Zwei Wolfsrudel verunsichern Rottstocker

Journalistische Berichte, in denen Nutztierhalter kurz nach Nutztierrissen in der eigenen Herde im Stadium der persönlichen Betroffenheit öffentlich zu Wort kommen, haben meistens eine merkwürdige Qualität. Die veröffentlichten Statements spiegeln oft hoch emotionale und – was die Rolle der Wölfe betrifft – neigungsbezogene Einschätzungen der jeweiligen Situation wider, was dann manchmal wie eine Verzerrung der Realität wirkt.

Gleich zwei Wolfsrudel, das Altengrabower Rudel und das Görzke-Rudel, machten Rottstock unsicher, schrieb nun zum Beispiel Frank Bürstenbinder in der Märkischen Allgemeinen, einer weit verbreiteten Zeitung in Brandenburg. Hätte es nicht vielleicht eher (und unverzerrt) heißen müssen „Zwei Wolfsrudel verunsichern die Rottstocker?“ Aber das nur am Rande.

Den weiter unten verlinkten Zeitungsartikel lesen Sie, liebe Leserinnen und Leser, bitte unter Beachtung folgender Anmerkungen:

  • Dexter-Rinder sind Klein(st)rinder mit einer Kreuzbeinhöhe von rund einem Meter (plus/minus 10%) und haben eine Größe von etwa einem Drittel einer Holstein-Friesen-Milchkuh (laut Wikipedia).
  • Rinderzüchter Stefan Leues Vorschlag, Truppenübungsplätze einzuzäunen, statt Weiden in „Hochsicherheitstrakte“ zu verwandeln, ist meiner Einschätzung nach eine dieser irrealen Aussagen, die jemand gewöhnlich nur im akuten Stadium der persönlichen Betroffenheit äußert.
  • Auch die Einschätzungen des Rottstocker Jägers Heiko Wallbaum, der seit zwölf Jahren Revierpächter in Görzke ist, zeugen nicht gerade von objektiver Sachkenntnis. Sein Eindruck, das Wild sei „einfach nicht mehr da“, mag tatsächlich für sein eigenes Revier zutreffen. Aller Erfahrung nach dürfte es sich nun jedoch in einem (Nachbar-) Revier aufhalten, das vor dem Hintergrund der Anwesenheit der Wölfe einen günstigeren Lebensraum und bessere Überlebenschancen bietet. Die Vorhersage Wallbaums, dass sich die Wolfsübergriffe auf Nutztiere deutlich verstärken werden, wenn die Entwicklung so weitergehe, ist erst einmal nichts anderes als eine laienhafte, zumindest aber polemisch formulierte Vermutung.

Insofern ist meine Einschätzung vielleicht nicht ganz unbegründet, wenn ich mich mit der überzogenen Formulierung Bürstenbinders, gleich zwei Wolfsrudel machten Rottstock unsicher, nicht wirklich anfreunden kann. Zwei Wolfsrudel verunsichern die Rottstocker, passt da meines Erachtens besser, oder?

Den Artikel der Märkischen Allgemeinen finden Sie unter Nutzung dieses Links!


Quelle: Märkische Allgemeinen, www.maz-online.de, Artikel von Frank Bürstenbinder am 21.10.2016: „Zwei Rudel nehmen Rottstock in die Zange“, abgerufen am 21.10.2016, hier der Link!

Beitragsfoto: Heiko Anders, www.andersfotografiert.com

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