Eindeutige Ignoranz, Märchenstunde oder das „Peter-Prinzip“?

Wohl so ziemlich jeder kann bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufsteigen, besagt das sogenannte „Peter-Prinzip“, an das ich mich merkwürdigerweise spontan erinnerte, als ich letzten Freitag eine Stellungnahme der Geschäftsführerin des Landesverbandes Schleswig-Holsteinischer Schaf- und Ziegenzüchter gegenüber den Lübecker Nachrichten (LN) zur Wolfsrückkehr las:

„…Im Moment gebe es keine Lösung, die Schafe und Wölfe nebeneinander existieren lasse. „Wenn sich der Wolf im Norden weiter ausdehnt, geht die Schaf- und Ziegenzucht kaputt“,  wird Janine Bruser von der Zeitung zitiert. (*1)

Weiter ist zu lesen, sie ärgere sich außerdem über die Ansichten so mancher Naturschützer zu den Ausgleichzahlungen.

Dass sich nun allerdings vielleicht Menschen über Janine Brusers ärgern, scheint sie selbst unbekümmert in Kauf zu nehmen.

Warum? Lösungsvorschläge, wie Schafe und Wölfe nebeneinander existieren können, gibt es nicht erst, seit Wölfe wieder nach Deutschland zurückgekehrt sind. Man braucht nur einmal den Blick gen Osten oder nach Südwesteuropa zu richten. Da waren Wölfe nie ausgestorben und deshalb wirksame Herdenschutzmethoden immer gegenwärtig.

Außerdem konnte mir bis heute auch niemand erklären, warum gerade die Deichschäfer im Vergleich zum Beispiel zu den Wanderschäfern einer besonderen Herausforderung beim Herdenschutz unterliegen sollen. Gerade die baum- und strauchlosen Deiche dürften hier sogar gewisse Vorteile für eine angemessene Zäunung bieten.

Überdies fällt es mir schwer zu glauben, dass ausgerechnet die Wölfe der Grund dafür sein werden, dass die Schaf- und Ziegenzucht – wie es Janine Bruser behauptet  – „kaputt geht“. Der Berufszweig hat – das ist bekannt – zwar ernsthafte, aber letztlich ganz andere Probleme. Deshalb halte ich auch diese Aussage Brusers für ausgemachten Humbug.

Sollte es an dieser Stelle so aussehen, als hätte ich etwas gegen die Schafhaltung, bzw. das Schäfereiwesen, dann möchte ich klarstellen: Das ist nicht so! Im Gegenteil.

Ich finde es nur langsam unerträglich, mir ständig erneut die Leier von „ist nicht machbar“ anhören zu müssen.

Weil das einfach nicht stimmt! Die einzig relevante und zeitgemäße Frage lautet: Wie ist das Nebeneinander von Wölfen und Nutztieren mit möglichst wenig Aufwand gestaltbar und zu welchen Bedingungen?

Janine Bruser Worte klingen auf mich deshalb nach eindeutiger Ignoranz oder eben nach der Wirkungsweise des Peter-Prinzips.

Meine Meinung: Wer nicht in der Lage zu sein scheint, auf gesellschaftliche Herausforderungen ehrlich nach angemessenen und tragfähigen Lösungen zu suchen, sondern sich stattdessen unverfroren mit fadenscheinigen Argumenten als „Bremsklotz“ erweist, ruiniert im Zweifel nicht nur den Ruf des eigenen Berufszweiges, er setzt auch dessen Zukunftsfähigkeit leichtfertig aufs Spiel und hat außerdem die Chance verpasst, in der weiteren Diskussion überhaupt ernst genommen zu werden.

Denn mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit steht bereits heute fest, also bevor sich das erste Wolfsrudel in Schleswig Holstein niederlässt: Es wird auch dort in naher Zukunft Rudel geben, denn die Wölfe wird man nicht erneut ausrotten.

Deshalb bedarf es ehrlicher Diskussionsansätze und keiner publikumswirksamen Märchenstunden.

Zusätzlich ärgerlich: So wie in dem Beitrag formuliert, wird der Begriff „Naturschützer“ nahezu als Schimpfwort verwendet, zumindest wird diese Personengruppe jedoch als persönlicher „Sündenbock“ von Janine Bruser erkennbar. Warum eigentlich eine solch kurzsichtige Polarisierung von dieser Dame?

Immerhin gibt es zahlenmäßig wesentlich mehr Naturschützer als Schafzüchter. Und die meisten Schafhalter, die ich kenne, haben außerdem das Selbstverständnis, selbst aktive Naturschützer zu sein…

Verstehen Sie – liebe Leserinnen und Leser – vielleicht jetzt, warum ich bei der Lektüre des LN-Artikels spontan auch an das Peter-Prinzip erinnert wurde?

Quelle: (*1) Lübecker Nachrichten Online – LN-Online, www.t.in-online.de, Artikel von Reinhard Zweigler am 23.9.2016: „Wölfe im Norden auf Vormarsch – droht Schafzüchtern das Aus?“, abgerufen am 26.9.2016, hier der Link!

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