Wurden in Brandenburg Schafe von Wölfen trotz Herdenschutzhunde getötet?

Ausgerechnet der Bauernbund Brandenburg gab gestern der Wolfsgemeinde mal wieder Gelegenheit, sich über die ständig gegen den Wolf wetternden Funktionäre dieses Verbandes zu echauffieren.

Denn angeblich soll ein Wolf am Wochenende zwei Schafe in einer von Herdenschutzhunden (HSH) bewachten Herde des Schäfermeisters Marc Mennle gerissen haben. Mit einem Elektrozaun eingezäunt soll sie außerdem gewesen sein, die Herde.

Kurzum: Ausgerechnet die Wolfsschutzkombination, die zurzeit als die sicherste gilt, soll nun von einem Wolf überwunden worden sein.

Der Haken daran: Offizielle Stellungsnahmen und Bestätigungen dazu gibt es bislang keine – bis auf einen Kommentar auf der Webseite des Bauernbundes, in dem dieser – in bekannt überspitzter Manier – den sofortigen Stopp aller Herdenschutzprogramme und die Schutzjagd auf Wölfe nach Vorbild des „skandinavischen Modells“ (das in Fachkreisen alles andere als vorbildlich gilt) fordert.

Was oder wer also letztlich den Übergriff auf die beiden Schafe verursacht hat und ob die Herdenschutzhunde nun ausgerechnet bei einem Schäfer versagt haben, der sogar schon mal ein Mahnfeuer gegen den Wolf veranstaltet haben soll (wie mir ein aufmerksamer Leser mitteilte), bleibt bis zur offiziellen Klärung des Falls ungewiss.

Die meisten Schäfer, die ihre (vorwiegend zertifizierten) HSH richtig einsetzen, hatten daraufhin kaum noch ernsthafte Probleme mit Übergriffen von Beutegreifern. Und wer sich schon einmal persönlich mit HSH-haltenden Schäfern unterhalten hat, weiß auch, dass manchmal einzelne Hunde in der Herde „übergriffig“ werden.

Allerdings basiert diese Aussage, wie auch die Äußerungen und Forderungen des Bauernbundes, vorerst auf nichts anderes als auf purer Spekulation.

Von diesem Verein, der sich zuletzt stets bemüht zeigte, Wölfen, die sich Weidetiere nähern, möglichst schnell und konsequent den Garaus zu machen zu dürfen, war und ist eigentlich kaum etwas anderes zu erwarten als die neuerlich völlig überzogene Reaktion. So wenig fundiert diese auch sein mag…

Aufstoßen dürfte vielen eigentlich nur, dass der Bauernbund mit diesem „auffälligen Verhalten“, welches aus purem Eigennutz schlichtweg ignoriert, dass dreiviertel der Bevölkerung Wölfe in Deutschland wollen, das sowieso schon arg lädierte Image der Bauern noch weitergehend beschädigt.

Ebenso fragwürdig ist allerdings eine Presse, die es offenbar nicht einmal für nötig hält, kritisch zu recherchieren, bevor willfährig die provokative Phrasen eines einschlägigen Verbandes und die laienhafte Lösungsempfehlungen ausgerechnet des direkt betroffenen Schäfers unkritisch veröffentlicht werden…

Ich habe mir daraufhin weitere Recherchen und Hintergrundgespräche ebenfalls erspart. Ist ja scheinbar eh egal…

Just my two cents…

Ihr

Jürgen Vogler


Quellen (beide abgerufen am 29.7.2018):

(*1) Bauernbund Brandenburg, Beitrag vom 29.7.2018: „Nach Wolfsangriff bei Lenzen: Bauernbund verlangt Stopp aller Herdenschutzprogramme“

(*2) maz-online.de: Beitrag vom 29.7.2018: „Trotz Hütehund: Wolf reißt Schafe bei Lenzen“, hier der Link!