„Kurti“ auffällig unauffällig!

Der schwedische Vergrämungsexperte Jens Karlsson vom „Swedish Wildlife Damage Centre“ war in den letzten drei Tagen auf der Fährte des vermeintlich verhaltensauffälligen Wolfes mit der wissenschaftlichen Bezeichnung MT06, wie der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel am Montagabend in Reinsehlen bei Schneverdingen im Beisein des Experten berichtete (*1).


Das Ergebnis: Der Wolf verhielt sich auffällig unauffällig und „überraschend scheu“. Er ließ Karlsson meistens nicht näher als 200 Meter an sich heran. Die Entfernung war letztlich zu groß gewesen, um außer einigen Zurufen wirksame Vergrämungsmaßnahmen durchzuführen.

Interessant ist die Vermutung, dass „Kurti“, wie Wolfsfreunde ihn nennen, dabei sogar in Begleitung eines zweiten Wolfes gewesen sein soll.

Das veranlasst mich nun zu einigen Mutmaßungen: Entweder ist er bei der Partnersuche erfolgreich gewesen und im Begriff, sein eigenes Rudel zu gründen. Oder er ist in Begleitung des zweiten besenderten Wolfes aus Munster, der Fähe FT10. Eine weitere Alternative wäre, dass der zweite Wolf ein anderes Mitglied aus dem Munsteraner Familienverband oder ein zugelaufener männlicher Wanderwolf aus einem anderen Rudel ist.

Sollte er nun bei der Partnersuche erfolgreich gewesen sein, verbittet sich eigentlich die Überlegung der abschließenden „Entnahme“, da die Ranzzeit der Wölfe nun fast vorbei ist und sich unter Umständen bereits Nachwuchs ankündigt. Und wer will schon ernsthaft die Verantwortung dafür übernehmen, einen künftigen Familienverband auseinanderzureißen und dabei das Leben des Nachwuchses zu riskieren?

Sollte MT06 in Begleitung der jungen Fähe FT10 sein, wird die Sachlage deutlich komplizierter. Warum, beantwortete Klaus Bullerjahn bereits gestern in seiner Kolumne hier auf Wolfsmonitor (hier der Link!).

Sollte der zweite Wolf allerdings ein anderes Mitglied des ursprünglichen Familienverbandes aus Munster oder gar ein zugelaufener Wanderwolf aus einem gänzlich anderen Revier sein, könnten die Vergrämungsversuche fortgesetzt werden. Jedoch nicht mehr von Karlsson, der bei seinen Aktionen keinerlei Auffälligkeiten beim Wolf feststellen konnte. Für ihn ist der Job vorerst erledigt.

Einen ersten Hinweis darauf, wer „Kurti“ begleitet, dürften die Orte geben, an denen beide Wölfe lokalisiert wurden. Befinden sich die Aufenthaltsorte noch im üblichen Streifgebiet des Munsteraner Rudels, ist das ein Indikator dafür, dass „Kurti“ entweder von der Fähe FT10 oder einem anderen Mitglied des Munsteraner Rudels begleitet wird.

Liegen die Orte in der Nachbarregion des Munsteraner Rudels oder noch weiter entfernt, dürfte das für einen Hinweis auf die alsbaldige Gründung einer eigenen Familie sprechen.

Natürlich sind das nur Spekulationen, denn – das zeigen sowohl die Literatur als auch die Erfahrung – Wölfe sind immer wieder für Überraschungen gut!

Den oder die konkreten Aufenthaltsorte aber, da bin ich mir sicher, werden uns die Verantwortlichen vorerst nicht verraten. Und das ist auch gut so.

Herzlichst
Ihr
Jürgen Vogler

Quelle: (*1) NDR, www.ndr.de, Artikel „Wolfsexperte spürt zudringlichen Wolf auf“ vom 07.03.2016, abgerufen am 08.03.2016, hier der Link!

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