Umstrittener Kabinettsbeschluss

Der gestrige Beschluss des Bundeskabinetts sieht u.a. vor, Wölfe künftig leichter abschießen zu können, sofern sie Nutztiere reißen. Die zuständigen Landesbehörden müssten dem allerdings vorher zustimmen. Ein Abschuss von Wölfen soll dem Beschluss nach künftig auch dann möglich sein, wenn nicht klar ist, welches Tier für einen Riss verantwortlich ist. Demzufolge können Wölfe in einer Region so lange geschossen werden, bis es keine Übergriffe mehr gibt – selbst wenn dafür ein ganzes Rudel getötet werden muss.

Diese Regelungen sind außerhalb der Regierungsparteien allerdings höchst umstritten. Bauern-, Jagd- und Schafzuchtverbänden gehen die vorgesehenen Maßnahmen (natürlich) nicht weit genug. Sie hätten am liebsten gleich ganze Landstriche wolfsfrei gehalten und den Wolf in das Jagdrecht gehieft.

Die Umweltverbände BUND, NABU und WWF geht der Regierungsvorschlag laut eines Spiegel-Berichts andererseits zu weit. Nach Rissen “einfach auf Verdacht” das ganze Rudel abzuschießen, könne keine Lösung sein, kommentierte z.B. BUND-Geschäftsführer Olaf Bandt.

Angriffe auf Nutztiere könnten sogar zunehmen, wenn die Rudelstruktur zerstört werde, fremde Wölfe einwanderten oder junge Wölfe ohne Elterntiere Nahrung jagen müssten, so Bandt. (*1)

Bundesumweltministerin Svenja Schulze findet wiederum, es sei ein vernünftiger Interessenausgleich gelungen. Der Gesetzentwurf zur Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes (mit der Ergänzung des Paragraphen 45a “Umgang mit dem Wolf”) schaffe mehr Rechtssicherheit bei der Entnahme von Wölfen, die Weidetiere reißen. (*2)

Für Sachsen-Anhalts Umweltministerin Claudia Dalbert ist das Gesetz jedoch ein „Unding“. Ihrer Meinung nach könne ein individualisiertes Tier entnommen werden, wenn es wiederholt wolfssichere Zäune überwunden habe. Aber es müsse sich eben um ein identifizierten Wolf handeln.

„Ich bin gegen Sippenhaft”, so Dalbert weiter. Wenn das Gesetz so komme, wäre das ein erster Schritt, den strengen europäischen Schutzstatus des Wolfes zu unterlaufen. (*3)

Ein weit bekannter Wolfsexperte postete auf Twitter: …“Geht man halt beim Wolf jetzt wieder Richtung Mittelalter anstatt sich mit modernem Wildtiermanagement zukunftsfähig zu entwickeln?“ (*4)

Was in der derzeitigen Diskussion bisher in auffälliger Weise nahezu ausgeblendet wurde, sind Vergrämungsmaßnahmen, die – Experten zufolge – vor einem Abschuss stattfinden sollten.

Manche Länder, wie zum Beispiel in Skandinavien, leisten sich dafür und für den wirkungsvollen Herdenschutz spezielle Einrichtungen wie zum Beispiel das Swedish Wildlife Damage Centre in Grimsö.

In anderen Ländern, wie etwa in Rumänien, wo etwa 12.000 Wölfe beheimatet sein sollen, versteht man die ganze Aufregung in Deutschland überhaupt nicht.

Der rumänische Schäfer Marius Grai sagte gegenüber dem Deutschlandfunk:

„Der Wolf ist ein effektiver Sanitäter des Waldes. Das sollte man nicht vergessen. Der Wolf schaut sich erst einmal nach den kranken Tieren um und reißt sie. Hier zum Beispiel, in meinem Viertel, haben sich Wildtiere enorm vermehrt. Und der Wolf hält die Zahl der Wildtiere in einem vernünftigen Ausmaß.“

Bürgermeister und Jäger Ion Borduz ergänzt: „Die Schäden, die der Wolf bei uns anrichtet, sind sehr gering. Wir sehen keinen Anlass, an dem Bestand etwas zu ändern. Und denken Sie daran: Die Wölfe sind nützliche Tiere im Gleichgewicht der Natur. Insofern haben wir sogar ein Interesse daran, dass Wölfe in unserer Gegend leben. Sie sind wichtig für das Ökosystem.“

Und deshalb gebe es keinen Anlass, am gesetzlichen Schutz des Wolfes etwas zu ändern – selbst dann nicht, wenn ab und an ein Schaff gerissen werde… (*5)


Quellen (alle abgerufen am 22.5.2019)

(*1) spiegel-online.de: „Neuer Streit über den Abschuss von Wölfen“, hier der Link!

(*2) bmu.de: „Schulze: Neuregelung zum Wolf ist vernünftiger Interessenausgleich zwischen Artenschutz und Weidetierhaltern“, hier der Link!

(*3) mdr.de/sachsen-anhalt: „Umweltministerin Dalbert gegen erleichterten Wolf-Abschuss“, hier der Link!

(*4) twitter.com

(*5) deutschlandfunk.de: „Effektive Sanitäter des Waldes“, hier der Link!


Beitragsfoto: Heiko Anders, www.andersfotografiert.com

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