Elli Radingers Kommentar zur Studie „Interaktion Pferd-Wolf“

Zur Studie des niedersächsischen Arbeitskreises Pferd und Wolf, die im Herbst 2018 zur Frage der „Interaktion zwischen Pferd und Wolf“ erstellt werden soll (WM berichtete: hier!), schreibt die bekannte Autorin und Wolfsexpertin Elli Radinger („Die Weisheit der Wölfe“):

„Im Prinzip ist eine solche Studie eine gute Idee. Nur ist m.E. der Zeitpunkt völlig falsch gewählt.

„Das Ziel der Untersuchung ist, bislang fehlende Informationen darüber zu gewinnen, wie Pferde tatsächlich auf Wölfe reagieren.“ Wenn die Studie im Herbst beginnt, ist sie jedoch sinnlos.

Im Herbst und Winter sind die Pferde normalerweise tagsüber nur einige Stunden draußen und werden nachts eingestallt. Wenn kein Pferd auf der Weide steht und ein Wolf läuft rum, welche Aussage soll im Herbst gemacht werden? Wichtig wäre es, die Zeiten zu untersuchen, in denen die Wölfe besonders aktiv sind, also JETZT vor allem aber die Monate Juni, Juli, August aus folgenden Gründen:

  • Die Pferde sind Tag und Nacht auf den Weiden,
  • sie haben Fohlen,
  • die Wölfe haben ebenfalls Nachwuchs und müssen ständig Futter herbei schaffen,
  • neugierige Jungwölfe beginnen, abzuwandern.

Das bedeutet, dass im ganzen Gebiet sehr viel mehr Unruhe ist. Genau dann müsste man beobachten, wie die Pferde reagieren. Die Ergebnisse könnten dann jedoch auch dazu führen, dass die Pferdebesitzer aktiv werden müssten: Fohlen nachts in den Stall bringen, bessere Zäune bauen etc.

Bei einer Studie im Herbst ist das vorhersehbare Ergebnis: Alles ruhig, wir müssen nichts tun. Das wäre vielleicht im Sinne von uns Wolfsfreunden, entspräche aber nicht der Realität. Eine solche durchaus sinnvolle Studie muss unter realen und nicht unter „geschönten“ Bedingungen durchgeführt werden. Nur so können wir Ergebnisse erhalten, mit denen man auch arbeiten kann.“


Quellen:

(*1) Leserbrief von Elli Radinger

(*2) NLWKN, 24.4.2018: „Studie zur Interaktion zwischen Pferd und Wolf startet im Herbst“, abgerufen am 24.4.2018