Wir oder der Wolf?

Von einem Wolfsübergriff betroffene Nutztierhalter stellen nicht selten dieselbe Frage: Wir oder der Wolf? Auch Anna und Oliver Levedag stellen sie, wie die „LZ-Online“ gestern nach einem Schafsriss bei ihnen in Vogelsang berichtete. Und dennoch ist die Frage falsch. Es kann nur „sowohl wir als auch der Wolf“ heißen, denn die Beutegreifer werden nie wieder aus unseren Breiten verschwinden.

Und da Wölfe bei ihrer Beute nicht zwischen „erlaubt“ und „unerlaubt“ unterscheiden können, liegt es an den Nutztierhaltern, ihnen das mit angemessenen Herdenschutzmaßnahmen beizubringen.

Zu kritisieren, …“wir als Tierhalter haben weniger Rechte als der Wolf“, hilft da übrigens niemanden. Zum einen, weil es schlichtweg falsch ist und zum anderen, weil es hier vordringlich um Tierhalterpflichten geht und die Argumentation der Levedags damit genauso am Ziel vorbeiführt wie deren Erkenntnis, man setze eigentlich nur das um, was die Umwelt-Politiker immer forderten.

Man spürt aus diesen Worten allerdings, dass da jemand hadert, weil er sich existenziell bedroht fühlt. Die Levedags werden allerdings nicht umhinkommen, aufzurüsten. Und zwar schnell, denn jeder Wolfskenner weiß, dass ein Wolf erfahrungsgemäß zum Ort seines „Erfolges“ zurückkehren wird, sofern er kein wandernder Wolf ist (…die gerade wieder unterwegs sind, um sich ein eigenes Revier zu suchen).

Seit dem Beginn dieses Jahrzehnts haben in Deutschland – laut statistischem Bundesamt – mehr als 30.000 bäuerliche Betriebe aufgegeben. Siemens streicht gerade 3300 Jobs in Deutschland und General Electic 1600, weil man die Energiewende offenbar ernst nimmt und letztlich ebenfalls das tut, …“was die Umwelt-Politiker immer forderten“. Auch die Digitalisierung macht es Abertausenden von Unternehmen in Deutschland schwer, mitzuhalten. Wir werden vermutlich noch viele von ihnen sehen, die an dieser Herausforderung scheitern.

Und trotzdem muss das Scheitern aufgrund einer signifikanten Veränderung im beruflichen Umfeld für die Levedags nicht die zwangsläufige Folge der Wolfsrückkehr sein. Es sei ihnen deshalb anempfohlen, auf die Hinweise und Ratschläge des im Artikel vorgestellten Wolfsberaters Uwe Martens zu hören.

Und da Anna Levedag – wie einem älteren LZ-Artikel zu entnehmen ist – das erste Mal in den Pyrenäen Schafskäse hergestellt hat, könnte dessen Empfehlung vielleicht sogar „Pyrenäenberghunde“ (Chien de Montagne des Pyrénées) lauten. Aber das ist nur geraten….

Just my two cents…

Jürgen Vogler


„Neue Herausforderungen sind wunderbare Gelegenheiten, Neues über sich selbst zu erfahren“.

Ernst Ferstl, österreichischer Lehrer, Dichter und Aphoristiker


Quelle: LZ-Online: „Trotz Vorkehrungen: Tierhalter beklagen Schafriss“ vom 7.12.2017, abgerufen am 7.12.2017, hier der Link!