Diepholzer Dramaturgen

Mir sind Menschen irgendwie verdächtig, ja geradezu suspekt, die glauben sich mit allerhand fadenscheinigen Argumenten „nachhaltig“ aus der Affäre ziehen oder vor dem Einsatz wirksamer Herdenschutzmaßnahmen drücken zu können. Auch der Rat der Stadt Diepholz hat sich nun diesem Verdacht ausgesetzt.

Demnach scheint es offenbar leichter zu sein, willkürlich Problemwölfe zu definieren und nachfolgend einen konsequenten Umgang mit ihnen zu fordern. Kann man zwar machen, führt aber vor dem Hintergrund der Rechtslage vorläufig zu nichts. Und wird auch absehbar in den nächsten Jahren zu nichts führen.

Deshalb muss man zu dem Schluss kommen, dass sich die Diepholzer „Politiker“ mit dem Thema „verhoben“ haben. Was heißt es denn eigentlich, wenn sich ein Wolf „verstärkt Siedlungen nähert“? Und droht dann tatsächlich irgendeine Gefahr?

Wann fällt ein Wolf durch Nutztierrisse auf? Und wem? Und überhaupt, wird durch eine Beweislastumkehr nicht cleveren Betrügern Tür und Tor zu Lasten des Steuerzahlers geöffnet? Immerhin rund 50 % aller mutmaßlichen Risse sind nämlich gar nicht auf Wölfe zurückzuführen. Von zusätzlichen postmortalen Nachnutzungen durch Wölfe, die ihnen dennoch als Riss zur Last gelegt werden, mal ganz zu schweigen.

Warum muss es eigentlich kilometerlange Einzäunungen geben, wenn es in mehr als 99 % aller Fälle ausreicht, nur die Jung- und Kleinstrinder auf engem Raum zu schützen?

Derartige fachlich fragwürdige Bewertungen wie nun die des Diepholzer Stadtrats sollten auch von den einschlägigen Verbänden konsequent und unüberhörbar abgelehnt werden. Allein schon, damit sich nicht noch weitere Mythen und Märchen im öffentlichen Umfeld verfestigen…

Just my two cents…

Jürgen Vogler


P.S.: Den grundlegenden Kreiszeitungs-Artikel zu diesem Beitrag finden Sie hier!


Quelle: MK-Kreiszeitung am 26.2.2018. „CDU und FDP fordern „nachhaltigen Umgang mit dem Wolf“, abgerufen am 27.2.2018