Kriegt Bremens Jägervize wegen des „Morgengrauen“ die Krise?

„Für Abschuss-Fantasien einzelner Jäger gibt es derzeit überhaupt keinen Anlass“, reagiert die Bürgerschaftsfraktion der GRÜNEN in Bremen im Rahmen einer Pressemitteilung auf die augenscheinlich etwas „überzogenen Kapriolen“ des LJB-Vizepräsidenten Marcus Henke.

Der sah nach Angaben des Weser Kuriers in dem kürzlich in Bremen Borgfeld gesichteten Wolf (der „Morgengraue“, hier!) nicht nur ein Exemplar, das offenbar die Scheu verloren hat (*1), sondern sich auch dazu veranlasst, die Laufstrecke des Tieres genauso minutiös wie medienwirksam nachzuzeichnen, um daraus einen dringenden Handlungsbedarf abzuleiten, auf den nun mit einer „Krisensitzung“ reagiert werden soll.

„Wir brauchen in Bremen politische Entscheidungen über Regulierungsinstrumente, Ansprechpartner, Entscheider und Kommunikationskanäle, bevor etwas ins Auge geht. Aktuell haben wir nur Glück gehabt“, äußerte Henke gegenüber dem Weser Kurier. (*2)

Klingt für Sie, liebe Leserinnen und Leser, als quasi bereits erfahrene Beobachter des Wolfsgeschehens in Deutschland, weit überzogen und allein deshalb amüsant?

Vielleicht erleben wir hier aber auch gerade an einem anschaulichen Beispiel nur, warum man nicht jeden „vorpreschenden Waidwerker“ auch gleichsam als wirklichen „Wolfsversteher“ ansehen sollte…


Die Pressemeldung der Bürgerschaftsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN von gestern (6.2.) im Wortlaut:

„Mögliche Wolf-Sichtung: Sachlichkeit statt Panikmache“

„Die Grünen-Fraktion warnt angesichts eines möglichen Wolfes, der für kurze Zeit am Rande eines Siedlungsbereiches in Borgfeld gesichtet worden ist, vor völlig überzogenen Reaktionen.

Eine Abschussgenehmigung, wie sie die Landesjägerschaft fordert, lehnen die Grünen als völlig überzogen ab. Nicht Panikmache, sondern Sachlichkeit ist das Gebot der Stunde.

Dazu erklärt der tierschutz- und agrarpolitische Sprecher Jan Saffe: „Der Wolf ist eine streng geschützte Tierart. Sein Auftauchen führt zu Sorgen in der Bevölkerung und bei Landwirten, die das Reißen von Nutztieren befürchten.

Wir nehmen diese Sorgen ernst. Es ist ein richtiger Schritt des Umweltressorts, vorsorglich die Kooperation mit Niedersachsen zu suchen und das dort vorhandene Know-how zu nutzen. Das gilt insbesondere für die Beratung von Landwirten, die über Präventionsmaßnahmen aufgeklärt werden müssen.

Für uns ist klar: Sollte sich ein Wolf hier tatsächlich ansiedeln, muss es für gerissene Nutztiere eine Ausgleichzahlung geben. Der Wolf ist eine heimische Tierart, die sich nach ihrer Ausrottung langsam wieder ansiedelt. Das ist eine positive Entwicklung.

Der mögliche Wolf, der in Borgfeld an einem Siedlungsbereich vorbeigelaufen ist, hat sich nicht auffällig oder aggressiv verhalten. Für Abschuss-Fantasien einzelner Jäger gibt es derzeit überhaupt keinen Anlass. Nach allen bisherigen Erkenntnissen können Menschen und Wölfe gut in friedlicher Koexistenz leben.

Den typisch bösen Wolf gibt es nur im Märchen. Selbstverständlich hat die Sicherheit der Menschen höchste Priorität. Wenn ein Wolf verhaltensauffällig wird, kann er der Natur entnommen werden. Darauf deutet beim kurzzeitig gesichteten Exemplar in Borgfeld aber nichts hin.“


Quellen:

(*1) Weser Kurier, www.weser-kurier.de, Pascal Faltermann am 30.01.2017: „Wolf in Bremen Borgfeld gesichtet“, abgerufen am 7.2.2017, hier der Link!

(*2) Weser Kurier, www.weser-kurier.de, Kristin Hermann  am 5.2.2017: „Der Weg des Wolfes durch Bremen“, abgerufen am 7.2.2017, hier der Link!

(*3) BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN, Bürgerschaft Bremen: Pressemitteilung vom 6.2.2017: „Mögliche Wolf-Sichtung: Sachlichkeit statt Panikmache“, abgerufen am 7.2.2017, hier der Link!

 

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