Landwirte in Brandenburg zählen Wolfsangriffe nun selber

Die Landwirte des Landesbauernverbandes in Brandenburg zählen künftig die Wolfsübergriffe auf ihre Nutztiere selber. Viele von ihnen melden scheinbar schon länger ihre durch Wölfe verursachten Verluste nicht mehr, der Entschädigungsweg sei ihnen zu bürokratisch.

So ist es seit dem 8. August auf der Webseite „rbb-online“ zu lesen, hier der Link!

Der zweite Bauernverband in Brandenburg, der Bauernbund, hatte seine Mitarbeit beim Wolfsmanagement bereits vorher gekündigt, weil er sich mit seiner Forderung nach einer Begrenzung der Wolfspopulation nicht durchsetzen konnte. 

Nach Einschätzung Wolfsmonitors steht zu befürchten, dass damit nun auch der Landesbauernverband leichtfertig einen Teil seiner Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit verspielt, zum einen, was die künftige Zahl an Wolfsübergriffen betrifft, zum anderen, was den gewählten Weg zum erwünschten Ziel betrifft.

Oft kann nur ein DNA-Test den Nachweis erbringen, ob tatsächlich ein Wolf der Verursacher eines Übergriffs auf ein Nutztier war. Nicht selten sind nämlich freilaufende Hunde dafür verantwortlich.

Diesbezüglich selbst ermittelte Zahlen des Landesbauernverbandes in Brandenburg dürften künftig deshalb eher für Verwirrung als für Aufklärung sorgen, da sie vermutlich höher als bisher ausfallen werden. Ihre Aussagekraft dürfte folglich stark angezweifelt werden. Und das wäre sogar seriös!

Die für das Wolfsmanagement Verantwortlichen in Brandenburg dürften die künftigen Zahlen des Verbandes ebenfalls als weitestgehend unpräzise einschätzen, da sie dem in Deutschland üblichen Monitoring-Standard bestenfalls als C3-Nachweis entsprechen können. Das bedeutet nichts anderes, als dass sie mangels Aussagekraft nicht als Nachweise für Wölfe, sondern nur als Hinweise auf mögliche Wolfsvorkommen zugelassen werden.

Fazit: Vor dem Hintergrund betrachtet, dass viele Landwirte und Bauern in anderen Teilen der Republik eifrig um das allgemeine Image der Landwirtschaft und um jeden Zipfel ihrer Glaubwürdigkeit beim Verbraucher kämpfen, irritiert dieser Schritt des Brandenburger Bauernverbandes. Denn er wirkt trotzig, infantil und vor dem Hintergrund der tatsächlichen Problemlage in der Landwirtschaft auch unangemessen, nicht zuletzt, weil er auf einige wie der unseriöse Versuch einer Nötigung zum Handeln öffentlicher Einrichtungen wirken muss.

Verwirrend ist für mich darüber hinaus am Ende desselben rbb-Artikels eine Aussage von NABU-Vertreterin Christiane Schröder. Ihrer Ansicht nach „müssten Bereiche festgelegt werden, in denen man die Tiere (Anm. d.R. gemeint sind Wölfe) mit unscharfer Munition verjagt“…

Ist mir da in der allgemeinen Diskussion etwas entgangen?

Herzlichst

Ihr

Jürgen Vogler

(Quelle: rbb24, www.rbb-online.de, Artikel vom 8.8.2016: „Landesbauernverband: zu viel Bürokratie Viele Landwirte melden Schäden durch Wölfe nicht mehr“, abgerufen am 10.8.2016, hier der Link!)

Beitragsfoto: Heiko Anders, www.andersfotografiert.com

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