Ein Gespräch mit Wolfcenter-Betreiber Frank Faß

Manchmal fragt man sich ja, ob ein Mensch im wahren Leben tatsächlich so ist, wie man ihn aus den Medien kennt. Aber nur selten hat man dann die Gelegenheit, diese  quasi „vorgefilterten“ Eindrücke persönlich zu überprüfen. Ich erhielt nun zu meiner Freude diese Gelegenheit bei Wolfcenter-Betreiber Frank Faß.

Zuerst einmal: Sein Entschluss und sein Mut, mit seiner Frau nach amerikanischem Vorbild ein solches Großprojekt wie das Wolfcenter zu starten, verlangen mir persönlich großen Respekt ab!

Dennoch: Mehrere Male habe ich bereits etwas über ihn auf Wolfsmonitor geschrieben und ihn dabei auch kritisiert. Denn nicht immer war ich einverstanden mit dem, was ich in den Medien über ihn las.

Kann man sich als Leser aber eigentlich sicher sein, dass jemand von den Medien immer richtig verstanden und zitiert wurde? Um das herauszufinden, hat man letztlich nur eine Chance: Mit ihm zu reden statt über ihn!

Frank Faß lud mich auf Empfehlung von Stefan Gofferje, der uns beide kennt und das Treffen vorschlug, nach Dörverden ein. Ich nahm die Einladung sehr gerne an.

Wir hatten uns für den gemeinsamen Termin kein zeitliches Limit gesetzt und vier Stunden Gesprächszeit vergingen daraufhin wie im Flug. Mein Eindruck: Wir hätten problemlos noch vier weitere Stunden dranhängen können, die Themen rund um die deutschen Wölfe wären uns nicht ausgegangen  – wäre da nicht noch ein Folgetermin gewesen, zu dem ich irgendwann aufbrechen musste…

Ich bin immer noch überwältigt von der Informationsdichte und dem Qualitätsniveau unseres Gesprächs. Stefan hatte mit seiner Einschätzung, dass wir uns bestimmt ganz gut verstehen würden, vollkommen Recht. Er kennt uns halt beide.

Es macht einfach Spaß, mit jemanden zu diskutieren, der über entsprechendes Wissen verfügt, auch wenn man hier oder da anderer Meinung ist!

Mein bis dahin wohl größter Irrtum über Frank Fass ließ sich außerdem schnell ausräumen. Beschämt stellte ich nämlich fest, dass ich mich bisher zu oberflächlich mit seinen Thesen, die teilweise auf mich widersprüchlich wirkten, befasst hatte.

Um das einmal deutlich klarzustellen: Frank Faß befürwortet die mögliche Bejagung der Wölfe in Deutschland NICHT. Im Gegenteil!

Er befürchtet allerdings, dass es irgendwann durchaus einmal so weit kommen KÖNNTE. Und nur deshalb wagt er, diese Option einmal gedanklich zu Ende zu denken, um dann jedoch festzustellen, dass eine Bejagung in Deutschland auf der Grundlage der hier gültigen Jagd- und Naturschutzgesetze sowie des vorhandenen Jagd- und Reviersystems nur sehr schwer umzusetzen ist. Das legt er bei genauem Hinsehen auch genauso auf der Webseite des Wolfscenters dar.

An dieser Stelle sind wir grundsätzlich wieder einer Meinung, vielleicht mit dem Unterschied, dass ich als weiteres mögliches Szenario unterstelle, dass eine Bejagung der Wölfe gegebenenfalls sogar überflüssig ist. Die Begründung dafür bietet seit wenigen Tagen sehr anschaulich die neue Broschüre der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe e.V. „Wolfs-Wissen-kompakt“ (hier der Link!) auf den Seiten 18-22!

Danke liebe GzSdW dafür, dass ich künftig einfach dahin verweisen und mir so viele Zeilen mühsamer Erklärungen ersparen kann!

Diskussionsvorschläge

Frank Faß und ich spekulieren auf unseren jeweiligen Webseiten beide öffentlich darüber, wie ein funktionierendes Nebeneinander von Wolf und Mensch in Deutschland unserer bescheidenen Meinung nach überhaupt funktionieren kann.

Unsere gedanklichen Szenarien laufen dabei jedoch – wie bereits oben erkennbar – etwas auseinander. Wobei Frank Faß eigentlich genau das macht, was einige andere auch tun, nämlich die Bejagung der Wölfe als Szenario irgendwann in der Zukunft nach dem Erreichen des so genannten „günstigen Erhaltungszustandes“ (plus eines ausreichenden „Sicherheitszuschlags“) gedanklich zuzulassen.

Ich verneine das und schlage vor, die großen Beutegreifer in Deutschland einer gesonderten Betrachtung zu unterziehen und für sie eine verantwortliche Stelle (vergleichbar beispielsweise mit dem DBBW*1) einzurichten, die sich mit allen Fragestellungen des Wolfs-, Luchs- und vielleicht auch Bärenmanagements bis hin zur notwendigen Entnahme einzelner auffälliger Tiere befasst.

Beide Szenarien sind selbstverständlich nur Gedankenspiele. Unverbindliche Diskussionsvorschläge ohne jegliche Gewähr!

Einige dieser hier nur grob umrissenen Gedankengänge werden wir in nächster Zeit hier auf Wolfsmonitor im Rahmen einiger Interviews der „Gattung“ …“3 Antworten von Frank Faß“ näher vorstellen und aufschlüsseln, um auch Sie, liebe Leserinnen und Leser  – soweit Sie mögen  – daran teilhaben zu lassen.

Wir haben uns außerdem vorgenommen, im Gespräch zu bleiben und  – wo nötig – weiter zu diskutieren. Und bevor ich künftig Gedrucktes über ihn öffentlich kommentiere, werde ich im Zweifel zuerst einmal bei ihm persönlich nachfragen, wenn ich den Verdacht hege, er könnte nicht korrekt zitiert worden sein. Wir haben festgestellt, dass dies bisher nämlich manchmal in der Tat der Fall war.

Mein besonderer Dank gilt Stefan für den Impuls zu diesem Gespräch! Bei Frank Faß bedanke ich mich für die Bereitschaft und die Geduld, mit mir gemeinsam so intensiv über unsere Wölfe in Deutschland zu philosophieren!

Herzlichst

Jürgen Vogler

(*1 DBBW = Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes für den Wolf)

 

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