Wieder einmal: Wölfe für den Untergang des Abendlandes verantwortlich…

Fast regelmäßig prophezeien einige Interessenverbände der Landwirtschaft nicht weniger als den Untergang des Abendlandes. Zuletzt wurde er mit den geringen Schweine- und Milchpreisen begründet, jetzt sind offenbar die Wölfe daran Schuld.

Und fast immer ist dasselbe Muster erkennbar: Nicht eine Spur des Willens zur konstruktiven Zusammenarbeit ist seitens der Bauernorganisationen in deren Pressemeldungen zu finden, sondern fast immer überbordendes Selbstmitleid und pure Ablehnung. Dabei müssten folgende Umstände eigentlich immer deutlicher werden:

  1. Die Wölfe sind da und werden bleiben, denn nichts deutet darauf hin, dass man sie wieder ausrotten wird. Deshalb kommt man nicht umhin, sich konstruktiv mit wirksamen Herdenschutzlösungen zu beschäftigen.
  2. Die wirklich großen Herausforderungen der modernen Landwirtschaft liegen außerdem ganz woanders, z.B. (hier!) (*1)
  3. Insofern mag es für Uneinsichtige tatsächlich um viel gehen, es geht aber sicher nicht um das vielbeschworene Aus für die Weidehaltung im Norden Niedersachsens.

Und deshalb muss sich auch Jan Heusmann vom Landvolkkreisverband Wesermünde den Vorwurf gefallen lassen, hier bisher kaum einen konstruktiven Beitrag zu leisten.

Das Image der Bauern in der Bevölkerung gilt bereits als stark strapaziert. Und die Landbevölkerung ist bereits seit geraumer Zeit auf der Suche nach den Ursachen hierfür. Vermutlich gibt es nicht DIE Ursache, sondern viele kleine Anlässe, die den Ruf einer ganzen Branche nachhaltig schädigen.

Was nützen zum Beispiel die schönsten Marketingaktionen der Verbände, die das angeschlagene Image polieren sollen, wenn – wie eine Umfrage ergab – zwar 80% der Bevölkerung die Rückkehr der Wölfe nach Deutschland unterstützen, man als Bauer aber genau darin den Untergang des Abendlandes begründet sieht? Oder das zumindest so kommuniziert?

Da wird dann wieder die unsympathische und egozentrische Seite der Imagebemühten für jeden sichtbar. Als Nebenwirkung wird so schnell jegliche Marketingaktion ad absurdum geführt, das Glaubwürdigkeitsproblem wird größer, nicht geringer.

Extrempositionen – wie auch immer geartet – scheinen zwar gerade überall wieder in Mode zu kommen, sind aber überflüssig wie ein weiteres Loch im Kopf.

Vor diesem Hintergrund prüfen Sie, liebe Leserinnen und Leser, nachfolgende Pressemeldung bitte einmal auf ihren tatsächlichen Charakter: (*2)

„Wolf versetzt Weidetierhalter in Schrecken“

07. November 2016 – (LPD 86/2016)

„Zu viele Tierhalter haben nach Mitteilung des Landvolk-Pressedienstes bereits grausame Erfahrungen mit dem erfolgreich nach Niedersachsen zurückgekehrten Wolf machen müssen, in jüngster Zeit trifft es die Rinderhalter an der Küste. „Unsere Tierhalter sind hochgradig alarmiert, nachdem ein amtlich bekanntes Rudel wiederholt Rinder auf der Weide angegriffen hat, Auf unseren weitläufigen Wiesen mit den zahlreichen Gräben sind sie leichte Beute für den Wolf“, schildert Jan Heusmann vom Landvolkkreisverband Wesermünde.

Die Wölfe hätten entgegen früheren Beteuerungen ihr Verhaltensmuster geändert und gelernt, dass sie mit anderen Jagdmethoden auch leicht größere Tiere wie Jungrinder und sogar tragende Rinder stellen könnten. Zwischen Cuxhaven und Stade wurden einige Tiere schließlich nicht durch den für den Wolf typischen Kehlbiss getötet, sondern quasi bei lebendigem Leib aufgefressen, schildert Heusmann. Für Tierhalter, die diese Tiere dann auf den Weiden vorfinden, eine äußerst grausame Erfahrung. Heusmann fürchtet daher wie viele andere Weidetierhalter das Aus für die Weidehaltung im Norden Niedersachsens.

„Wir können hier mit Zäunen egal welcher Bauart keinen Hochsicherheitstrakt installieren“, verdeutlicht Heusmann. Die ausgedehnten Grünlandflächen sind von unzähligen Gräben durchzogen. Diese wären nach den Vorstellungen des Wolfsbüros in einem Brief an die Rinderhalter in der betroffenen Region beispielsweise auszukoppeln. Die Tierhalter werden mit eine langen Liste konfrontiert, wie der wolfsabweisende Schutz auf Rinderweiden umzusetzen ist, damit sie zu den enormen Mehrkosten einen Zuschuss für die einmalige Anschaffung erhalten können.

Zu diesem Thema ist zudem eine Informationsveranstaltung am 8. November von 18 bis 20 Uhr in der Bördehalle in Lamstedt vorgesehen. Der niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, kurz NLWKN, hat dazu eingeladen. Weidetierhalter sind über die Ausbreitung zunehmend beunruhigt und haben sich bereits mehrfach auch an Ministerpräsident Stephan Weil gewandt.

Zunehmend stellen die betroffenen Weidetierhalter fest, dass die Wölfe weitaus weniger scheu sind als Experten versichern, die Beutegreifer erweisen sich als äußerst lernfähig und passen ihr Verhalten stets neu ihrer Umgebung an. „Dagegen können wir keinen wirksamen Schutz installieren“, heißt es unisono bei Haltern von Weidetieren. Sie sind zudem über die schleppende Aufarbeitung gemeldeter Wolfsrisse zutiefst enttäuscht und fühlen sich mit den negativen Begleiterscheinungen bei der Rückkehr des Wolfes allein gelassen.“


Herzlichst

Ihr

Jürgen Vogler


Quellen:

(*1) Tagesschau, www.tagesschau.de, Beitrag vom 7.11.2016: „Klage wegen Nitrat-Belastung in DeutschlandIgnorieren, hinhalten, versagen“, abgerufen am 8.11.2016, hier der Link!

(*2) Landvolk Niedersachsen, www.landvolk.net, Beitrag vom 7.11.2016: „Wolf versetzt Weidetierhalter in Schrecken“ (LPD 86/2016),abgerufen am 8.11.2016, hier der Link!

 

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