Die letzten Schäfer Deutschlands retten

Schäfer ist nicht gleich Schäfer. Das wurde vielen Wolfsbefürwortern in den letzten Jahren deutlich. Da gibt es nämlich diejenigen wie beispielsweise Wendelin Schmücker oder Joachim Rehse – der eine vom Förderverein der Deutschen Schafhaltung, der andere vom Landesschafzuchtverband Niedersachsen -, die kaum eine Gelegenheit auslassen, mit teils obskuren Äußerungen und Aktionen (siehe z. B. hier!) allein den Wolf für das Unheil ihrer ganzen Zunft verantwortlich zu machen.

Oder halt die im direkten Vergleich wesentlich seriöser argumentierenden Schäfer, die ihre Tiere selbstverständlich angemessen gegen die rückkehrenden Beutegreifer zu schützen versuchen und Aktionen wie die der beiden oben genannten Organisationen selbst überwiegend argwöhnisch betrachten.

Denn obwohl sie für ihren weit überdurchschnittlichen Arbeitseinsatz weit unterdurchschnittliche Einkommen erzielen (die Rede ist in den verlinkten Artikeln von 16.000 € Durchschnittseinkommen je Schäferei, 1.200 € Nettolohn eines Schäfers oder 6,50 € Stundenlohn), denkt keiner der nachfolgend genannten Schäfer wirklich über das Aufgeben nach.

Kein Wunder, denn Ortrun Humpert, Frank Hahnel und Sven de Vries haben offensichtlich wie ebenso viele andere Schäfer etwas gefunden, was andere ein Leben lang sehnlichst suchen: ihren erfüllenden Traumjob.

Doch für viele der etwa 989 Vollerwerbsschäfereien in Deutschland geht es bereits seit Jahren um nicht weniger als die nackte Existenz. Und daran ist eben nicht (allein) der Wolf schuld.

Die Situation scheint eher ein Indiz für eine Agrar- und Verbandspolitik zu sein, die offensichtlich lieber die wachsende statt weichende Agrarindustrie fördert, während sich kleine Familienbetriebe zunehmend im Stich gelassen fühlen.

Zwischen 2010 und 2016 gaben bereits etwa 13% der erwerbsmäßigen Schäfereien auf. Auch die Zahl der gehaltenen Mutterschafe und die Größe der bewirtschafteten Fläche dieser Betriebe verringerten sich in dem Zeitraum um ca. 14% bzw. 16%.

Gründe dafür gibt es viele: Pachten für das Weideland; Diesel für die Fahrzeuge; die Berufsgenossenschaft; kein ausreichender Preis für die Wolle; konkurrierende Tiefkühlware aus dem fernen Neuseeland; dazu dann auch noch die zusätzlich notwendig werdenden Herdenschutzhunde gegen die Wölfe. Da bleibt dann von den Subventionen für die Grünlandpflege kaum noch etwas übrig.

Darum fordern Deutschlands Schäfer die Rückkehr zur Weidetierprämie. Die wurde im Jahr 2005 zwar von der EU abgeschafft, aber dennoch wird sie in 22 EU-Ländern freiwillig weiterbezahlt. Allerdings nicht in Deutschland.

38 Euro pro Mutterschaf und Jahr fordern die Schäfer deshalb, weil Schafe Grünflächen kurz halten, damit wesentlich zur Artenvielfalt beitragen und Hochwasserdeiche naturschutzgerecht schützen.

Der auf Wolfsmonitor durch seinen letztjährigen Beitrag  („Wer den Wolf will, muss uns auch unsere Herden schützen lassen!“, hier der Link!) bereits bekannte Wanderschäfer Sven de Vries startete zu diesem Thema eine Petition und eine Medienkampagne. Bis heute fand er auf change.org weit mehr als 100.000 Unterstützer für das Anliegen der Schäfer.

Und das in einer sympathischen, ehrlichen sowie anständigen, kurz, in einer vorbildlichen Art und Weise, was seinen Erfolg erklären dürfte und ihn wohltuend von anderen unterscheidet.

Unter Nutzung dieses Links werden sie zur Petition „Rettet die letzten Schäfer/innen Deutschlands – Traditionsberuf am Ende!“ weitergeleitet!


Quellen (alle abgerufen am 3.4.2018):

(*1) deutschlandfunk.de, 29.3.2018, “Bedrohter Beruf – Schäfer Hahnel kämpft ums Überleben” von Vanja Budde, hier der Link!

(*2) westfalen-blatt.de, 1.4.2018, Schäfer-Schwund in NRWDer weite Weg zum Osterbraten, hier der Link!

(*3) change,org, Petition: “Rettet die letzten Schäfer/innen Deutschlands – Traditionsberuf am Ende!”


Beitragsfoto: Heiko Anders, www.andersfotografiert.com


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