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Wir oder der Wolf?

Von einem Wolfsübergriff betroffene Nutztierhalter stellen nicht selten dieselbe Frage: Wir oder der Wolf? Auch Anna und Oliver Levedag stellen sie, wie die „LZ-Online“ gestern nach einem Schafsriss bei ihnen in Vogelsang berichtete. Und dennoch ist die Frage falsch. Es kann nur „sowohl wir als auch der Wolf“ heißen, denn die Beutegreifer werden nie wieder aus unseren Breiten verschwinden.

Anti-Wolfs-Tiraden in Südergellersen nach drei Übergriffen in nur einer Woche!

Handelt es sich um ein weiteres „Lehrstück“ der Wolfsrückkehr? Sowohl der Betroffene selbst als auch der Vorsitzende eines Schafzuchtverbandes sehen sich nach dem dritten Übergriff auf eine Schafherde innerhalb von nur einer Woche in Südergellersen veranlasst, Anti-Wolfs-Tiraden zu äußern.

Von einem “Lehrstück” ist auszugehen. Und es ist vordergründig wohl auch der nachvollziehbaren Verzweiflung des Schäfers Gerd Jahnke geschuldet, wenn er sich zu solch unüberlegten Aussagen wie die, dass der Wolf ins Jagdrecht gehöre, hinreißen ließ.

Hessen: Dampfplaudern gegen die Wolfsrückkehr

 „Der Wolf soll bleiben, wo er ist“, fordert Ralf Meisezahl, Schäfer und Beauftragter für große Beutegreifer beim Hessischen Schafzuchtverband laut eines Berichts des „Rhein-Main-Extra-Tipp“ gestern.

Die bisherigen Herdenschutz-Lösungen werden seiner Ansicht nach nicht im Rhein-Main-Gebiet funktionieren. Deshalb gebe es nur einen Ausweg: „Den Wolf wieder zur Bejagung freigeben! Andernfalls sind wir Schäfer die Dummen“, wird er zitiert.

Der Wolf, die Cleavage-Theorie und die Polit-Dinos

Kennen Sie, liebe Leserinnen und Leser, eigentlich die Cleavage-Theorie? Nein? Vielleicht kommt Ihnen aber die Behauptung bekannt vor, dass man in der Stadt grundsätzlich keine Ahnung davon hat, was die Menschen auf dem Lande ernsthaft bewegt?

Die Cleavage-Theorie versucht zu erklären, aus welchen Interessen heraus Menschen bevorzugt bestimmte Parteien wählen.

Wir brauchen keine Wölfe! Wirklich?

Manche neigen dazu, komplexe Dinge auf einfache Formeln zu bringen. Politiker müssen das sogar, da sie ansonsten Gefahr laufen, dass ihre Botschaft nicht von den Medien aufgegriffen wird. Für uns Bürger bleibt gewöhnlich kaum Zeit, die Vielzahl der täglichen Nachrichten und Informationen hinreichend zu durchdenken und zu durchdringen. Dreiminütige Radionachrichten auf dem Weg zur oder von der Arbeit müssen zuweilen ausreichen, damit wir uns ausreichend informiert fühlen. Deshalb haben wir uns angewöhnt, die einfachen „Formeln“, die uns medial präsentiert werden und einer gewissen Logik nicht entbehren, kritiklos zu übernehmen. Im Ergebnis sind die Dinge dann oft gut oder schlecht, richtig oder falsch, schwarz oder weiß.

Wer schon einmal an einer Informationsveranstaltung zum Thema Wölfe teilgenommen hat oder auch nur die Presseberichterstattung darüber verfolgt, dem dürfte aufgefallen sein, dass sich meistens irgendwann jemand mit der Frage zu Wort meldet,

Wer akzeptiert Wölfe – und wer nicht?

In den letzten 10 Jahren gab es nur wenige Umfragen über die Akzeptanz der Wölfe in der Bevölkerung. Im Jahr 2006 erarbeitete Dr. Petra Kaczensky eine Studie über die Medienpräsenz der Wölfe, in der sie auch diese Frage aufgriff (hier der Link), in der Naturbewusstseinsstudie 2013 des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit war der Wolf ebenfalls ein Thema (hier ein Link). Auch eine repräsentative Umfrage des WWF im Jahr 2014, die vom Marktforschungsinstitut YouGov vorgenommen wurde, bestätigte, dass Deutschland eine überwiegend wolfsfreundliche Nation ist. Demnach freuen sich rund 71 Prozent der Deutschen über die Wolfsrückkehr und nur 15 Prozent der 1030 befragten Personen stehen Wölfen kritisch gegenüber (hier der Link).
Im Rahmen einer Maturaarbeit an der Kantonsschule am Burggraben in St. Gallen (Schweiz) beschäftigte sich nun Clara Zimmermann in einer Online-Umfrage mit der Haltung der heimischen Bevölkerung im Einzugsgebiet des ersten Wolfsrudels der Schweiz – den „Calanda-Wölfen“ – zum Wolf. Immerhin 635 Personen nahmen an der Umfrage teil.