Die Klamottenkiste des Reiterpräsidenten

Er wohnt nicht nur in einem Märchenschloss, nun präsentiert er sich auch noch als Märchenonkel. Die Rede ist vom Präsidenten der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), Breido Graf zu Rantzau. In einem Interview, das er jetzt mit den Kieler Nachrichten führte, heißt es, er kämpfe bereits seit Jahren gegen eine „Lobby der Wolfsbefürworter“.

Wenn man ein paar Wölfe, die sich Höfen und Weiden näherten, schieße, so ein nicht weiter belegtes Märchen des Grafen, würden die übrigen Wölfe wieder ängstlicher.

Für das genaue Gegenteil sprechen hingegen zahlreiche ernstzunehmende sowie auch wissenschaftliche Hinweise: Wenn man den falschen Wolf eines Rudels schießt, nämlich ein Elterntier dieses Familienverbandes, werden die Nutztierschäden, die der Rest des Rudels verursacht, mitunter noch erheblich größer.

Der Reiterpräsident stehe außerdem „an der Seite der Schäfer“, da es – wenn man nichts gegen den Wolf unternehme – in sieben Jahren keine Schafe mehr auf dem Deich gebe. (*1)

Das scheint ein weiteres Märchen aus der Klamottenkiste des Reiterpräsidenten zu sein, die Schäfer selber – so war kürzlich dem Weser-Kurier zu entnehmen – sind da schon einen realistischen Schritt weiter.

Andreas Schenk, Vorsitzender des Bundesverbandes der deutschen Berufsschäfer, der knapp 1.000 deutsche Berufsschäfereien vertritt, ist sich sicher, dass man als Schäfer künftig mit dem Wolf leben müsse – und das auch könne.

Seinen Äußerungen entsprechend ist das Einzäunen auf wechselnden Weiden am Deich zwar mit mehr Arbeit verbunden, aber keineswegs unmöglich.

Rechtssicherheit fordert er allerdings hinsichtlich des Tierschutzgesetzes in Bezug auf den Witterungsschutz und den Einsatz von Herdenschutzhunden hinter Elektrozäunen.

„In den deutschen Wolfsgebieten sind Herdenschutzhunde angesichts der Rückkehr des Wolfes für viele Betriebe unersetzlich geworden, weshalb ihr Einsatz rechtssicher möglich sein muss”, so die Forderung. (*2)

Acht Verbände unterstützen den Bundesverband der Berufsschäfer in dieser Sache, darunter der Deutsche Tierschutzbund und sogar die Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland (VFD).

Wer dann also wie nun Breido Graf zu Rantzau auch noch der Politik vorwirft, sie müsse „aufwachen“, sollte offensichtlich erst einmal vor der eigenen Haustüre, äh… Schlosstüre, kehren…

Just my two cents…

Ihr

Jürgen Vogler


Quellen (alle abgerufen am 26.7.2018):

(*1) Kieler Nachrichten am 25.7.2018: „Reiter-Präsident fordert Abschuss“, hier der Link!

(*2) Weser Kurier: „Das Recht auf Verteidiger“, Silke Looden am 24.07.2018, hier der Link!