Wolfskritische Verbände in der „Lückenfalle“

Die neueste Meldung, in der es heißt, dass 19 wolfskritische Tierhalter-, Jäger- und Waldbesitzer-Verbände vor einer weiteren Ausbreitung der Wölfe warnen und den Behörden sogar vorwerfen, die exakten Zahlen zur Wolfspopulation zu verschleiern, erfüllt interessanterweise treffsicher alle Kriterien für einen sogenannten „Lückenpresse“-Artikel.

Diesen Begriff prägte Ulrich Teusch in seinem als „politisches Buch 2017“(*1) ausgezeichnetem gleichnamigen Sachbuch.

Erstes Kriterium: Die Informationen werden in ganz bestimmter Weise gewichtet: Der O-Ton des gesamten Zeit-Artikels, um den es hier und nachfolgend geht, kann mit den Worten beschrieben werden: „Vor weiteren Wölfen wird gewarnt“. In der Realität gibt es allerdings – anders als darin behauptet – keine ernstzunehmenden Hinweise auf die im Bericht von den Wolfskritikern genannte Anzahl von “mehr als 1000 Wölfen” in Deutschland. Wie kommt man also auf diese Zahl? Genauso wenig gibt es Anzeichen und schon gar keine Beweise dafür, dass die Behörden hier tatsächlich irgendetwas verschweigen würden.

Informationen werden, so der zweite Hinweis für einen “Lückenpresseartikel”, gezielt unterdrückt. Mit seiner Aussage, „wir sehen, dass der Herdenschutz alleine nicht funktioniert“, verschweigt DBV-Präsident Joachim Rukwied augenscheinlich, dass die beeindruckende Anzahl der von ihm aufgeführten Wolfsrisse bisher fast ausnahmslos dort stattfanden, wo die Nutztierherden nicht einmal über einen sachgerechten Grundschutz verfügten.

Außerdem wird mit der Aussage, „Zäune um alle Weiden aufzustellen, sei nicht machbar und gesellschaftlich nicht akzeptiert“, verschwiegen, dass diese Maßnahme erstens überhaupt nicht bei „allen Weiden“ nötig ist und zweitens bei Forstkulturen merkwürdigerweise Zäune klaglos von all denen “akzeptiert” werden, die genau das jetzt bei Nutztierherden konsequent ablehnen.

Drittens werden in der „Lückenpresse“ laut Teusch Fakten tendenziös bewertet, was in diesem Artikel selbstredend der Fall ist, beispielsweise bei der Zahl 1.500 (der offenbar nicht einmal Fakten zugrunde liegen).

Wer außerdem den inhärenten Widerspruch in den Worten „zu einem vernünftigen Umgang mit dem Wolf gehöre der Abschuss“ nicht erkennt, sollte in der heutigen Zeit eigentlich kein höheres Amt mehr bekleiden dürfen.

Der „Aktionsplan der 19“, der jetzt in der „Zeit“ beschrieben wurde, scheint am Ende also nichts weiter als ein weiterer Beleg für die Unverfrorenheit zu sein, mit der einschlägige Interessenkreise fragwürdige Halbwahrheiten in den Medien verbreiten, die sich ohne große Mühe als „lückenhaft“ identifizieren lassen.

Kann man von den sogenannten “Qualitätsmedien” als Leser eigentlich nicht erwarten, dass sie derartigem Schmu im eigenen Interesse kritisch begegnen? Offensichtlich nicht.

Übrigens, es ist noch nicht lange her, da präsentierten 8 andere Verbände ernstzunehmende Lösungsvorschläge, ohne sich fragwürdiger “Stilmittel” zu bedienen. Welche, lesen Sie hier:

Acht Verbände präsentieren sieben Eckpunkte für ein konfliktarmes Miteinander von Wolf und Weidetieren


Quellen:

(*1) Ulrich Teusch: „Lückenpresse“, Westend Verlag GmbH 2016, S. 39 f.

(*2) ZEIT ONLINE, dpa, pab, 3. Juni 2018: „Ländliche Verbände fordern Maßnahmen gegen Wölfe“, abgerufen am 3.6.2018, hier der Link!


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