Vom immer wieder bemühten Argument der „gerissenen Kinder“…

Der Mann hat offenbar ein NOZ-Leserbrief-Dauerabo. Nachdem er bereits am 28. April anhand eines fiktiven gerissenen Kindes forderte, dass der Wolf ins Jagdrecht übernommen werden müsse, darf er bereits am 8. Mai mit weiteren fragwürdigen Argumenten in einer neuen Ausgabe der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) aufwarten.

Mit den vorgebrachten Gründen beweist er allerdings erneut, dass er von wildbiologischen Hintergründen überhaupt keine Ahnung hat, es aber offensichtlich immerhin schaffte, die einleitenden Sätze eines (offenbar schon älteren) Jagdkompendiums fehlerfrei zu zitieren (…“Zur Hege des Wildes in unserer Kulturlandschaft gehört die Regulierung der Population“, etc…).

Die Rede ist von Stefan Middelberg aus Osnabrück, der den Lesern erneut predigt, warum Wölfe seiner Ansicht nach ins Jagdrecht gehören. Allerdings erneut wenig überzeugend, weil er beispielsweise ignoriert, in welcher geringen Dichte diese Tiere üblicherweise vorkommen (etwa 10 Tiere auf etwa 30.000 Hektar, das sind ungefähr 70 bis 80 Jagdreviere in gängiger Grösse) und warum die Jagd auf Wölfe erwiesenermaßen sogar völlig kontraproduktiv sein kann.

Das Argument mit dem „gerissenen Kind“ brachte übrigens dieses Mal ein anderer Leserbrief-Schreiber in derselben Zeitungsausgabe: Thomas Listl aus Meppen. Auch kein Unbekannter, weil ebenfalls NOZ-Leserbrief-„Wiederholungstäter“ in Sachen Wolf.

Schon vor einiger Zeit gab ihm die Redaktion die Gelegenheit, das Märchen von der menschenfressenden Bestie Wolf im Blatt zu verbreiten. Nun schwadroniert er erneut über die Notwendigkeit, die „Wolfsbestände auf ein vernünftiges Maß zurückzuführen“…

Bei aktuell nur zwei nachgewiesenen Wölfen auf dem Schießplatz der WTD 91 in seinem Heimatlandkreis und insgesamt nur rund 45 erwachsenen (geschlechtsreifen) Wölfen in ganz Niedersachsen, eine ziemlich hehre Forderung. Jeglicher weitere Kommentar dazu dürfte sich demnach erübrigen….

Für den Leser stellt sich am Ende dennoch die Frage, welche „Agenda“ die NOZ-Redaktion beim Thema Wolf eigentlich selbst verfolgt. Der Eindruck, dass man hier die Seite der Wolfsgegner über Gebühr „hofiert“, scheint für mich unübersehbar. Vor allem, wenn man folgende repräsentative Umfrage ernst nimmt:

Zustimmung zum Wolf in Deutschland bleibt hoch!

Ist vielleicht aber auch nur mein ganz persönlicher Eindruck.

Just my two cents…

Jürgen Vogler


P.S: Die meisten Missverständnisse unserer Zeit entstehen offenbar dadurch, dass man das Neue mit alten Augen betrachtet…


Quelle: Lingener Tagespost (Print) am 8. Mai 2018, Rubrik Dialog, Leserbriefe: “Aktive Bejagung, um Wolfsbestände auf ein vernünftiges Maß zurückzuführen ” von Stefan Middelberg aus Osnabrück und Thomas List aus Meppen