13 tote Schafe im Emsland

Im emsländischen Vrees wurden jetzt bei einem Übergriff auf eine Schafherde 13 Schafe getötet. (*1) Heikel daran: Hans Heymanns Schafhaltung wurde in der Vergangenheit – weil er mit seinen hornlosen Moorschnucken das Naturschutzgebiet „Vreeser Dosenmoor“ beweidet – ordentlich mit öffentlichen Mitteln sowie Stiftungs- und Spendengeldern unterstützt. Dennoch schützte er seine Schafe bisher nur mit dem erforderlichen Grundschutz (einem 90 cm Elektrozaun), der aber letztlich nur gewährleistet, dass er nach einer Wolfsattacke aus öffentlichen Mitteln entschädigt werden kann.

Entschädigt wird er am Ende aber nur, wenn sich tatsächlich der Wolf als Verursacher des Übergriffs herausstellt. Das ist jedoch nicht unwahrscheinlich, weil bereits bestätigte Wolfsnachweise aus der Region vorliegen. Neben dem Rudel auf der Wehrtechnischen Dienstelle 91 (WTD 91) wurden bisher vier weitere Wölfe im Emsland nachgewiesen, einer davon im Raum Vrees. (*2)

Erst im letzten Jahr ist im Vreeser Dosenmoor ein neuer Schafstall errichtet worden, um die Kapazität an Schafen des Schäfers Heymann von 230 auf bis zu 350 Muttertiere zu erhöhen und den Anforderungen bezüglich ihrer Haltung, Zucht und Pflege gerecht zu werden.

So heißt es in einer Pressemeldung der NOZ aus dem Dezember 2018. Rund 120.000 Euro wurden dabei aus verschiedensten Quellen zusammengetragen, nur etwa 10.000 Euro vom Schäfer selber. (*3)

Es ist ja erfreulich, dass manche Schäfer sich über eine derart große finanzielle Unterstützung freuen dürfen, während die meisten Vertreter dieser Zunft ums nackte Überleben kämpfen.

Es kämpfen kurioserweise besonders häufig die, die sich trotz ihrer schwierigen wirtschaftlichen Lage den „Vollschutz“ (Schutz von Schafen und gleichzeitig Wölfen) leisten, indem sie den vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) empfohlenen 120 cm Elektrozaun in Verbindung mit Herdenschutzhunden anwenden.

Und hier darf am Ende auf Dauer nicht mit zweierlei Maß gemessen werden.

Die Vergabe öffentlicher Flächen zur Beweidung an Schäfer muss künftig daran geknüpft werden, ob diese ihre Schafe optimal mit Hilfe des Einsatzes von Herdenschutzhunden schützen und so gleichzeitig ihren Beitrag zum Schutz der streng geschützten Beutegreifer leisten.

Zumal der Kauf von Schutzzäunen nebst Zubehör sowie die Anschaffung von Herdenschutzhunden zu 100 % aus öffentlichen Mitteln gefördert wird, was das außerordentliche öffentliche Interesse an derartigen Schutzmaßnahmen beweist.

Erst, wenn das vollständig gewährleistet ist, besteht die reelle Chance, dass Bilder wie nun die aus Vrees künftig der Vergangenheit angehören.

In der gesellschaftlichen Verantwortung, den internationalen und nationalen Arten- und gleichzeitig den Tierschutzvorgaben umfassend gerecht zu werden, stehen demnach alle beteiligten Seiten in Vrees: Die öffentlichen Fördermittelgeber ebenso wie diejenigen, die die öffentliche Vergabe der Landschaftspflege-Aufträge verantworten.

Aber vor allem der Schäfer selbst!


Quellen (alle abgerufen am 3.8.2019):

(*1) ndr.de am 02.08.2019: „Wolfsangriff: 13 Schafe verenden in Vrees“, hier der Link!

(*2) noz.de am 01.08.2019: „Beweis durch Genproben – Mindestens vier weitere Wölfe leben im Emsland“ von Tobias Böckermann, hier der Link!

(*3) noz.de am 02.12.2018: „Herde wird aufgestockt – Moorschnucken können neuen Schafstall in Vrees beziehen“ von Michael Sterk, hier der Link!


Beitragsfoto: Heiko Anders, www.andersfotografiert.com

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