Harald Welzer: Wirksamkeit als Konjunktiv und in der Praxis…

…”Die im Entstehen begriffene soziale Bewegung zur Transformation der Industriegesellschaft unseren Typs setzt sich aus vielfältigen Communities of practice zusammen. Solargenossenschaften, Gemeinschaftsgärten, Baugruppen, Recyclingbörsen usw. sind sämtlich identitätskonkrete Praxisgruppen, die ihre gemeinsamen Interessen, Absichten und Fähigkeiten in selbstgesetzten Aufgaben bündeln und wirksam werden lassen.

Diese Gruppen sind Wir-Gruppen, in denen spezifische Selbstbilder etabliert werden, die wiederum Handlungsbereitschaft, Mut, Selbstvertrauen, Phantasie freisetzen – weil sie eben Identität sichern und Spaß bereiten, beides Voraussetzungen für Engagement.

Man muss nur einen Augenblick daran denken, dass im Gegensatz dazu Gruppen, die sich auf Austausch und Diskussionen beschränken, in der Regel bei der Formulierung von Konjunktiven landen (“Man sollte, man könnte, man müsste”) und daher hauptsächlich Gefühle von Frustration, Rechthaben und Missmut erzeugen.

Universitäre Gremien, Parteigliederungen und andere Selbsterfahrungsgruppen liefern dazu reiches Anschauungsmaterial.

Communities of practice erzeugen bei ihren Mitgliedern das zutiefst positive Gefühl der Selbstwirksamkeit, ein Gefühl, das sich immer dann einstellt, wenn man etwas bewegt hat.”…


(Zitat aus: Harald Welzer: “Selbst denken – Eine Anleitung zum Widerstand”, S.Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2013, 2. Auflage Februar 2014, Seite 187 f., für weitere Informationen zum Buch klicken Sie bitte auf das nachfolgende Buchcover!)

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