Untergeschoben: Wie Lückenpresse wirkt…

Ich bin immer wieder erstaunt, was moderner Journalismus (sich) heute alles so leistet: In der Prignitz (Brandenburg) wurden jetzt in einem Damwildgatter bei Bad Wilsnack mehrere „Stücke“ Damwild gerissen. Ob von einem Hund oder einem Wolf, ist bis heute völlig unklar.

Die darüber berichtende Märkische Allgemeine (MAZ) verliert bezeichnenderweise kein einziges Wort darüber, ob und wie die Tiere eigentlich geschützt waren.

Ohne diese Informationen wird dem Leser allerdings keine Gelegenheit gegeben, sich selbst ein einigermaßen vollständiges Bild davon zu machen, wie „pikant“ die Meldung tatsächlich ist. (*1)

Statt dem eigentlichen Medienauftrag nachzugehen und eine gänzliche und vorurteilsfreie Berichterstattung anzustreben, versucht die MAZ in diesem Fall sogar noch erkennbar, die Bewertung des Vorfalls für den Leser vorwegzunehmen.

Ihr zufolge bietet das Ereignis bei Bad Wisnack nämlich…“wieder Argumente für all jene, die sich gegen eine weitere Ausbreitung der Population aussprechen”.

Allerdings ist es zuerst einmal die Zeitung selbst, die den Leserinnen und Lesern diese Argumente durch ihr erkennbares Versäumnis quasi durch die Hintertür „unterschiebt“.

Am Ende bietet die MAZ den eigenen „Kunden“ mit diesem manipulativen „Meisterstück“ allerdings ein profundes Argument dafür, sich besser einem Medium zuzuwenden, das seine Leser nicht bevormundet und seinen medialen Auftrag wirklich ernst nimmt, indem es ausgewogen, vollständig und neutral berichtet, anstatt wie hier ohne jeglichen Beweis Meinung „zu machen“.


“Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört, es müsse sich dabei doch auch was denken lassen.”

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)


P.S.: Wikipedia offenbart: Die MAZ verlor in den letzten zwanzig Jahren mehr als 50% ihrer Auflage und gehört damit zu den deutschen Tageszeitungen mit den größten Auflagenverlusten.


Quellen (abgerufen am 8.7.2018):

(*1) MAZonline.de am 08.07.2018: „Wölfe wildern offenbar in Damwildgatter“, hier der Link!


Beitragsfoto: Heiko Anders, www.andersfotografiert.com

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