Umstritten: Verzicht auf Hütten für arbeitende Herdenschutzhunde

Es sei schlichtweg nicht möglich, die Tiere mit vertretbarem finanziellen Aufwand vor dem Raubtier Wolf zu schützen. Davon scheint der Erasbacher Schäfer Johann Gloßner offenbar überzeugt zu sein, als er diese Worte zu Dagmar Fuhrmann von der „Mittelbayerischen“ sagt. (*1)

Außerdem würden Herdenschutzhunde alles angreifen, was sie sähen: Radfahrer, Spaziergänger – einfach jeden. Man würde diese Hunde dennoch empfehlen, weil sich mit ihnen viel Geld verdienen ließe, so Gloßner.

An anderer Stelle äußerte der Präsident der „Gruppe Wolf Schweiz“ und Wolfsmonitor- Kolumnist David Gerke (selber Schäfer) einmal, dass die Wölfe den Strukturwandel in den betreffenden Teilen der Landwirtschaft beschleunigten.

Und genau danach sieht es aus, wenn ein Teil der Berufsgruppe der Schäfer behauptet, ein Nebeneinander von Wolf und Weidetieren sei nicht möglich, während ein anderer Teil genau derselben Berufsgruppe zeigt, wie dieses Nebeneinander funktioniert.

Deshalb wird es auch nach diesem Strukturwandel noch Schäfereien mit weidenden Schafen in Deutschland geben. Es werden jedoch vornehmlich diejenigen Schafhalter sein, die sich den neuen Gegebenheiten in angemessener Weise angepasst haben.

Es stimmt offensichtlich auch, dass die Arbeit mit Herdenschutzhunden (HSH) selbst für Schäfer eine Herausforderung darstellt, die sich mit Hütehunden sehr gut auskennen. Und offenbar sind auch (noch) nicht alle (auch rechtlichen) Rahmenbedingungen schon perfekt durchorganisiert.

Als Beschützer ihrer Herde greifen diese Hunde jedoch gewöhnlich nicht grundlos Spaziergänger und Radfahrer an, wie Gloßner es schildert, sondern sorgen hinter geeigneten Elektrozäunen dafür, dass sich niemand unerlaubt den Schafen nähert.

Sven de Vries überlässt nichts dem Zufall

In einem ganz anderen Licht, nämlich wesentlich konstruktiver, erscheint die Initiative des Wanderschäfers Sven de Vries. Er ruft gerade öffentlich dazu auf, seine Petition an den Deutschen Bundestag mit der Nr. 71176 zu unterstützen.

De Vries bittet alle Interessierten und Betroffenen – egal ob Pro oder Contra Wolf – die Petition zu unterzeichnen, weil die gültige Tierschutzhundeverordnung (TierSchHuV) es seiner Ansicht nach praktisch unmöglich macht, Herdenschutzhunde zum Schutz von Weidetieren vor dem Wolf rechtssicher einzusetzen.(*2)

Sven de Vries braucht 50.000 Mitzeichnungen für seine Petition, die noch bis zum 15. Juni 2017 läuft. Bis zur Veröffentlichung dieses Beitrags haben allerdings erst 1.568 Menschen diese Petition mitgezeichnet….über diesen Link gehts direkt zur Petition! (*3)

Im Gegensatz zu de Vries ist die Organisation „Hilfe für Herdenschutzhunde e.V.“ allerdings davon überzeugt, dass auch bei arbeitenden Herdenschutzhunden nicht auf Hütten oder Unterstände verzichtet werden sollte.

Das machte der Verein gestern auf der Social-Media-Plattform Facebook mit dem Beitrag „Von der Notwendigkeit von Schutzhütten auch für arbeitende Herdenschutzhunde“ deutlich. (*4) Dort heißt es, „das Tierschutzgesetz würde ad absurdum geführt werden, wenn der Verzicht auf Hütten und Unterstände erlaubt würde.“

Die Beispiele verdeutlichen, dass mit der Wolfsrückkehr auch zahlreiche Fragen aufgeworfen werden, auf die es offensichtlich nicht immer eindeutige Antworten gibt…


Quellen:

(*1) Mittelbayerische, www.mittelbayerische.de, Artikel von Dagmar Fuhrmann am 25.5.2017: „Die Sorgen eines Schafzüchters“, abgerufen am 26. Mai 2017, hier der Link!

(*2) Petition, www.hshpetition.de, von Sven de Vries, abgerufen am 26. Mai 2017, hier der Link!

(*3) Deutscher Bundestag Petitionen, www.epetitionen.bundestag.de, Petition Nr. 71176, abgerufen am 26. Mai 2017, hier der Link!

(*4) Facebook, www,facebook.com, Hilfe für Herdenschutzhunde e.V., + Link, abgerufen am 26. Mai 2017, hier der Link!

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