Thüringen: Das meinungsbildende Maislabyrinth

Was sich einer mühsam aufbaut, reißt ein anderer unter Umständen mit dem „Ar…“ wieder ein. Mancher merkt nicht einmal, in welche Widersprüche er sich dabei verstrickt.

Gemeint ist das Image unserer Landwirtschaft, das zuletzt häufig in der öffentlichen Kritik stand.

Die Reaktion der einschlägigen Verbände darauf: Man versucht vor den Kulissen mit Imagekampagnen dagegen zu halten, während man hinter den Kulissen weiter kräftig politisch um Gülle, Gentechnik und Glyphosat streitet.

Und nun auch das noch: Ein landwirtschaftlicher Familienbetrieb aus Oettersdorf in Thüringen, der nach den Angaben von Petra Hirsch, die sich für die Webseite des Labyrinths verantwortlich zeigt, hauptsächlich im Pflanzenbau tätig ist und „eine Familie mit vier Generationen ernährt“, präsentiert ein Maislabyrinth. Sogar eine Webseite gibt es darüber. (*1)

Was auf dem ersten Blick wie ein lustiges Freizeit- und Familienvergnügen aussieht, weist auf dem zweiten Blick eine nicht unumstrittene Botschaft auf: Aus der Vogelperspektive erkennt man einzelne Bildmotive und die drei Worte „Wolf, Nein, Danke“.

Nun wird selbst in manchen Bauernverbands-Blättern nicht gerade anerkennungsvoll über Wolfsbefürworter geschrieben, obwohl sich 80 % der Bevölkerung selbst als Wolfsfreunde bezeichnen.

Sie seien angeblich lebensferne Stadtmenschen, von der Natur entfremdete Städter, zumindest aber anders geartet.

Was soviel bedeutet wie: Die Städter hätten überhaupt keine Ahnung von dem, was sich auf dem Lande so abspielt.

Aber: Die überwiegende Mehrheit der in städtischen Ballungsgebieten lebenden Deutschen – und das sind immerhin rund 70 Prozent der gesamten Bevölkerung – steht dem nicht gleichgültig gegenüber, was sich auf dem Lande so abspielt.

Vielen von ihnen ist sogar sehr wichtig, was von dort so „auf den Tisch kommt“.

Sie verstehen die Landwirtschaft als wichtigen, regionalen Marktakteur oder sogar als Partner, dessen KUNDE man letztlich ist.

Vielleicht reagieren viele Menschen aus der Stadt deshalb etwas „verschnupft“ darauf, wenn einige dieser Interessensvertreter vom Lande sich mal wieder einseitig, abwertend oder belustigend über sie öffentlich äußern oder die „Kundenwünsche“ – gerade auch in ökologischer Hinsicht beim Tier-, Arten- und Pflanzenschutz – nicht ernst nehmen.

Auch Petra Hirsch dürfte sich irren, wenn sie denkt, sie ernähre mit ihrem Hof „nur“ eine Familie mit vier Generationen. Sie produziert – direkt oder indirekt – Lebensmittel und trägt somit vermutlich auch zur Ernährung des einen oder anderen Wolfsfreundes bei.

Das mag sie vielleicht bei allem Aktionismus vergessen haben, aber: Nichts weist meines Wissens die Familie Hirsch glaubhaft als für das Thema Wolf qualifizierte Ansprechpartner aus.

Und deshalb sollte sich die Familie auch nicht wundern, wenn viele zahlende Besucher der Botschaft, die unter dem Motto „Wolf, Nein, Danke“ steht und die in etwa lauten dürfte, man habe ein Problem mit dem Schutzstatus der Wölfe, nur skeptisch lauschen…

Denn Wölfe gibt es in Thüringen bis heute nur wenige… .

Herzlichst

Ihr

Jürgen Vogler

Quelle: (*1) Hirschs Maislabyrinth, www.hirschsmaislabyrinth.de, hier der Link!

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