert wird als beim Bauernbund in Brandenburg.

Dieser Verein verlangt – entgegen bestehender EU-Artenschutzvorgaben – schon seit Jahren die pauschale Erlaubnis zum Wölfeschießen zu erhalten, sobald sich die Beutegreifer ihren Weidetieren auch nur auf mehreren hundert Metern nähern.

Andererseits scheint man sich jedoch auch dort nicht pauschal gegenüber sämtlichen EU- Vorgaben zu verschließen. Insbesondere, wenn in deren Folge Subventionen in Euro ausgeschüttet werden.

Es kann heute jedoch als nahezu ausgemacht gelten, dass nicht nur die Mitglieder des Bauernbundes in absehbarer Zeit noch so manche echte Disruption auszuhalten haben werden.

Die Agrarwende ist unausweichlich, zu sehr setzte man in der Vergangenheit auf Gift und Gülle.

Die derzeitige Landwirtschaftspolitik ist außerdem erkennbar bis zum Bersten verfilzt.

Der Klimawandel und die damit einhergehenden notwendigen Änderungen weisen darüber hinaus deutlich und unausweichlich auf die Sackgasse hin, in der man sich gerade befindet.

Im Kontext dieser echten politischen Herausforderungen erscheint die vom Bauernbund einerseits nun aufgewärmt wirkende und andererseits maßgeblich überzogene Wolfsdiskussion wie eine abgestandene Nebelkerze.

In Niedersachsen – so wurde jetzt sogar im zweiten Jahr in Folge berichtet – versagen vergleichbare Vorwürfe in Gänze. Die Übergriffe von Wölfen auf Nutztiere sanken dort zuletzt, obwohl die Wolfszahlen beständig anstiegen.

Fazit: Die Landes-SPD in Brandenburg reagierte richtig. Das Thema Wolf kann – insbesondere dann, wenn wirksame Herdenschutzmaßnahmen angewendet werden und greifen – auf die Plätze verwiesen werden.

Das allerdings sah CDU-Spitzenkandidat Ingo Senftleben offenbar etwas anders. Der nutzte diese Möglichkeit als Wahlkampfauftritt, um altbekannte Wolfs-Parteiplattitüden loszuwerden.

Glaubt man den Kommentaren von Anwesenden im Netz, scheint er dabei allerdings nicht wirklich überzeugt zu haben.

Das Thema Wolf ist halt komplexer, als so mancher denkt…


P.S.: In Brandenburg zeigten offenbar 52 von 417 politisch selbstständigen Kommunen in jüngster Vergangenheit ihre Bereitschaft, sich auf Initiative des Bauernbundes zur “wolfsfreien Zone” zu erklären. Demnach scheint es dort aktuell keine Wölfe zu geben ;-)

Der Trend, sich als Kommune öffentlich zu erklären, wurde zuletzt allerdings inhaltlich abgelöst von denen, die den “Klimanotstand” ausgerufen haben, darunter Städte wie Konstanz, Kiel und Köln.

Erkennen Sie den substanziellen Unterschied der beiden Ansätze?

Herzlichst

Ihr

Jürgen Vogler


Quelle: rbb24.de am 25.7.2019:„Wir möchten, dass wir an der Weide schießen dürfen“, abgerufen am 25.7.2019, hier der Link!